Erkältungswelle und Corona sorgen für besondere Belastungen
Arztpraxen sind vorbereitet

Kreis Höxter (WB). Herbst und Winter stehen vor der Tür – und mit der kalten Jahreszeit auch die nächste Erkältungswelle. In Zeiten von Corona wird diese Entwicklung Haus- und Kinderärzte vor besondere Belastungen stellen. Allgemeinmediziner wie Peter-Josef Bertram aus Warburg oder Matthias Küßner aus Höxter sind die ersten Ansprechpartner für Patienten mit Atemwegserkrankungen.

Sonntag, 27.09.2020, 15:46 Uhr aktualisiert: 27.09.2020, 15:50 Uhr
Bevor Matthias Küßner die Arztpraxis in der Weserbachstraße in Höxter morgens um 8 Uhr öffnet, nimmt er in einem eigens für die Tests eingerichteten Zimmer Abstriche vor. Fünf bis zehn Patienten sind es täglich, die auf Covid-19 getestet werden. Foto: Jürgen Drüke
Bevor Matthias Küßner die Arztpraxis in der Weserbachstraße in Höxter morgens um 8 Uhr öffnet, nimmt er in einem eigens für die Tests eingerichteten Zimmer Abstriche vor. Fünf bis zehn Patienten sind es täglich, die auf Covid-19 getestet werden. Foto: Jürgen Drüke

„Im Moment nehme ich pro Tag etwa bei zwei bis drei Patienten mit Corona-Verdacht Abstriche. Maximal schaffe ich zehn Abstriche pro Tag“, schätzt Bertram. Dazu fährt er zu den Patienten nach Hause und nimmt die Abstriche im Freien. „Es sind zwischen fünf und zehn Patienten, bei denen ich morgens noch vor der eigentlichen Praxisöffnung um 8 Uhr teste“, berichtet derweil Küßner. Der Internist testet seit März. „Erkältungszeit und Corona-Tests – das verlangt uns alles ab“, sagt Küßner. Der Höxteraner Arzt rechnet mit mehr Abstrichen, wenn es nun nasskalt und regnerisch wird.

Symptomfrei

Nur wer symptomfrei ist und sich routinemäßig – wie etwa Lehrer oder Erzieher – auf das Coronavirus testen lassen wolle, komme zum Test in die Praxis von Peter-Josef Bertram in der Paderborner Straße in Warburg. „Wer eine erhöhte Körpertemperatur hat, das ist ab 37 Grad, wird zurzeit erst gar nicht in die Praxis gelassen“, erklärt er. Die beiden Ärzte bitten alle Patienten, die sich aufgrund von Erkältungssymptomen behandeln lassen wollen, zuvor zuhause die Körpertemperatur zu messen und dann zunächst telefonisch Kontakt aufzunehmen.

Anstieg der Corona-Fälle

Peter-Josef Bertram, zweiter Vorsitzender des Warburger Ärztevereins, und Matthias Küßner rechnen in den nächsten Wochen fest mit einem Anstieg der Corona-Fälle – zusätzlich zu den üblichen Erkältungskrankheiten und Grippeinfektionen. Die Grippeschutzimpfungen würden bereits laufen. Die Nachfrage sei höher als sonst üblich. „Die Impfungen werden etwa 30 Prozent höher liegen“, schätzt Küßner und hat entsprechend mehr Impfstoff bestellt.

Mehrarbeit stemmbar

Die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) geht davon aus, dass die Hausarztpraxen die im Herbst und Winter zu erwartende Mehrarbeit bewältigen können. Jana Elbert, Mitarbeiterin der Pressestelle der KVWL: „Die Versorgung der Grippeerkrankten und der Covid-19-Patienten ist stemmbar. Die Praxen haben ein System in der Versorgung entwickelt und es gibt ausreichend Schutzausrüstung. Die Situation ist ganz anders als zu Beginn des Jahres.“ Derzeit werde innerhalb der KVWL über die Einrichtung einer Samstagssprechstunde für Patienten mit Atemwegsbeschwerden gesprochen.

