Überall am Fluss bei Höxter und Beverungen liegen Ufersteine frei - Pegelstände gehen jeden Tag zurück - Schifffahrt eingestellt
Schon wieder Niedrigwasser: Weser sinkt auf 69 Zentimeter

Höxter/Beverungen (WB). Wer in dieser Woche an die Weser zwischen Beverungen, Höxter und Corvey kommt, der erlebt ein Déjà-vu. Der Fluss schrumpft täglich: genau wie in den Sommermonaten 2018 und 2019. 69 Zentimeter betrug der Weserpegel in Höxter am Dienstagvormittag. Die magische 70-Zentimeter-Grenze wurde bereits am Montagnachmittag unterschritten. Tendenz: weiter fallend. Die Ufersteine liegen auf Kilometern wieder frei.

Dienstag, 15.09.2020, 11:56 Uhr aktualisiert: 15.09.2020, 15:24 Uhr
Wie schon in den Sommern 2018 und 2019: Die Weser - hier an der Corveyer Eisenbahnbrücke - hat sich fast halbiert. Das Foto entstand am Dienstagmorgen. Überall liegen die Ufersteine frei. In dieser Nähe dieser Stelle am Kloster Corvey lag übrigens die mittelalterliche Weserbrücke, über die der Hellweg in den Solling führte. An der Weser gab es im 12. und 13. Jahrhundert nur die Brücken Höxter und Corvey – und noch keine weitere bis zur Nordsee. Foto: Michael Robrecht
Wie schon in den Sommern 2018 und 2019: Die Weser - hier an der Corveyer Eisenbahnbrücke - hat sich fast halbiert. Das Foto entstand am Dienstagmorgen. Überall liegen die Ufersteine frei. In dieser Nähe dieser Stelle am Kloster Corvey lag übrigens die mittelalterliche Weserbrücke, über die der Hellweg in den Solling führte. An der Weser gab es im 12. und 13. Jahrhundert nur die Brücken Höxter und Corvey – und noch keine weitere bis zur Nordsee. Foto: Michael Robrecht

Weser-Pegel sinkt weiter: nur noch 69 Zentimeter

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Nachdem die Edertalsperre ihren Abfluss schon vor Wochen zur Werra fast auf null reduziert hat, fällt der Pegelstand der Weser jeden Tag sichtbar weiter. Mittlerweile können neben den Schiffen der Flotte Weser sogar kleinere Sportboote kaum noch fahren. Sie liegen in Yachthäfen wie Corvey, Bad Karlshafen oder Lauenförde fest. Stein- und Sandbänke schauen aus dem Wasser.

In Karlshafen lag der Pegel am Dienstag bei nur noch 59 Zentimetern. Tendenz weiter rückläufig, trotz Einmündung der Diemel. Wenn der Fluss um weitere zehn Zentimeter fällt, hat die Weser die Tiefststände von unter 60 Zentimeter vom Jahrhundertsommer 2018 erreicht. Faustregel in diesen Trockentagen: jeden Tag einen Zentimeter weniger. Und Regen ist zurzeit nicht in Sicht, sondern 30 Grad plus X und Hitze für die nächsten Tage. Auf der Internetseite »elwis.de«, die unter »Service« die Wasserstände der Weser und anderer Flüsse in regelmäßigen Abständen dokumentiert, kann man die sinkenden Flusspegel mit täglichen Messwerten einsehen.

Es ist 2020 wie 2018 und 2019: In Höxter schauen sich die Bürger die »Bollerbach-Wasserfälle« an. Im Mündungsbereich des Baches unweit des Weser-Schiffsanlegers am R1 läuft das Wasser über frei gelegte Steine idyllisch in die Weser. Wie ein kleiner Gebirgsbach präsentiert sich der Bollerbach. Und bald taucht der von Uli Drüke 2018 ans Ufer gesetzte Hungerstein bei 59 Zentimeter sicher auch wieder auf.

In Bad Karlshafen stehen der Camper auf den Ufersteinen oder im Fluss. Die Weser hat sich vielerorts in ihr Flussbett zurückgezogen: So wie bei den Sand- und Steinbänken im Corveyer Weserbogen. Die Flotte Weser kann zum dritten Mal in Folge den Liniendienst mit ihren Schiffen bis zum Saisonende Mitte Oktober nicht wieder aufnehmen; nicht in Höxter und nicht in Hameln. An eine solch lange Durststrecke für die Schiffe können sich die Reeder in Hameln nicht erinnern. Der Rekord-Weser-Tiefststand stammt übrigens von 1959. Das lag er weit unter 60 Zentimeter.

Edertalsperre liefert seit Wochen kein Wasser für Weser mehr

Das fehlende Wasser aus dem Edersee wird wohl zum Dauerproblem für den Tourismus im Weserbergland. Mit seinem Wasser soll die Weser eigentlich permanent aufgefüllt werden, doch auch im Edersee wird das Wasser knapp: Der für den Tourismus wichtige Wasserstand des nordhessischen Edersees ist früher als im Vorjahr unter die 50-Prozent-Marke gesunken. Zuletzt waren weniger als 100 Millionen Kubikmeter in dem Stausee. Im Vorjahr waren es nach Angaben des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamts Hann. Münden um diese Zeit 132 Millionen gewesen. Ursache sei das trockene Frühjahr, erklärte ein Sprecher. Die ersten Reste verlassener Siedlungen auf dem Seegrund, das sogenannte “Edersee-Atlantis”, sind schon aufgetaucht.

Um den Wasserstand wird seit Jahrzehnten gerungen. Denn der Stausee soll die Schifffahrt in der Weser sichern. Ist im Fluss zu wenig Wasser, wird es im Edersee abgelassen. Doch für die Tourismusregion im Landkreis Waldeck-Frankenberg ist das ein Problem. Denn mit weniger Wasser schwinden die Wassersportmöglichkeiten. Entspannung sollte ein neues Bewirtschaftungskonzept bringen, das im vergangenen Jahr half, vergleichsweise lange akzeptable Wasserstände zu halten.

Doch in diesem Jahr fingen die Probleme schon im April an – da musste laut dem Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt bereits Wasser für die Weser abgelassen werden. Normalerweise werde der Edersee in diesem Monat noch gestaut.

Seit zwölf Jahren regne es zu wenig, sagt Thomas Hennig vom Regionalverband Eder-Diemel. Der Verband vertritt die Interessen der Wassersportler, Hoteliers und Gastronomen. Früher füllte sich der See rein rechnerisch 3,5-mal im Jahr, heute seien es nur 2,5. Es fehle also eine komplette Seefüllung. Das neue Bewirtschaftungskonzept helfe da nur begrenzt. “Obwohl Wasser gespart wird, ist der See trotzdem leer.” Es müssten weitere Schritte zum Wassersparen ergriffen werden. Im Tourismusbereich tut der leere Edersee besonders in Corona-Zeiten den Gastronomen und Hoteliers richtig weh. Sie fordern den Stopp der Wasserabgabe an die Weser.

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