LGS GmbH braucht Flächen vom Schützenverein für Archäologiepark – und der hat Forderungen
Konflikt gefährdet Hauptzugang

Höxter (WB). Gefährdet der seit Jahren schwelende Konflikt zwischen der Stadt Höxter und Schießsportlern vom Schützenverein von 1883 den Bau des wichtigen großen neuen Zugangs zum für die Landesgartenschau geplanten Archäologiepark am Corveyer Sägewerk? Irritiert nehmen die Schützen die Entree-Planungen des von der LGS-GmbH beauftragten Wettbewerbsiegers, des Planungsbüros Franz Reschke Berlin, zur Kenntnis.

Donnerstag, 17.09.2020, 23:07 Uhr aktualisiert: 17.09.2020, 23:30 Uhr
Unten rechts auf dem Entwurf für den Zugang zum Archäologiepark Corvey ist ein großer „Entreeplatz“ geplant. Platz und Anlagen im Umfeld gehören dem Schützenverein. Bekommt die Gartenschau GmbH das Gelände am Radweg nicht, muss ein neuer zentraler Zugang geplant werden. Das kleine Foto zeigt Jörg Suermann (rechts) und Rüdiger Multhaupt vom Schützenverein am Schützenhaus mit Schießstand. Mit ihnen hatte Baudezernentin Claudia Koch zuletzt verhandelt. Oben auf dem Plan ist das Schützenhaus zu sehen. Foto: WB
Unten rechts auf dem Entwurf für den Zugang zum Archäologiepark Corvey ist ein großer „Entreeplatz“ geplant. Platz und Anlagen im Umfeld gehören dem Schützenverein. Bekommt die Gartenschau GmbH das Gelände am Radweg nicht, muss ein neuer zentraler Zugang geplant werden. Das kleine Foto zeigt Jörg Suermann (rechts) und Rüdiger Multhaupt vom Schützenverein am Schützenhaus mit Schießstand. Mit ihnen hatte Baudezernentin Claudia Koch zuletzt verhandelt. Oben auf dem Plan ist das Schützenhaus zu sehen. Foto: WB

Wie berichtet, soll im Weserbogen zwischen Hafen und ehemaliger Stadt Corvey eine parkähnliche Anlage mit Gebäuden entstehen. Der Hauptzugang ist in Verlängerung des Radweges am Hafen über das Gelände des Schützenvereins auf das bald abgerissene und vom Herzog erworbene Sägewerksgelände vorgesehen – das wäre die Optimallösung. Der Knackpunkt: Das überplante Areal gehört der Stadt noch gar nicht. Und die Schützen geben den Grundstücksteil auch nur dann ab, wenn sie endlich ihren Schießstand um 55 Meter auf eine 100-Meter-Bahn erweitern dürfen. Das hatten Stadt und Verwaltungsgericht bisher abgelehnt. Jetzt drängt die Zeit, weil die Gartenschauanlagen zügig planreif werden müssen. Gibt es nun den geraden Zugang vom Hafen zum Park oder muss für die LGS eine Zuwegung vom Corveyer Bahnübergang oder – noch schlechter vom engen Weserradweg als Plan B erwogen werden?

Loges macht Konflikt öffentlich

In der Sitzung von Orts- und Planungsausschuss am 9. September hatte es einen Hinweis von Hermann Loges (BfH) gegeben, dass Probleme im Raum ständen und die Planungen nur im Einvernehmen mit dem Schützenverein realisiert werden könnten. Damit war der Konflikt öffentlich.

Man bemühe sich seitens der Verwaltung um eine konfliktfreie Einigung mit dem Verein, so der Hinweis von Baudezernentin Claudia Koch am Donnerstag gegenüber dieser Zeitung. Es habe im Frühjahr Kontakte zum alten Vorstand gegeben, der jedoch nicht mehr entscheiden wollte und auf die Neuwahl im Sommer verwiesen habe. Koch will auf den neuen Vorstand zugehen, um über die Flächen zu sprechen. Sie wolle keinen Konflikt und sieht für den Schützenverein die Chance, die wenig schönen Ecken im Zuge der LGS attraktiv zu gestalten.

Für den neuen SV-Vorsitzenden Christian Sauer herrschte viel zu lange „Funkstille“ zur Stadt, die auf den Verein hätte früher wegen des Grundstücks zukommen müssen. Er frage sich, wie ein Büro mit einem Gelände zügig planen wolle, das man gar nicht besitze. Der Schützenverein hat an die Mitglieder der Ausschüsse jetzt ein vom Vorstand einstimmig beschlossenes Schreiben verschickt, das erstmals einen positiven Bescheid für die Erweiterung der Schießanlage als Gegenleistung für die Abgabe von Land für LGS-Pläne fordert.

