Forum Jacob Pins öffnet trotz Corona zum Tag des offenen Denkmals
„Das muss man vor Ort erleben“

Höxter (WB). Am vergangenen Wochenende wurde nicht nur gewählt – für Geschichtsfans und Kunstinteressierte öffnete auch das Forum Jacob Pins im historischen Adelshof zum Tag des offenen Denkmals die Türen.

Dienstag, 15.09.2020, 03:00 Uhr
Museumsbesuch mit Maske: Margritta und Wolfgang Knaus aus Stuttgart wollten die Atmosphäre im Forum Jacob Pins am Tag des offenen Denkmals vor Ort erleben. Im Hintergrund sind Jacob Pins und Fritz Aschers Clownsbilder zu sehen. Foto: Timo Gemmeke
Museumsbesuch mit Maske: Margritta und Wolfgang Knaus aus Stuttgart wollten die Atmosphäre im Forum Jacob Pins am Tag des offenen Denkmals vor Ort erleben. Im Hintergrund sind Jacob Pins und Fritz Aschers Clownsbilder zu sehen. Foto: Timo Gemmeke

Zu sehen war unter anderem die neue Ausstellung mit Werken des deutschen Malers Fritz Ascher, dessen Schicksal als Sohn jüdischer Eltern – wie das Pins – eng mit dem Nationalsozialismus und dem Holocaust zusammenhängt. Ascher, dessen Schaffen zwar eine Künstlergeneration vor Pins einzuordnen ist, der nach der Machtergreifung aber nicht emigrierte, erlebte die Gräueltaten der Nazis in Sachsenhausen. Seine Erfahrungen und Erlebnisse spiegelten sich nach 1945 auch in seinen Bildern wieder: Den Clown Bajazzo, den Ascher bereits vor 1933 malte, ergänzte er mit flirrenden Farbpunkten, die seine Desillusion aber auch Entfremdung während der Schreckensjahre ausdrücken.

Den Großteil seiner Werke nach dem Krieg machen jedoch Landschafts- und Naturmalereien aus. „Als Ausdruck seiner Flucht vor dem Erlebten“, erklärt Museumspädagogin Eva Rüscher. Die Bilder im Forum Jacob Pins zeigen beide Welten Aschers: Die Clownsbilder ab den 20er-Jahren aus seiner frühen Berliner Schaffensphase und die Werke nach dem Krieg, in denen der Mensch als Motiv mehr und mehr verschwindet.

Trotz Corona geöffnet

Abseits der neuen Ausstellung stand beim Tag des offenen Denkmals – wie in den Vorjahren – aber vor allem das Gebäude im Mittelpunkt, in denen das Forum Jacob Pins vor zwölf Jahren untergekommen ist. Der alte Adelshof im Stil der Weserrenaissance sei weiterhin eine beliebte Attraktion, sagt Museumspädagogin Rüscher. Dass es mal eine „Ruine, ein wirklich übler Anblick“ war, erkenne man heute nicht mehr. Neben der Restauration des Gebäudes sei es eben aber auch das Wirken Pins gewesen, als er den Großteil seines Werkes der Stadt Höxter und später der Jacob Pins Gesellschaft vermachte. „Heute ist es ein Gebäude in dem man zu jeder Zeit eine ganz besondere Atmosphäre spürt“, sagt Rüscher.

Auch digitale Alternativen

Dass man diese Atmosphäre auch in Corona-Zeiten am besten vor Ort erlebt, davon sind auch Margritta und Wolfgang Knaus aus Stuttgart überzeugt, die gemeinsam den Weserradweg erkundet haben und dabei auf das Forum Pins gestoßen sind. „So etwas muss man physisch erleben“, meint Margritta Knaus. Visuelle Museumsführungen, wie sie während der ersten Corona-Hochphase im Frühjahr oft im Internet zu sehen waren, seien zwar gut, wenn man keine Möglichkeit habe, vor Ort zu sein. „Aber wenn man sich an die Abstandsregeln hält, dann ist so ein Besuch vor Ort doch noch einmal was anderes – gerade in einem Museum“, ergänzt Wolfgang Knaus. Andere Museen und Denkmäler wie das Stellwerk in Bad Driburg setzten den Fokus – gerade wegen der Corona-Situation – besonders auf digitale Angebote. Das Forum Pins in Höxter war somit eine der einzigen Anlaufstellen, die öffneten und sogar Führungen anboten.

Programm im Herbst

Um den Betrieb unter Beachtung aller Corona-Vorschriften im Forum Pins wieder anzukurbeln, weist Museumspädagogin Rüsch auf die kommenden Veranstaltungen hin. „Wer Fritz Ascher und sein Werk einmal genauer kennenlernen will, der besucht am Besten die nächste Kunstpause mit unserer Museumskuratorin Julia Diekmann“, empfiehlt Rüsch.

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