Zügiger Ausbau: Kreis Höxter wird Pilotprojekt des Landes
Ausbau des Mobilfunknetzes: Alle ziehen an einem Strang

Höxter (WB). So harmonisch nah waren sich die Vertreter der drei großen Mobilfunk-Netzbetreiber wohl noch nie – trotz der Corona-bedingten Auflagen mit Mindestabstand von Tisch zu Tisch und der Maskenpflicht. Treffpunkt der besonderen Besprechung mit Pressekonferenz war dieses Mal nicht der virtuelle Raum – sondern die große Aula im Höxteraner Kreishaus.

Mittwoch, 08.07.2020, 12:36 Uhr aktualisiert: 08.07.2020, 12:38 Uhr
Ohne eine störungsfreie und schnelle Datenverbindung geht es nicht: NRW-Minister Professor Dr. Andreas Pinkwart (links) hat im Kreishaus das neue Modellvorhaben des Landes vorgestellt. Es geht darum, den Mobilfunkausbau im ländlichen Raum kooperativ zügig voranzutreiben. Landrat Friedhelm Spieker freute sich mit ihm und begrüßte auch die Vertreter der großen Mobilfunk-Netzbetreiber. Foto: Harald Iding
Ohne eine störungsfreie und schnelle Datenverbindung geht es nicht: NRW-Minister Professor Dr. Andreas Pinkwart (links) hat im Kreishaus das neue Modellvorhaben des Landes vorgestellt. Es geht darum, den Mobilfunkausbau im ländlichen Raum kooperativ zügig voranzutreiben. Landrat Friedhelm Spieker freute sich mit ihm und begrüßte auch die Vertreter der großen Mobilfunk-Netzbetreiber. Foto: Harald Iding

„Die Sonne strahlt und wir bringen gemeinsam ein Modellvorhaben auf den Weg, das die Zukunft beinhaltet“, betonte am Dienstag ein bestens gelaunter Wirtschafts- und Digitalminister im Gespräch mit dem WESTFALEN-BLATT. Professor Dr. Andreas Pinkwart (FDP) will als NRW-Minister dafür sorgen, dass die Landkarte seines Landes so wenig weiße Flecken wie möglich aufweist. Am liebsten wäre ihm sowieso, wenn alle Menschen, ob in der Großstadt oder auf dem Land, auf eine ausreichend vorhandene und schnelle Mobilfunkversorgung zugreifen könnten. „Wir sind auf einem guten Weg und das neue Modellvorhaben bringt uns nach vorn“, so Pinkwart, der sich über die bisher gute Zusammenarbeit mit den drei Mobilfunk-Netzbetreibern „Deutsche Telekom“, „Telefónica“ und „Vodafone“ freut. Nach deren Angaben erreiche man in NRW eine LTE-Haushaltsversorgung von 97,3 bis 99,4 Prozent. Der Anteil der mit LTE versorgten Fläche in Nordrhein-Westfalen durch mindestens einen Mobilfunk-Netzbetreiber würde bei rund 93,3 Prozent liegen. Diese drei Unternehmen hätten im Rahmen des „Mobilfunkpaktes“ bereits zugesagt, die LTE-Mobilfunkverfügbarkeit in NRW bis Sommer 2021 durch Aufrüstungen und Neubau von insgesamt 6850 Basisstationen erheblich zu verbessern.

In der Aula des Kreises Höxter haben sich die Vertreter der Mobilfunk-Netzbetreiber sowie der Politik und Bezirksregierung getroffen.

In der Aula des Kreises Höxter haben sich die Vertreter der Mobilfunk-Netzbetreiber sowie der Politik und Bezirksregierung getroffen. Foto: Harald Iding

Mit vereinten Kräften wollen nun der Kreis Höxter und die Netzbetreiber im engen Zusammenwirken mit der Bezirksregierung Detmold und dem Land zusammenarbeiten, um die noch vorhandenen Versorgungslücken besser schließen zu können. Pinkwart sagte dieser Zeitung: „Alle drei Anbieter haben die Versorgungsauflagen erfüllt. Es gibt aber Regionen, in denen die Versorgung nicht da ist, wo sie sein sollte. Eine davon ist Höxter. Wir wollen auch diese Region in den Bereich einer besten Versorgung bringen. Jetzt haben sich alle Verantwortlichen zusammengetan, die Daten übereinander gelegt und geschaut, wo wir stehen, was zu tun ist und geplant werden muss. Im Kreis Höxter kommen allein in den nächsten zwölf Monaten 35 neue LTE-Stationen hinzu. Damit kriegen wir die weißen Flecken sehr gut ausgefüllt!“ Pinkwart halte sich sehr gerne in OWL auf. „Ich bin sehr begeistert von den Menschen, die auch digital affin sind und pragmatisch die Dinge vorantreiben. Dieser Landesteil soll sich doch genauso gut entwickeln wie alle anderen!“

Investitionen angekündigt

Der Minister habe in Höxter gleich offene Türen vorgefunden. Er freue sich, dass alle Mobilfunk-Netzbetreiber zu dem wichtigen Treffen in der Weserstadt angereist sind (einige kamen sogar aus München). Zudem hätten sie wochenlang in Videokonferenzen schon engagiert mitgearbeitet. Pinkwart: „Ich bin fest überzeugt, dass die angekündigten Investitionen der Betreiber auch in den nächsten Monaten umgesetzt werden.“

Der Abbruch von Funkverbindungen soll in naher Zukunft passé sein. Von frustrierenden Erfahrungen am Handy konnte selbst Landrat Friedhelm Spieker berichten. „In einer wichtigen Besprechung brach unterwegs drei Mal die Verbindung ab. Das muss sich ändern.“ Es gehe Spieker auch um die Gleichheit der Lebensverhältnisse in Stadt und Land.

Die Kommunen im Kreis Höxter seien bereit, die Mobilfunk-Netzbetreiber beim Ausbau organisatorisch und inhaltlich zu unterstützen. „Wir erwarten aber eine deutliche Beschleunigung des Ausbaus – denn die vorhandenen Versorgungslücken sind nicht mehr hinnehmbar“, stellte Spieker klar heraus. Das Land NRW hat übrigens folgende Gemeinden an die Bundesnetzagentur als „weiße Flecken“ gemeldet, die es im Kreis besonders hart trifft: Bad Driburg, Beverungen, Borgentreich, Brakel, Höxter und Willebadessen.

Bei dem Treffen nutzten gestern auch der heimische Bundestagsabgeordnete Christian Haase und der Landtagsabgeordnete Matthias Goeken (beide CDU) die Chance, sich zu informieren.

Pinkwart sagte zum Schluss: „Das ist ein bundesweit einmaliges Modellprojekt, das wir heute in Höxter gestartet haben. Wenn das hier in der Region gut gelingt, wollen wir das auch an anderen Standorten nutzbar machen.“

 

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