WESTFALEN-BLATT-Umfrage: Mehrwertsteuersenkung bewegt nur wenige zum Kauf
Manche profitieren vom Corona-Blues

Kreis Höxter(WB). Bei einem kleinen Einkauf im Supermarkt sind es vielleicht nur 50 Cent, bei der Anschaffung einer neuen Waschmaschine dann schon 30 Euro und bei einem neuen Auto können es schnell mal 1000 Euro und mehr sein. Die Senkung der Mehrwertsteuer von 19 auf 16 Prozent für ein halbes Jahr sollte den Konsum im Land während der Corona-Krise ankurbeln. Im Kreis Höxter hat das wohl nur auf sehr bescheidenem Niveau funktioniert, wie eine (nicht repräsentative) Umfrage des WESTFALEN-BLATTES belegt.

Donnerstag, 13.08.2020, 06:22 Uhr aktualisiert: 13.08.2020, 06:30 Uhr
Schmuck oder eine schöne Uhr zu kaufen, das steht für die Kunden von Ralf Gartenschläger trotz der Mehrwertsteuersenkung derzeit nicht ganz oben auf der Wunschliste. „Viele haben aber ihre alten Uhren wiederentdeckt und lassen sie nun reparieren“, sagt der Goldschmied. Foto: Ralf Brakemeier
Schmuck oder eine schöne Uhr zu kaufen, das steht für die Kunden von Ralf Gartenschläger trotz der Mehrwertsteuersenkung derzeit nicht ganz oben auf der Wunschliste. „Viele haben aber ihre alten Uhren wiederentdeckt und lassen sie nun reparieren“, sagt der Goldschmied. Foto: Ralf Brakemeier

Mehr Reparaturen

Der Ring im Schaufenster, der die Passanten begeistert, die außergewöhnliche Uhr oder ein besonderes Schmuckstück, zu deren Anschaffung man sich immer nicht durchringen konnte – drei Prozent weniger, das könnte doch der Anstoß sein, sich auch und gerade in diesen schwierigen Zeiten einmal etwas Besonderes zu gönnen? „Das kann ich leider nicht feststellen“, sagt Goldschmied Ralf Gartenschläger aus Höxter. Im Gegenteil: „Die Menschen haben in diesen Zeiten einfach wenig Lust, sich mit den schönen Dingen zu beschäftigen“, so Gartenschläger. Die Umsätze in seinem Uhren- und Schmuckgeschäft sind gesunken, mit Maske hätten viele Kunden keinen Spaß am Shoppen. Bei einigen Touristen komme es zu Spontankäufen. „Die sehen etwas im Schaufenster, wollen aber kaum Beratung“, hat Ralf Gartenschläger festgestellt. Was boomt, sind die Arbeiten in der Werkstatt. Durch Corona verbringen die Menschen mehr Zeit zu Hause, räumen auf und finden das eine oder andere. „Vor lauter alten Uhren weiß ich schon nicht mehr wohin“, lacht der Uhrmacher, dessen Handwerkskunst sich schon weit herumgesprochen hat. „Kunden kommen natürlich aus Höxter und Umgebung. Viele bringen ihre reparaturbedürftigen Schätze aber auch aus Holzminden, aus Hameln oder sogar Göttingen“, so Gartenschläger. Das alte Handwerk sei nicht mehr überall präsent, da habe Höxter schon noch Strahlkraft.

Lieber Sonderaktionen

Bei so einem luxuriösen Plug-In-Hybrid-SUV würden sich drei Prozent weniger schon im Portemonnaie bemerkbar machen. Andreas Rempel vom Ford-Autohaus Heine in Bredenborn, Bergheim und Höxter hatte allerdings noch keinen Kunden, der sich wegen der Mehrwertsteuersenkung zum Autokauf entschieden hätte. „Die Hersteller bieten immer wieder Sonderaktionen, das lohnt sich für den Käufer dann deutlich mehr“, sagt er. Wer ohnehin ein Auto kaufen möchte, dem rät Rempel allerdings, sich zu beeilen: „Bei besonders beliebten Modellen gibt es schon einige Monate Lieferzeit.“ Wenn das Fahrzeug dann erst im Januar ausgeliefert wird, gelten wieder die üblichen 19 Prozent Mehrwertsteuer.

Daheim schön machen

„Viele verzichten auf ihren Urlaub und sind wegen der Kurzarbeit öfter zu Hause. Da nehmen sie sich das gesparte Geld und machen es sich daheim schön.“ Raumausstatter Michael Köster aus Höxter hat in Corona-Zeiten mehr zu tun als üblich. Die Senkung der Mehrwertsteuer habe allerdings nur dazu geführt, dass manche Kunden ihre Aufträge vor- oder nachgezogen hätten. „Ob auch für die Verschönerung der Wohnung der gesenkte Steuersatz gilt, das haben schon ein paar Kunden gefragt“, so Köster. Das Höxteraner Traditionsgeschäft feiert in diesem Jahr das Jubiläum seines 175-jährigen Bestehens.

Boom im Juli

Ventilatoren und Klimageräte sind seit vergangener Woche schwer gefragt im expert-Elektrofachmarkt in Höxter. Das hat allerdings weniger mit Steuersenkungen, als mit den sehr sommerlichen Temperaturen zu tun. „Bei den Kunden war die Steuersenkung vor allem Anfang Juli ein Thema. Wir geben die drei Prozent 1:1 an die Kunden weiter, bei größeren Anschaffungen lohnt sich das schon“, sagt expert-Mitarbeiter Jonas Huwe. Viele hätten eine Anschaffung wegen der Mehrwertsteuer um ein paar Wochen verschoben. Der Absatz von Kühl- und Gefriergeräten, traditionell im Sommer stark, habe sich, wohl auch weil wegen Corona viele zu Hause bleiben, noch etwas gesteigert, hat Huwe festgestellt. Insgesamt setzt expert in Höxter auf gute Umsätze – in diesem Jahr ist der Markt seit 20 Jahren in Höxter ansässig und macht auch Sonderaktionen.

Bei kleinen Beträgen ist die Steuersenkung für den Kunden weniger spürbar, obwohl er – etwa beim regelmäßigen Lebensmittel-Einkauf – auf lange Sicht auch spart. Die kleinen Fachgeschäfte, das haben Nachfragen ergeben, profitieren allerdings kaum von der Konjunktur-Maßnahme der Bundesregierung. Eher schon vom „Corona-Blues“. Viele haben den Urlaub gecancelt, sind wegen Kurzarbeit öfter zu Hause. Dann werden manche Anschaffungen getätigt

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