Stadt- und Museumsführerin Erika Röllke nimmt nach 47 Jahren Abschied
Gäste für Corvey und Höxter begeistert

Höxter (WB). Wie viele Menschen sie geführt hat, lässt sich kaum beziffern. Bei 47 Jahren ist es auch schwierig, die Gäste in einer konkreten Zahl zu quantifizieren. Unabhängig davon, wie viele es genau waren, steht aber eines fest: Erika Röllke (73) hat die Menschen für Corvey, die ehemalige Reichsabtei am Weserbogen und heutige UNESCO-Welterbestätte, mit ihren Führungen begeistert.

Dienstag, 14.07.2020, 07:00 Uhr
Abschied nach 47 Jahren: Annette Beckert (links) und Michael Funk (rechts) danken Erika Röllke für ihr jahrzehntelanges Engagement als Museumsführerin. Sie und auch ihr Ehemann Wilfried Röllke haben viele Gäste für Corvey und Höxter begeistert. Foto: Sabine Robrecht
Abschied nach 47 Jahren: Annette Beckert (links) und Michael Funk (rechts) danken Erika Röllke für ihr jahrzehntelanges Engagement als Museumsführerin. Sie und auch ihr Ehemann Wilfried Röllke haben viele Gäste für Corvey und Höxter begeistert. Foto: Sabine Robrecht

Nach 47 Jahren zieht die gebürtige Höxteranerin nun aus gesundheitlichen Gründen den Schlussstrich. So lange hat Erika Röllke Besuchergruppen durch Corvey und auch durch ihre Heimatstadt Höxter geleitet. „Ich werde Sie sehr vermissen“, brachte Museumspädagogin Annette Beckert der scheidenden Corvey-Führerin bei ihrer Verabschiedung Wertschätzung entgegen. Diese Würdigung teilt Michael Funk, Geschäftsführer der Kulturkreis Höxter-Corvey gGmbH, der Erika Röllke mit einem Blumenstrauß und einem Corvey-Buch seinen Dank aussprach. „Wir danken für Ihr Engagement, Ihre Zeit und Ihre Geduld.“.

Anerkennung war Highlight

Führungen seien immens wichtig, so Funk, weil sich den Besuchern vieles nicht ohne Erläuterungen erschließe. Beispiel: August Heinrich Hoffmann von Fallersleben, von 1860 bis zu seinem Tod 1874 Bibliothekar in Corvey. „Wer seiner Büste begegnet, weiß nicht auf Anhieb, dass er auch bekannte Kinderlieder wie ‚Sum, summ, summ, Bienchen summ herum’ gedichtet hat.“ All das hat Erika Röllke ihren unzähligen Gästen bei Führungen erzählt. Fesselnd hat sie den Gruppen Corveys lange Geschichte vermittelt. Und sie für dieses Juwel, das 2014 in den Kreis der UNESCO-Welterbestätten aufgenommen wurde, begeistert.

„Die Anerkennung als Weltkulturerbe war ein Highlight“, bilanzierte Erika Röllke in der Rückschau auf 47 Jahre. Einen konkreten Lieblingsplatz hat sie in Corvey nicht. Die gesamte Anlage – das barocke Schloss, das karolingische Westwerk und die ehemalige Abteikirche – liegt ihr in ihrer besonderen Strahlkraft am Herzen. In der Altstadt von Höxter, durch die sie in all den Jahrzehnten auch unzählige Besucher geführt hat, liebt sie den Wall mit seinem Schatten spendenden Blätterdach und die alte Stadtmauer.

Sowohl bei Stadt-, als auch bei Museumsführungen in der ehemaligen Benediktinerabtei habe sie eines immer herausgehört: „Höxter und Corvey sind schöne Orte.“ Dieses Feedback hat ihr immer wieder Freude gemacht. Und auch die Freundlichkeit der meisten Gäste – unter ihnen nicht wenige „Wiederholungstäter“ – war ihr immer wieder ein Ansporn. Und hat sie in ihrer Besonnenheit bestärkt, mit der sie Stresssituationen wie etwa Verspätungen von weit gereisten Bus-Gruppen souverän meisterte.

Immer wieder Neues entdeckt

Dass sie nach fast 50 Jahren – viel mehr als einem halben Leben – jetzt Abschied nimmt, erfüllt die 73-Jährige natürlich mit Wehmut. Sie ist aber nicht aus der Welt, bleibt ihrer Heimatstadt Höxter treu und steht ihrem Mann Wilfried (75) weiter zur Seite, der mit seinem Unternehmen „Weserbergland-Tours“ Reiseleitungen und Führungen durch die Städte der Region anbietet. Corvey gehört ebenfalls zum Portfolio. Daher ist das ehemalige Kloster auch Wilfried Röllke, der aus Belin stammt und seit 1964 in Höxter lebt, sehr vertraut. Er und seine Ehefrau empfinden es als spannend, dass man immer wieder etwas Neues entdeckt, obwohl man in einer Anlage wie der heutigen Welterbestätte oder in der Altstadt von Höxter eigentlich jeden Stein kennt. Nächstes Jahr möchte auch er aufhören – und zusammen mit seiner Frau den Ruhestand genießen.

Michael Funk und Annette Beckert wünschten beiden bei der Verabschiedung ihrer langjährigen Museumsführerin Erika Röllke alles Gute. Nach dem wegen der Corona-Pandemie verzögerten Saisonstart „kehrt in Corvey wieder Leben ein“, bilanzierten sie. Radfahrergruppen, aber auch einige Busreisende steuern die Welterbestätte ebenso an wie Individualbesucher.

Täglich geöffnet

Schloss, Museum und Fürstliche Bibliothek sind ebenso wie das karolingische Westwerk, die ehemalige Abteikirche und der Friedhof mit Hoffmann-Grab täglich in der Zeit von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Es gelten Abstands- und Maskenpflicht. Führungen sind unter Einhaltung der Corona-Richtlinien möglich. „Öffentliche Führungen bieten wir auch wieder an“, informiert Michael Funk. Die Zeiten: samstags und sonntags um 11 Uhr. Informationen im Internet: www.schloss-corvey.de und www.welterbewestwerkcorvey.de.

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