Synode wählt Vorstand für 78.000 evangelische Christen – Psychosoziale Erstberatung endet
„Kirche ist existenzrelevant“

Kreis Höxter/Paderborn (WB/hai). Mit Corona bedingter Verspätung konnte in diesen Tagen die eigentlich für Juni geplante konstituierende Sitzung der Synode des Evangelischen Kirchenkreises Paderborn stattfinden. Auf der Tagesordnung standen der Bericht von Superintendent Volker Neuhoff, Informationen aus den Kirchengemeinden sowie nach der Kirchenwahl am 1. März die Wahlen der Mitglieder des Kreissynodalvorstandes, der Delegierten für die Landessynode und zu den einzelnen Ausschüssen des Kirchenkreises für die Synodalperiode 2020 bis 2024.

Montag, 12.10.2020, 20:54 Uhr aktualisiert: 12.10.2020, 21:00 Uhr
Der neue Kreissynodalvorstand des Evangelischen Kirchenkreises Paderborn (von links): Synodalälteste Evelyne Schubert, Synodal-Assessor Pfarrer Gunnar Wirth, Synodalälteste Irmgard Alboth, Scriba Pfarrer Wolfgang Neumann, Superintendent Volker Neuhoff, Synodalältester Jürgen Engelmann, Synodalältester Rolf Hellweg und Synodalältester Wolfgang Dzieran. Auch die Mitglieder der einzelnen Ausschüsse sind gewählt worden. Foto: EKP/O. Claes
Der neue Kreissynodalvorstand des Evangelischen Kirchenkreises Paderborn (von links): Synodalälteste Evelyne Schubert, Synodal-Assessor Pfarrer Gunnar Wirth, Synodalälteste Irmgard Alboth, Scriba Pfarrer Wolfgang Neumann, Superintendent Volker Neuhoff, Synodalältester Jürgen Engelmann, Synodalältester Rolf Hellweg und Synodalältester Wolfgang Dzieran. Auch die Mitglieder der einzelnen Ausschüsse sind gewählt worden. Foto: EKP/O. Claes

Zu der halbtägigen Synode waren 78 stimmberechtigte und sieben beratende Mitglieder in die Mensa der Friedrich-Spee-Gesamtschule Paderborn gekommen. Die Abgeordneten der 14 evangelischen Kirchengemeinden und der „Gemeinsamen Dienste“ vertreten mehr als 78.000 evangelische Christen in den Kreisen Höxter und Paderborn. In seiner Andacht zum Auftakt der Synode ging Pfarrer Karl-Ludwig Wendorff (Kirchengemeinde Altkreis Warburg) auf Gottesdienste und kirchliches Leben unter Corona-Bedingungen ein.

Wendorff appellierte, vorsichtig zu bleiben und weiterhin kleine Gottesdienste mit Abstand zu feiern. Er sagte: „Als Kirche haben wir einen fürsorgenden Auftrag und müssen die schützen, die uns anvertraut sind.“

Gemeindeleben vor und während Corona, gewollte und nicht freiwillige Veränderungsprozesse beinhalteten die Gemeindeberichte, so Synodalassessor Gunnar Wirth aus dem Kreis Höxter. Die Gemeinden hätten aufgrund der Beschränkungen durch Corona neues Terrain betreten und kreative, auch digitale Formen ausprobiert. Daneben gebe es als Herausforderung Strukturveränderungen durch das Zusammenlegen einzelner Kirchengemeinden. Die Stimmungen reichten von Bedenklichkeiten bis hin zu frohgemuten Aufbrüchen, wobei das Positive überwiege, fasste Wirth zusammen. „Kirche verändert sich. Das tut sie seit 2000 Jahren. Und das ist gut so“, stellte der Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Paderborn, Volker Neuhoff, zu Beginn seines Berichts fest. Die Botschaft des Evangeliums wolle in jede Zeit hinein aktualisiert werden.

Social Media und Finanzen

Die äußere Form von Kirche sei tatsächlich zweitrangig, solange die Kommunikation des Evangeliums geschehe. „Mitgliederbindung, Finanzierungsfragen, Personalentwicklung, Beteiligungsformen und Social Media werden uns sehr stark beschäftigen“, nannte er die praktischen Veränderungen in den nächsten Jahren.