Brief an Politiker

In dem Brief zur Aufstellung des neuen Bebauungsplanes für den Weserbogen, der dem WB vorliegt, heißt es: „Der Schützenverein Höxter besitzt 15.000 Quadratmeter im Bereich des Hafens. Bei den Planungen der LGS liegt der Entreeplatz, die technische Zufahrt LGS zur Blumenhalle und Großteile der Zuwegung entlang des Hafens auf Grundstücken des Schützenvereins. Die Stadt Höxter hat zwar auf einem schmalen Flurstück ein Wegerecht, allerdings nicht auf allen Flurstücken, und dieses Wegerecht ist nicht auf die LGS-Gesellschaft übertragbar. Sollte ein Bebauungsplan erstellt werden, ist die Umsetzung nicht ohne den Verein möglich.“

Christian Sauer schreibt weiter: „Das Schützenwesen ist immaterielles Kulturerbe der Unesco. Es wäre hier die Chance gewesen, das Gelände des Schützenvereins vor allem den Bogenplatz in die LGS zu integrieren. Die Bogenabteilung schießt erfolgreich bis zur Deutschen Meisterschaft; es wären Bogenschießkurse und Bogenbaukurse möglich gewesen. Der Schützenverein hat immer wieder Gesprächsbereitschaft angeboten, konkret ist jedoch nichts erfolgt. Stattdessen wird geplant.“

Verein will Handel

Der Verein schlägt einen „Handel“ vor und droht: „Ohne positiven Bescheid für die Schießstanderweiterung wird der Schützenverein sämtliche Gespräche ablehnen und einen Bebauungsplan, der die Interessen des Schützenvereins nicht berücksichtigt, mit allen Rechtsmitteln angehen. Der Schützenverein braucht dringend eine 100-Meter-Bahn mit laufendem Keiler, ansonsten ist der Bestand des Vereins nicht gesichert; hierzu wurde bereits 2016 im Rat vorgetragen. Der Schützenverein ist wie jeder andere Verein auf Erweiterungen und Veränderung an seinen Sportanlagen angewiesen. Zum einen, da sich Vorgaben und Disziplinen ändern, und da sich Vorgaben des Waffen- und Jagdgesetzes ändern. Können Trainings- oder Schießnachweise nicht erbracht werden, müssen die Waffen abgegeben werden und eine Teilnahme an Drückjagden ist nicht möglich.“

Der Schützenverein hat 2002, 2014 und 2016 Bauvoranfragen für die Erweiterung gestellt. Die positive Bauvoranfrage 2002 konnte finanziell nicht umgesetzt werden. Die Bauvoranfrage 2014 wurde in Abstimmung mit der Verwaltung zurückgezogen, um die Bewerbung zum Welterbe Corvey nicht zu gefährden. Der Schützenverein wurde dann aber im Managementplan Welterbe an zwei Stellen als „Störfaktor“ bezeichnet. Die Stadt weigerte sich daraufhin hartnäckig, irgendwelche Gespräche zu führen und auch nicht Unesco oder ICOMOS um Klarstellung zu bitten.“.

Störfaktor?

Das hat der Schützenverein beim ICOMOS selbst telefonisch gemacht. Sinngemäß sei „ein „Störfaktor“ etwas, was „irgendwann“ verschwinden solle, wenn es sich ergebe oder auch keine Nutzung mehr da sei, aber nicht sofort verschwinden müsse. Es spreche nichts dagegen, dass das Schützenhaus noch zwei Generationen, also 25 bis 50 Jahre, genutzt werde und dafür auch Erweiterungen gebaut würden. Die Stadt Höxter plane auf benachbarten Grundstücken und sogar auf den Grundstücken des Schützenvereins Eingriffe in den Boden für Wege, Plätze, Gastronomie, WC Anlagen mit Leitungen und einer Blumenhalle. „Ein Eingriff in den Boden ist damit offensichtlich sehr wohl möglich. Hinzu kommt, dass der Schützenverein und die geplante Erweiterung auf dem ehemaligen Aushub des Hafenbeckens steht. Der Boden ist zudem durch den Gleisanschluss des Sägewerks zusätzlich komplett gestört – die Stadt plant hingegen große Teile der LGS auf den – bis auf die landwirtschaftliche Nutzung – völlig ungestörten Boden“.

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