Regierungspräsidentin Judith Pirscher besucht Welterbe Westwerk Corvey
„Barrierefreier Zugang ist uns wichtig“

Höxter (WB). Ein barrierefreier Zugang zum Johanneschor – der Herzkammer des karolingischen Westwerks – liegt der Kirchengemeinde St. Stephanus und Vitus Corvey am Herzen. Regierungspräsidentin Judith Pirscher sicherte den Verantwortlichen in diesem wichtigen Vorhaben Unterstützung zu. Bei einem Besuch der Welterbestätte im Weserbogen bei Höxter ließ sie keinen Zweifel daran, dass das liturgische Zentrum im Obergeschoss dieses hochbedeutenden Sakralbaus aus dem 9. Jahrhundert barrierefrei erreichbar sein muss.

Mittwoch, 16.09.2020, 23:00 Uhr aktualisiert: 22.09.2020, 15:30 Uhr
Haben die Regierungspräsidentin Judith Pirscher im Welterbe Westwerk willkommen geheißen: Josef Kowalski (von links, geschäftsführender Vorsitzender des Kirchenvorstands), Pfarrdechant Dr. Hans-Bernd Krismanek, Baubeauftragter Franz-Josef Beine und Professor Dr. Christoph Stiegemann (Leiter des wissenschaftlichen Kompetenzteams). Foto: Kirchengemeinde Corvey
Haben die Regierungspräsidentin Judith Pirscher im Welterbe Westwerk willkommen geheißen: Josef Kowalski (von links, geschäftsführender Vorsitzender des Kirchenvorstands), Pfarrdechant Dr. Hans-Bernd Krismanek, Baubeauftragter Franz-Josef Beine und Professor Dr. Christoph Stiegemann (Leiter des wissenschaftlichen Kompetenzteams). Foto: Kirchengemeinde Corvey

Wo und wie das möglich sein kann, erläuterten Pfarrdechant Dr. Hans-Bernd Krismanek, Professor Dr. Christoph Stiegemann (Direktor des Diözesanmuseums Paderborn und Leiter des wissenschaftlichen Kompetenzteams zur Erschließung des Westwerks), Josef Kowalski (geschäftsführender Vorsitzender des Kirchenvorstandes) und Franz-Josef Beine (Baubeauftragter der Kirchengemeinde für Corvey) der Regierungspräsidentin vor Ort. Die von der Kirchengemeinde angemieteten Räume des an die Südseite des Westwerks angrenzenden Ökonomiegebäudes kommen für den Einbau eines Aufzugs und einer doppelläufigen Treppenanlage in Frage.

Machbarkeitsstudie

Ob sich der vordere Teil eignet oder eher die direkt daneben liegende ehemalige Tischlerei, soll eine Machbarkeitsstudie zeigen. Sie ist der nächste Schritt. Fest steht schon jetzt, dass der Durchbruch in den Johanneschor nicht in karolingische Bausubstanz eingreifen wird.

Im Johanneschor, der barrierefrei erschlossen werden soll, machte sich Regierungspräsidentin Judith Pirscher beim Rundgang mit Pfarrdechant Dr. Hans-Bernd Krismanek (von links), Josef Kowalski, Franz-Josef Beine und Professor Dr. Christoph Stiegemann ein Bild von den Planungen und den laufenden restauratorischen Arbeiten.

Im Johanneschor, der barrierefrei erschlossen werden soll, machte sich Regierungspräsidentin Judith Pirscher beim Rundgang mit Pfarrdechant Dr. Hans-Bernd Krismanek (von links), Josef Kowalski, Franz-Josef Beine und Professor Dr. Christoph Stiegemann ein Bild von den Planungen und den laufenden restauratorischen Arbeiten. Foto: Kirchengemeinde Corvey

Ohne Fördermittel kann die mit einem umfangreichen Kostenvolumen verbundene barrierefreie Erschließung des Johanneschores vom Eigentümer und Bauherrn, der Corvey gGmbH, nicht realisiert werden. Ein Förderantrag ist in Abstimmung mit der Bezirksregierung Detmold und der Katholischen Kirchengemeinde bereits gestellt worden. „Der Einbau des Aufzugs und der Treppenanlage verändert die Innenarchitektur der Funktionsräume. Auch das muss der Förderrahmen umfassen“, ergänzte Regierungspräsidentin Judith Pirscher vor Ort beim Blick in die ehemalige Tischlerei.