Kreis Höxter gewappnet

Falls die Corona-Fallzahlen im Kreis Höxter ansteigen sollten, sieht sich die Kassenärztliche Vereinigung mit Blick auf die von Gesundheitsminister Jens Spahn geforderten „Fieberambulanzen“ gewappnet. „Wenn wir feststellen, dass die Hausärzte überlastet sind“, so Jana Elbert, „können wir ein stationäres Diagnosezentrum schnell wieder öffnen.“ Dies würde nur geschehen, wenn das regionale Infektionsgeschehen dies erforderlich mache.

Telefonsprechstunde

„An einer Samstagssprechstunde für Patienten mit Atemwegsbeschwerden werde ich mich nicht beteiligen“, sagt Peter-Josef Bertram. Diese sei schwierig umzusetzen. Er sieht die größte Gefahr der Infektion mit dem Coronavirus nämlich in geschlossenen Räumen. „Eine solche Sprechstunde wäre für mich, meine Mitarbeiter und andere Patienten nicht sicher“, meint er. Obendrein wäre die Desinfektion der Praxis nach der Sprechstunde sehr aufwändig. Für seine Patienten will der Allgemeinmediziner demnächst eine Telefonsprechstunde am Samstag einrichten. „Durch genaues Befragen kann ich die Dringlichkeit der Behandlung abschätzen und die weiteren Schritte einleiten“, sagt Bertram. „Aufgrund der Hygienekonzepte in Zeiten von Corona könnte die Erkältungswelle geringer als in den vergangenen Jahren ausfallen“, hofft Matthias Küßner.

Ein Kommentar von Jürgen Drüke

Die kalte Jahreszeit rückt in großen Schritten näher. Erkältungen werden bald Konjunktur haben. Und das gefährliche Virus Covid-19 bleibt. Während die Entwicklung der Infektionszahlen in Deutschland und den Nachbarländern eine stark steigende Tendenz aufweist, bereiten sich auch die Arztpraxen, Krankenhäuser und das Gesundheitsamt im Kreis Höxter auf besondere Herausforderungen vor.

In heimischen Breiten sind die Zahlen zu Beginn des Herbstes 2020 weiterhin konstant. Die Menschen halten sich in der Regel an die Hygienekonzepte. Masken werden getragen. Der Abstand wird eingehalten. Dabei hat auch die geringe Bevölkerungsdichte einen großen Anteil an den relativ niedrigen Zahlen.

Trotzdem, das Coronavirus nutzt jede Chance, die ihm geboten wird. Die Erkältungswelle wird am Kreis Höxter nicht vorbeiziehen. Bis dato, darin sind sich die Virologen und Epidemiologen einig, haben Deutschland neben Disziplin, Hygiene, Abstand und Maske auch der Frühling und der Sommer geschützt.

Der Spätsommer hat sich indes verabschiedet. Die heimischen Arztpraxen, die Krankenhäuser und das Kreis-Gesundheitsamt bereiten sich auf die dreifache Belastung Erkältungswelle, Grippezeit und Coronavirus vor. Grippeimpfungen sind insbesondere in Zeiten von Corona für Ältere, chronisch Kranke und Menschen, die im Gesundheitswesen arbeiten, angesagt. Damit Kindergärten und Schulen geöffnet bleiben können, dürfte die Grippeimpfung auch für Kinder und Jugendliche wichtig sein. Wie stark die Grippesaison ausfallen wird, lässt sich nicht abschätzen. Ein Corona-Impfstoff wird hingegen auf der anderen Seite noch lange auf sich warten lassen.

Wichtiger denn je sind deshalb die Corona-Tests. Räumliche Kapazitäten und das Personal dafür wird es auch im Kreis Höxter nicht unbegrenzt geben.

Wenn Corona auf Influenza trifft, wird es noch gefährlicher: Die Kombination von Covid-Patienten und Grippe-Kranken droht das Gesundheitssystem schwer zu belasten. Abstand, Hygiene, Alltagsmasken – die sogenannte „AHA-Formel“ hat sich als effektiver Schutz erwiesen und wird wichtiger als jemals zuvor.

Wir alle können dazu beitragen, dass die Gefahr beherrschbar bleibt. Auch wenn diese in der Kombination Influenza und Corona größer wird.

 

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