Höxters Bürgermeister Fischer wehrt sich gegen Kritik – Verfahren liegt in Düsseldorf
CDU: „Horrorhaus muss weg“

Höxter-Bosseborn (WB). Das Horrorhaus Bosseborn wird zum Wahlkampfthema. CDU-Ratsherr Günther Ludwig wirft Bürgermeister Alexander Fischer vor, „halbherzig“ an Ankauf und Abriss der Hofstelle am Saatweg zu arbeiten. „Für uns steht fest, das Haus muss weg – und zwar so schnell wie möglich“, bringt es Ludwig im Gespräch mit dem WESTFALEN-BLATT auf den Punkt.

Dienstag, 04.08.2020, 05:15 Uhr aktualisiert: 06.08.2020, 09:30 Uhr
CDU-Mitglieder im Ortsausschuss Bosseborn fordern den Kauf und Abriss des Horrorhauses durch die Stadt Höxter (von links): Stefan Potthast, Detlef Bierbüsse, Meinolf Siebrecht, Stefan Grewe, Bruno Kieneke und Günther Ludwig Foto: CDU
CDU-Mitglieder im Ortsausschuss Bosseborn fordern den Kauf und Abriss des Horrorhauses durch die Stadt Höxter (von links): Stefan Potthast, Detlef Bierbüsse, Meinolf Siebrecht, Stefan Grewe, Bruno Kieneke und Günther Ludwig Foto: CDU

Beschluss ein Jahr alt

Bereits im Juni vergangenen Jahres hatte der Ortsausschuss Bosseborn den Beschluss gefasst, dass die Stadt das Gebäude kaufen und im Anschluss abreißen lassen soll. Passiert sei seitdem wenig, moniert Ludwig, der bei der Kommunalwahl im September auch CDU-Kandidat für den Wahlkreis Ovenhausen-Bosseborn ist.

Er selbst sei vor wenigen Tagen in der Stadtverwaltung vorstellig geworden und habe dort lediglich erfahren, dass die Stadt „dabei sei, das Haus zu kaufen“, das Verfahren aber dauere. „Wenn es ein Haus gibt, das Höxters Ruf beschädigt hat, dann dieses“, sagt Ludwig. Er hätte erwartet, dass Bürgermeister Fischer Ankauf und Abriss zur Chefsache erklärt.

Grausamer Kriminalfall

Zur Erinnerung: Die beiden inzwischen verurteilten Hausbewohner des Saatweg 6 in Bosseborn, Angelika und Wilfried W., sollen bis 2016 jahrelang eine Vielzahl von Frauen in das schlichte Haus gelockt, seelisch und körperlich schwer misshandelt und finanziell ausgebeutet haben. Zwei Frauen starben infolge der Quälereien. Angelika und Wilfried W. wurden im Oktober 2018 zu 13 und elf Jahren Haft wegen Mordes durch Unterlassen verurteilt, wobei Wilfried W. sofort in die geschlossene Psychiatrie eingewiesen wurde.

Drogen-Dachdecker

Im Anschluss erwarb ein schottischer Dachdecker das Haus von einer Bosseborner Erbengemeinschaft. Gemeinsam mit Komplizen züchtete er dort 1000 Cannabispflanzen und flog auf. Im Verfahren gegen den Dachdecker aus Bredenborn hatte die Paderborner Justiz schon 2018 die Einziehung des Anwesens Saatweg 6 angeordnet. Das Land NRW wurde Übergangseigentümer. Der landeseigene Liegenschaftsbetrieb verwaltet die Immobilie seitdem.

Um in die Sache mehr Tempo zu bringen, will die CDU jetzt einen Antrag in den Stadtrat einbringen, der Kauf und Abriss der Immobilie am Saatweg fordert. „Das dürfte auch zu einem kleinen Preis möglich sein, da es sich um eine Schrottimmobilie handelt“, sagt Günther Ludwig.

Schnelle Lösung gefordert

Bruno Kieneke, Vorsitzender des Ortsauschusses Bosseborn, hofft ebenso auf eine schnelle Lösung. „Nur wenn das Haus weg ist, verschwindet es auch aus den Köpfen unserer Mitbürgerinnen und Mitbürger in Bosseborn“, sagt er. Er beklagt darüber hinaus, dass es auch vier Jahre nach der Verhaftung von Angelika und Wilfried W. noch immer „Sensationstourismus“ gebe. Dass Wilfried W. zuletzt mit dem Verschwinden der Paderborner Schwesternschülerin Frauke Liebs in Verbindung gebracht wurde, habe das Horrorhaus von Bosseborn erneut in die Schlagzeilen gebracht.

Fischer widerspricht

Bürgermeister Alexander Fischer wies den Vorwurf der Untätigkeit gestern zurück. Er sei in den vergangenen Monaten mit der Bauabteilung zu dem Thema im ständigen Austausch gewesen. Voraussetzung für einen Kauf sei aber, dass das Gebäude auch erwerbbar sei – und das sei bislang nicht der Fall. „Das Verfahren hängt in Düsseldorf. Das Finanz- und das Justizministerium verhandeln immer noch, wie mit dem Gebäude umzugehen ist“, so Fischer. Erst danach könne das Haus von der zuständigen Staatsanwaltschaft Paderborn veräußert werden. Fischer hofft, dass zwischen den Behörden schnell eine Lösung herbeigeführt werden kann. „Ich weiß, wie wichtig die Angelegenheit für die Bosseborner ist.“

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