Gespräche vor der Stichwahl in Höxter – CDU und Grüne sind die Sieger – SPD leckt ihre Wunden
Razat und Hartmann voller Zuversicht

Höxter  (WB). Wer wird Bürgermeister? Diese Frage wird in Höxter zwei weitere Wochen für Spannung sorgen. Wahlsieger Daniel Razat und der Zweitplatzierte Daniel Hartmann haben am Tag danach die Ärmel bereits wieder hochgekrempelt. Zu den Wahlsiegern gehören zudem die CDU und Bündnis 90/die Grünen. Katzenjammer und große Enttäuschung sind bei der SPD angesagt. Die Bürger für Höxter (BfH) holen sechs Ratssitze und hätten ein besseres Ergebnis erwartet.

Dienstag, 15.09.2020, 05:55 Uhr aktualisiert: 15.09.2020, 10:26 Uhr
Wer wird zukünftig die Sitzungen im Historischen Rathaus von Höxter leiten? In die Stichwahl gehen Razat und Hartmann. Foto: Harald Iding
Wer wird zukünftig die Sitzungen im Historischen Rathaus von Höxter leiten? In die Stichwahl gehen Razat und Hartmann. Foto: Harald Iding

Es bleibt spannend: Höxter bereitet sich auf Bürgermeister-Stichwahl vor

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„Der Wechsel ist ein Grundpfeiler der Demokratie. Die Bürgerinnen und Bürger von Höxter haben sich entschieden“, wirkte der noch amtierende Bürgermeister Alexander Fischer am Montag nach der Enttäuschung vom Vortag gefasst. „Der Zuspruch war vor der Wahl groß gewesen. Das Wahlergebnis ist anders ausgefallen“, bedauerte der Amtsinhaber, der sich mit nicht einmal 15 Prozent und Platz vier abfinden musste. „Wahrscheinlich habe ich meine erneute Kandidatur für das Amt des ersten Bürgers zu spät bekannt gegeben. Aus meiner Sicht war Wahlkampf in Zeiten des Lockdowns nicht angesagt. Das Krisenmanagement hatte seit März bis Ende Mai Vorrang“, stellte Fischer fest. „Schade, dass ich Projekte nun nicht mehr verwirklichen kann. Höxter und die Ortschaften benötigen mehr Kindergartenplätze. Zudem fehlt in der Kreisstadt ein drittes Alten- und Pflegeheim.“ Einen Favoriten sieht Fischer für seine Nachfolge nicht. „Beiden Kandidaten fehlt allerdings die Erfahrung.“

Ludwig will Fraktionsvorsitz

„Jetzt gilt es, die Wähler zu überzeugen, die sich bei der ersten Wahl für einen anderen Kandidaten entschieden haben“, bringt es Daniel Razat auf den Punkt. Der 39-jährige Ovenhäuser freut sich auf die nächsten zwei Wochen und die Verlängerung des Wahlkampfs. „Wir sind gut aufgestellt und werden Gespräche führen“, sagte der Sieger. 36,86 Prozent der Wählerinnen und Wähler hatten Razat gewählt. „Wir haben keinen Grund unzufrieden zu sein. Das Ergebnis haben wir so nicht erwartet“, hob wiederum CDU-Ratsherr Günther Ludwig hervor. Erstmals haben die Christdemokraten alle Direktmandate in der Kernstadt geholt. „Es ist mitunter sehr knapp zugegangen. Am Ende wurden wir belohnt“, sagte der Ovenhäuser, der in seinem Wahlbezirk Ovenhausen/Bosseborn auf mehr als 54 Prozent kam. „Die CDU ist mit 39,3 Prozent der Stimmen und 17 Sitzen im Rat die mit Abstand stärkste Partei. Das ist ein beachtliches Resultat. Daniel Razat hat zudem einen überzeugenden Wahlkampf geführt. Sein erstes Ergebnis war gut. Wir sind guter Dinge, dass der Bürgermeister von Höxter Daniel Razat heißen wird. Die konstituierende CDU-Fraktionssitzung ist für Donnerstag, 17. September, terminiert. „Es ist kein Geheimnis, dass ich meinen Hut für den Fraktionsvorsitz in den Ring geworfen habe“, führte der Ovenhäuser aus.

