Kitas im Kreis nehmen am 17. August wieder den Regelbetrieb auf
„Kinderlachen hat uns gefehlt“

Höxter(WB). Eine Entlastung für viele Eltern und ein lang ersehnter Schritt zu mehr Normalität: Ab dem 17. August nehmen die Kindergärten und Kindertagesstätten in Nordrhein-Westfalen wieder ihren Regelbetrieb auf. Was das bedeutet und wie die Erzieherinnen im Kreis Höxter dazu stehen, hat das WESTFALEN-BLATT erfragt.

Freitag, 31.07.2020, 05:27 Uhr aktualisiert: 31.07.2020, 05:30 Uhr
Anna Fast (Mitte) aus Höxter freut sich für ihre Kinder Maxim (2) und Angelina (5) über den Regelbetrieb. Sie fragt sich allerdings, wie lange dieser wohl anhalten mag. Foto: Ellen Waldeyer
Anna Fast (Mitte) aus Höxter freut sich für ihre Kinder Maxim (2) und Angelina (5) über den Regelbetrieb. Sie fragt sich allerdings, wie lange dieser wohl anhalten mag. Foto: Ellen Waldeyer

Am 16. März wurden Schulen und Kitas gänzlich geschlossen, nur einige Kinder von Eltern aus systemrelevanten Berufen durften in die Notbetreuung. Seit dem 8. Juni können zwar alle Kinder wieder in die Kita gehen, allerdings nur unter strengen Auflagen und im reduzierten Umfang. Kinder, dessen Eltern eigentlich 45 Stunden gebucht haben, gingen also gerade einmal 35 Stunden in die Kita.

Statt wie geplant zum ersten September öffnen die Kitas nun am 17. August wieder, nur wenige Tage nach dem Schulstart in NRW. Dass die Hygienemaßnahmen auch im Regelbetrieb beibehalten werden, stehe außer Frage, sagt Wilhelm-Josef Finger, stellvertretender Geschäftsführer der Katholischen Kindertageseinrichtungen Hochstift. Der Träger hat ein striktes Hygienekonzept erarbeitet, um die Pandemie einzudämmen. „Was sich jetzt ändert, ist, dass Eltern nun wieder die regulär gebuchten Zeiten in Anspruch nehmen können und dass gruppenübergreifend gearbeitet werden darf“, erklärt er. Der normale Betrieb und die Konzepte der Kitas können so nach langer Zeit – unter Einhaltung der Schutzmaßnahmen – wieder aufgenommen werden.

Die Kita St. Peter und Paul in Höxter geht mit drei Gruppen, darunter auch die unter Dreijährigen, wieder in den Regelbetrieb. Leiterin Patricia Bieber freut sich, dass die Erzieherinnen den Eltern eine Last abnehmen können und dass sich die Arbeit in der Kita nun vereinfacht. Wegen der strikten Gruppentrennung mussten Absprachen mit Kollegen über den Flur getroffen werden. Außerdem kam es zu Personalmangel, wenn eine Erzieherin ausfiel, da das Aushelfen in anderen Gruppen oder das Zusammenlegen einer Gruppe nicht erlaubt waren.

Stück Normalität

„Es ist grundsätzlich gut, dass jetzt ein Stück Normalität zurückkehrt“, meint Patricia Bieber. Allerdings hat sie auch einige Bedenken. „Ich glaube, der Regelbetrieb wird jetzt etwas zu schnell wieder aufgenommen. Es ist immer schwierig, teilweise auch unmöglich, die Abstände einzuhalten. Wenn sich die Kinder jetzt aus den verschiedenen Gruppen untereinander wieder treffen dürfen, ist die Ansteckungsgefahr höher“, befürchtet die Pädagogin.

Andrea Lammert, Leiterin der Kita „Rappelkiste“ in Höxter, blickt zuversichtlich auf den 17. August. „Das Kinderlachen hat uns sehr gefehlt. Es war einsam, wenn die Kinder nur begrenzt kamen“, sagt sie. Die Kita, die von einer Elterninitiative gegründet wurde, betreut 34 Kinder, die zwischen ein bis sechs Jahre alt sind. Da viele Kinder der Kita Eltern mit systemrelevanten Berufen haben, waren die Erzieherinnen durchgehend mit voller Besatzung im Einsatz.

Geändert hat sich sowohl in der Kita St. Peter und Paul, als auch in der „Rappelkiste“ Einiges durch Corona. „Wir sind fast immer draußen. Stuhlkreise sind ins Freie verlegt worden, es wird draußen gespielt und wir unternehmen Spaziergänge an der frischen Luft“, erklärt Leiterin Andrea Lammert. Eltern dürfen die Kleinen nicht mehr bis ins Gebäude begleiten, sondern verabschieden sich auf dem Außengelände. Das werde in der „Rappelkiste“ so beibehalten, in der Kita St. Peter und Paul dürfen die Eltern die Kinder bald wieder drinnen verabschieden. Es wird außerdem viel mehr desinfiziert und gereinigt. Die Kinder seien bereits zu kleinen „Corona-Detektiven“ herangewachsen, berichtet Andrea Lammert. Wenn ein jüngeres Kind etwas in den Mund genommen hat, berichten das die Älteren den Erzieherinnen, die das Spielzeug dann reinigen. Außerdem berichten die Kinder, auf welcher Toilette sie waren, so dass diese direkt im Anschluss desinfiziert werden kann.

Neue Regelungen umgesetzt

Beide Leiterinnen betonen, wie gut die Kinder die neuen Regelungen umgesetzt haben. Besonders die Jüngsten hätten das alles schnell begriffen und das Händewaschen nach Betreten des Kindergartens sei zur Routine geworden. Andrea Lammert steckt voller Vorfreude, alle Kinder im üblichen Rahmen wiederzusehen, aber sie sieht sich vor eine neue Herausforderung gestellt. Kinder zeigen – besonders zu dieser Zeit – häufig Erkältungssymptome. Das Land NRW sieht vor, die Kleinen nicht sofort bei einer laufenden Nase zu Hause zu behalten, sondern erst wenn weitere Symptome wie Husten dazukommen. Dann folgt einer Art „Mini-Quarantäne“. Die Eltern sollen die Kleinen zu Hause genau im Blick behalten. „Wir können nur hoffen, dass die Eltern gut mitarbeiten und verantwortungsvoll handeln, also ihre Kinder nicht krank in die Kita schicken“, so Lammert.

Ob der Regelbetrieb zu steigenden Infektionszahlen führt, wird die Zukunft zeigen. Der Kreisdirektor des Kreises Höxter, Klaus Schumacher, vertritt die Ansicht, dass es vor dem Hintergrund einer zweiten drohenden Corona-Infektionswelle vertretbar gewesen wäre, mit dem Corona-Betreuungsbetrieb in das neue Kindergartenjahr zu starten. Das Land entschied anders.

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