Verkaufsoffene Sonntage werden abgesagt – Umsatzeinbußen können nicht abgefangen werden
„Brauchen mehr Flexibilität“

Kreis Höxter (WB). Bei Jürgen Knabe lief am Montag das Telefon heiß. Für den 27. September, den 31. Oktober und den 6. Dezember hatte die Werbegemeinschaft Höxter, deren Vorsitzender Knabe ist, verkaufsoffene Sonntage in der Kreisstadt geplant . Nun fällt wohl alles ins Wasser.

Montag, 31.08.2020, 16:48 Uhr aktualisiert: 31.08.2020, 16:50 Uhr
Verkaufsoffene Sonntag im Kreis fallen wohl aus. Foto: dpa
Verkaufsoffene Sonntag im Kreis fallen wohl aus.

Die Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts NRW vor wenigen Tagen, zusätzliche verkaufsoffene Sonntage wegen Corona zu verbieten, ist auch für Höxter bindend. „Für uns ist das ein Schlag ins Gesicht“, sagt Knabe. Noch immer hätte der Einzelhandel in Höxter nicht die Umsatzzahlen von vor der Krise erreicht. „Vier verkaufsoffene Sonntage hätten ein Umsatzplus von 3,5 Millionen Euro für Höxter bedeutet“, berichtet der Vorsitzende von den Zahlen, die der Einzelhandelsverband ermittelt hat. Für den 31. Oktober hat die Werbegemeinschaft Höxter ihr traditionelles „Late Night Shopping“ geplant. „Vielleicht können wir solche Events häufiger durchführen. Vorstand und Beirat der Werbegemeinschaft werden das am Donnerstag beraten“, sagt Knabe. Voraussetzung sei, dass die Infektionszahlen stabil blieben. Man wolle auf keinen Fall, dass Besucher gefährdet werden.

Steinheim

Schon vor den Gerichtsurteilen hatte die Stadt Steinheim verkaufsoffene Sonntage für 2020 ausgeschlossen. Sie könne die Verantwortung nicht übernehmen. Daniel Krüger, Vorsitzender der Werbegemeinschaft in Steinheim, ist resigniert: „Wir können nichts weiter planen. Es wird keine Veranstaltung geben.“

Brakel

Die Hoffnung auf vier verkaufsoffene Sonntage hat im Gegensatz dazu Rainer Schäfers, Chef des Werberings Brakel, noch nicht aufgegeben: „Wir haben Ideen entwickelt, der Antrag ist gestellt, bei der nächsten Ratssitzung (am 10. September) soll die Politik entscheiden.“ Der Brakeler Einzelhandel habe bereits starke Umsatzeinbußen zu verzeichnen, nicht zuletzt durch die Absage der großen Volksfeste wie Annentag. „Wir müssen irgendetwas tun, die Folgen der Corona-Krise ein wenig abzufedern“, hofft Schäfers. Wie immer die Entscheidung am Ende ausfalle, das wichtigste für die Unternehmen in Brakel sei die Planungssicherheit.

Bad Driburg

„Die momentane Situation ist der ‚worst case‘“, sagt Philippe Potente. Der Apotheker aus Bad Driburg führt auch den Werbering der Badestadt und weiß, welche Bedeutung ein verkaufsoffener Sonntag für den Einzelhandel gehabt hätte. Er beklagt: „Die Landesregierung hat freizügige Regelungen herausgegeben. Die maßgeblichen Verwaltungsvorschriften hat sie aber nicht geändert.“ Das nutze die Gewerkschaft Verdi nun aus. Potente hätte sich von der Landesregierung bereits im Sommer Gesetze gewünscht, die die Einschränkungen des Einzelhandels, auch was die Öffnungszeiten angehen, gemildert hätten. „Wir brauchen mehr Flexibilität. So sind wir stationäre Händler zu sehr im Nachteil gegenüber Online- und Versandhändlern“, sagt Potente. Veranstaltungen gemeinsam mit Vereinen sind für ihn keine Lösung. Die Ehrenamtlichen könnten ein Hygienekonzept nicht garantieren, damit würde man die Vereine überfordern. Allenfalls in längeren Öffnungszeiten am Samstagabend sieht er einen Hoffnungsschimmer.

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