Glaswand vor Ausführung

Dieser große Raum wird zurzeit von Handwerkern genutzt, die im Westwerk zu tun haben. Zu ihnen gehören Restauratoren, die die sensible karolingische Substanz fachgerecht konservieren und auch die Fachleute der niederländischen Firma Flentrop Orgelbouw. Sie bauen die restaurierte barocke Springladenorgel der ehemaligen Abteikirche wieder ein und waren auch beim Besuch der Regierungspräsidentin geschäftig am Werk. Gerüste kündeten beim Rundgang mit der Chefin der Bezirksregierung Detmold von den laufenden restauratorischen Arbeiten. Sie sollen bis zum Jahresende abgeschlossen sein. „Die Glastrennwand zwischen Westwerk und barocker Abteikirche steht kurz vor der Ausführung“, informierte Professor Stiegemann.

Das Erzbistum Paderborn hat, so Franz-Josef Beine, mit 5,6 Millionen Euro viel Geld für das karolingische Westwerk und seine Erschließung in die Hand genommen. „Jetzt wünschen wir uns nichts sehnlicher als den barrierefreien Zugang“, betont Josef Kowalski. Judith Pirscher pflichtete ihm bei: „Wir müssen das schaffen.“ Die Verantwortlichen der Kirchengemeinde und die Wissenschaftler des Kompetenzteams sind guten Mutes. Sie haben sich das ambitionierte Ziel auf die Fahnen geschrieben, dass die ehemalige Benediktinerabtei 1200 Jahre nach ihrer Gründung 822 als der Leuchtturm erblüht, zu dem das Kloster damals schnell avancierte.

Vielversprechende Aussichten

Diese vielversprechenden Aussichten für das Jubiläumsjahr 2022 fächerte Professor Dr. Christoph Stiegemann beim Besuch der Regierungspräsidentin Judith Pirscher leidenschaftlich auf. Josef Kowalski hatte zur Einstimmung den impulsgebenden Anteil Corveys an der Entstehung Europas und des christlichen Abendlandes in der Zeit vom 9. bis Anfang des 12. Jahrhunderts erläutert.

In diese Blütezeit können die Besucher demnächst mit Hilfe multimedialer Technologien eintauchen. Das fängt in der Eingangshalle des Westwerks an. Eine entscheidende Rolle wird dabei die Glaswand spielen. Sie trennt nicht nur die Besuchergruppen von den im Gebet oder in Stille versammelten Gläubigen in der Kirche, sondern wird gleichzeitig zur Bühne. Eine eigens auf die Glasflächen aufgebrachte transparente Folie macht es möglich. Sie kann im Handumdrehen zu 95 Prozent blickdicht geschaltet werden. In einem fesselnden Acht-Minuten-Film präsentiert sich den Besuchern Corveys strahlkräftige Geschichte von den Anfängen über die Blütezeit mit mehr als 100 Herrscherbesuchen bis hin zum Dreißigjährigen Krieg 1618 bis 1648 und dem Wiederaufbau des Klosters mitsamt der prachtvollen barocken Abteikirche. Diese wird am Ende der Zeitreise durch die gläserne Wand hindurch wieder sichtbar. Zuvor jedoch – „und das ist der Clou“, kündigte Professor Stiegemann der Regierungspräsidentin mit sichtlicher Vorfreude an – „projizieren wir auf die Glaswand das untergegangene karolingische Kirchenschiff.“

Entdeckungsreise

Sowohl der Einführungsfilm im Erdgeschoss, als auch die mittels Augmented Reality vermittelten Eindrücke von der ursprünglichen Ausgestaltung des Johanneschores sind ausschließlich am authentischen Ort zu erleben. Darauf legen Professor Stiegemann und sein Team entschiedenen Wert. In Wechselwirkung mit der Aura der imposanten Emporenkirche können die Besucher mit dem Tablet wie Forscher auf Entdeckungsreise gehen.

Die Regierungspräsidentin findet diese Planungen verlockend. „Sie werden allen Altersgruppen gerecht.“ Der forschende Ansatz werde die Jugend ansprechen, ist Judith Pirscher überzeugt. Im Jubiläumsjahr 2022 fällt der Startschuss.

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