Betriebe im Kreis Höxter leiden unter sinkenden Preisen – Erzeuger besonders betroffen
Schweinepest: Landwirte in Nöten

Kreis Höxter (WB). Der Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest (ASP) in Brandenburg belastet auch die Bauern im Kreis Höxter. Die Preise für Mastschweine und Ferkel sind in den vergangenen Tagen eingebrochen. „Auch wenn der Fundort weit von unserer Region entfernt ist, sind auch wir Landwirte im Kreis Höxter von dem Virus betroffen“, erklärt der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Höxter, Antonius Tillmann. Besonders schwer tragen die etwa 40 Ferkelerzeuger und 300 Mastbetriebe.

Mittwoch, 16.09.2020, 22:00 Uhr aktualisiert: 16.09.2020, 23:00 Uhr
Tobias Düwel hat erst in diesem Frühjahr einen neuen Maststall in Betrieb genommen. Foto: Greta Wiedemeier/Archiv
Tobias Düwel hat erst in diesem Frühjahr einen neuen Maststall in Betrieb genommen. Foto: Greta Wiedemeier/Archiv

Schwere Folgen

Die Einschleppung nach Deutschland habe schwere Folgen für die Gesundheit der Wild- und Hausschweinebestände. Auch die wirtschaftlichen Folgen für die heimischen Schweinehalter seien nicht unerheblich, denn sie seien mit Handelsrestriktionen verbunden – auch wenn aktuell nur Wildschweine und keine Hausschweine betroffen seien, erläutert Tillmann. Nach seinen Ausführungen seien Verwerfungen am Markt zu spüren. Der Schweinepreis pro Kilogramm ist auf 1,27 Euro gesunken, der Ferkelpreis innerhalb einer Woche sogar um zwölf Euro auf 27 Euro pro Tier.

„Zudem haben Südkorea, China und Japan ein Importstopp für Schweinefleisch aus Deutschland verhängt. Asien ist jedoch ein wichtiger Abnehmer für die Nebenprodukte vom Schwein, die hier bei uns nicht zu vermarkten sind. Uns Bauern ist es wichtig, dass das ganze Schwein verwertet wird, nicht nur die Edelteile“, so Tillmann. Diese Nebenprodukte fänden nun kaum Abnehmer. „Außerdem setzen wir als Bauernverband uns für regionalisierte Handelsbeschränkungen ein, die sich auf Problemgebiete beschränken und somit dem Risiko angepasst sind“, erläutert Tillmann. Derzeit würden Schweine über den Umweg zunächst in andere EU-Länder verkauft, die sie wiederum weiter nach China exportieren. „Neue Vertriebswege kosten mehr, denn die deutschen Bauern sitzen aktuell am kürzeren Hebel. Für mich ist das eine knallharte Ausnutzung der Marktmacht – das Gefährdungspotential durch Produkte aus dem Kreis Höxter ist lächerlich.“ Die Krise sei nach Corona und den Vorfällen im Tönnies-Werk durch ASP noch einmal deutlich größer geworden. „Alle großen Verarbeiter exportieren beispielsweise nach China, der Schlachthof Warburg oder der Metzger vor Ort natürlich nicht – doch am Ende trifft es durch den offenen Markt alle“, erläutert Tillmann.

Preise sinken

Davon kann auch Ferkelerzeuger Hans-Ludwig Gievers von der Schönthaler Schweinezucht aus Willebadessen ein Lied singen. „Zunächst vier Monate Probleme durch Corona und jetzt auch noch ASP – die Produktionskosten werden lediglich noch zu 50 bis 60 Prozent gedeckt.“ Das Problem: Mastbetriebe, die weniger Geld pro Schwein erhalten, geben den schlechten Preis naturgemäß an die Ferkelerzeuger weiter – und die stehen am Ende der Nahrungskette. „Und die Tiere hören natürlich nicht auf zu ferkeln. Bislang sind wir noch alle Tiere – zu schlechten Preisen – losgeworden. Ob das kommende Woche auch noch funktioniert, steht in den Sternen“, sagt Gievers. Die Sauen jetzt nicht mehr zu besamen, würde wiederum dazu führen, in dreieinhalb Monaten keine Ferkel mehr zu haben – ebenfalls ein Risiko.

Mastbetriebe stehen vor Problemen

Dass nicht nur die Erzeuger, sondern auch die Mastbetreibe vor großen Problemen stehen, erläutert Landwirt Tobias Düwel aus Steinheim. „Bei einer Sondernotierung am Freitag ist der Preis als Sofortmaßnahme der Schlachthöfe noch einmal um 20 Euro pro Schwein gefallen“, berichtet er. Nun könnte man denken, dass Schweine, die mangels Abnehmer länger im Stall gemästet werden und somit schwerer sind, auch wertvoller werden – das stellt sich laut Düwel jedoch ganz anders dar: „Es gibt Gewichtsgrenzen nach unten, aber auch nach oben. Diese liegt oben bei 103 Kilogramm, ab 120 Kilogramm wird es richtig schwierig – dann bekommt der Mastbetrieb nur noch den halben Preis.“ Das sei in seinem Betrieb bislang nur bei wenigen Tieren der Fall gewesen und dennoch beziffert Düwel die Mindereinnahmen bereits jetzt auf einen sechsstelligen Betrag.

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