Held ist der SPD-Held

„Es ist schon ein Jammer: Wir haben erheblichen Anteil daran, dass es in Höxter nun ein Hallen- und ein Freibad gibt, dass der Medien-Entwicklungsplan voran getrieben wird und dass das Sportstättenkonzept eins zu eins umgesetzt wird. Nur im Ergebnis schlägt sich das nicht nieder“, bedauerte SPD-Ratsherr und stellvertretender Bürgermeister Hans-Josef Held. Dabei konnten die Sozialdemokraten mit 19,04 Prozent der Stimmen und acht Sitzen den von Insidern prognostizierten Totalabsturz verhindern. Held: „Allerdings haben uns die persönlichen Be- und Empfindlichkeitsprobleme im Stadtverband und auch auf Kreisebene erheblich geschadet. Unser guter Wahlkampf ist dadurch beeinträchtigt worden.“ Bereits gestern Abend trafen sich die Sozialdemokraten und nahmen die Analyse vor. Der Godelheimer Hans-Josef Held, der in seinem Wahlbezirk mit 50,24 Prozent völlig gegen den SPD-Trend lief, betonte: „Für den Fraktionsvorsitz stehe ich nicht zur Verfügung.“ Für diesen sei der Bruchhäuser Günter Wittmann vorgesehen. Held bekräftigte: „Wir stehen hinter allen großen Projekten, die vor der Kommunalwahl beschlossen wurden.“

Grünen erstmals zweistellig

 

Zu den Siegern gehörten insbesondere Bündnis 90/Die Grünen. „Das ist für uns in der Kreisstadt Höxter ein historisches Ergebnis. Wir sind erstmals zweistellig und haben uns von drei auf vier Sitze im Rat gesteigert. 10,5 Prozent lassen sich sehen“, war Ratsmitglied Berno Schlanstedt stolz. „Wir haben uns eine Woche vor der Kommunalwahl für die Unterstützung von Daniel Hartmann entschieden. In der Stichwahl befinden sich zwei starke Kandidaten, die von ihren politischen Aussagen und Zielvorstellungen gar nicht so weit auseinanderliegen. Jetzt warten wir ab und lassen erst einmal die Wähler in zwei Wochen den neuen Bürgermeister wählen.“

UWG-Mann Welling 42,6 Prozent

Die UWG konnte ihr Ergebnis der Wahl 2014 mit 7,8 Prozent fast halten. Die Unabhängige Wählergemeinschaft hat zudem einen positiven Ausreißer in ihren Reihen: Ferdinand Welling holte in seinem Wahlbezirk in Fürstenau mit 42,6 Prozent der Stimmen das Direktmandat. Das Ergebnis ist sicherlich ein Ergebnis von Wellings Arbeit als Windkraftgegner. Eine negative Überraschung erlebten die Sozialdemokraten in Brenkhausen, für ihren Kandidaten gab es lediglich etwas mehr als sechs Prozent. Albert Speith von der CDU holte mit 53,1 Prozent das Direktmandat.

AfD hat ein Mandat

Die AfD wird mit einem Sitz im neuen Rat vertreten sein. Bürgermeisterkandidat Klaus Meyer, der 1,76 Prozent erreichte, gibt seinen Sitz an Elia Sievers ab. „Ich werde im Kreistag vertreten sein.“

Ein Kommentar von Jürgen Drüke

Ein neuer Bürgermeister, der garantiert den Vornamen Daniel tragen wird, und viele neue Mitglieder. Der Rat Höxter wird eine stark veränderte Besetzung haben. Daniel Razat oder Daniel Hartmann wird der Bürgermeister heißen. Allein die Christdemokraten werden bei 17 Sitzen mit 13 neuen Ratsmitgliedern aufwarten.

Bündnis 90/Die Grünen, die sich in Höxter erstmals über ein zweistelliges Ergebnis freuen durften, werden ihr Gewicht in die Waagschale werfen. Klima und Umwelt dürften einen größeren Stellenwert erhalten. Allerdings ist auch das leider anders: Erstmals wird die AfD mit einem Sitz vertreten sein. Die Zahl der Fraktionen steigt damit von sieben auf acht.

Die politische Landschaft hat sich in Höxter mit der Kommunalwahl 2020 stark verändert. Eine wichtige Frage: Ist die Zeit der Groko vorbei? CDU (39,3 Prozent, 17 Sitze) und die auf Talfahrt befindliche SPD (19,04 Prozent, acht Sitze) würden es weiterhin auf eine satte Mehrheit bringen. Was nützt den Sozialdemokraten allerdings die Allianz, wenn es sich für sie nicht in Stimmen und im Wahlergebnis auswirkt?

Der alte Muff und das ewige Gezänk werden im neuen Rat hoffentlich abgewählt. Ideen, Impulse und sogar Visionen müssen her. Die großen Projekte und die Landesgartenschau brauchen Mut. Im Ergebnis der Wahl vom 13. September liegt die große Chance für alle.

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