Die Corona-Pandemie wirke dabei wie ein Brennglas und stelle die Frage sehr deutlich: „Warum und wo und wie und mit wem und für wen seid Ihr Kirche?“ Veränderung brauche neben Bereitschaft auch Kraft. „Unsere Kirche ist nicht systemrelevant“, so der Superintendent. Die Kirche sei aber in ihrem Kern „existenzrelevant“, stimmte er dem EKD-Ratsvorsitzenden, Bischof Bedford-Strohm, zu.

Das dank Pastor Mehrdad Sepehri Fard erfolgreiche Projekt „Persischsprachige Seelsorge“ ende zwar nach drei Jahren Mitte Oktober, könne aber mit Finanzmitteln aus dem Ökumene-Fonds fortgesetzt werden, kündigte Neuhoff an. Mit den Kirchenkreisen Soest-Arnsberg, Steinfurt-Coesfeld-Borken und Tecklenburg werde der Kirchenkreis eine gleichnamige Fachstelle mit Sitz in Paderborn gründen.

Im Umgang mit Geflüchteten empfindet Neuhoff eine „Kriminalisierung von Flucht und Geflüchteten“. Er betonte: „Menschen werden haftbar gemacht dafür, dass sie aus Notsituation fliehen, und sie werden in Haft genommen, um sie abzuschieben. (…) Vor Bedrohung Geflüchtete werden selbst als Bedrohung empfunden. Und sie werden in Bedrohungssituationen zurückgeschickt.“

Kirchenasyl sei eine besondere Aufgabe für eine Kirchengemeinde. Hier wurde für den Kirchenkreis Paderborn ein solidarisches System aus finanzieller und ehrenamtlicher Unterstützung angeregt. „Aufgrund der politischen Rahmenbedingungen finanzieller und inhaltlicher Art sieht sich die Diakonie Paderborn-Höxter e.V. gezwungen, die von ihr aufgebaute – vom Land NRW selbst anerkannte und zur Regel erhobene – Arbeit der Psychosozialen Erstberatung und das übernommene Beschwerdemanagement in den Zentralen Unterbringungs-Einrichtungen Bad Driburg und Borgentreich zum 31. Dezember 2020 zu beenden“, informierte der Superintendent.

Ministerium in der Kritik

„Wir bedauern es sehr, dass die Politik des Ministeriums für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration des Landes NRW die Arbeit der Wohlfahrtsverbände erschwert und uns daran hindert, diese erfolgreiche und wichtige Arbeit weiter fortzusetzen. Dies geht zu Lasten der geflüchteten und zum Teil vulnerablen Menschen in den ZUEs, die aufgrund der Vorgaben des Ministeriums in Zukunft auf qualitative Begleitung verzichten müssen.“

Würde die Diakonie diese Arbeit fortsetzen, müsste sie mehr als 60.000 Euro Eigenmittel aufbringen, informierte Neuhoff. Er halte es für „einen zutiefst irritierenden Vorgang, wenn ein Ministerium ein Modellprojekt zur Regel erhebt und zugleich die Initiatoren des Projektes durch realitätsferne Finanzierungsrichtlinien ausbootet“.

„Welches Gewicht hätten die Stimmen der Wohlfahrtsverbände und von Abgeordneten, der Diakonie RWL oder des Evangelischen Büros in der Ministerialbürokratie?“, zeigte sich Superintendent Neuhoff ebenso wie Diakonie-Vorstand Jutta Vormberg „fassungslos“.

Die Synodalen wählten den neuen Kreissynodalvorstand des Evangelischen Kirchenkreises Paderborn. Wiedergewählt wurden Synodal-Assessor Pfarrer Gunnar Wirth (Weser-Nethe-Kirchengemeinde), Scriba Pfarrer Wolfgang Neumann (Emmer-Nethe-KG) und die Synodalältesten Evelyne Schubert (KG Schloß Neuhaus), Jürgen Engelmann (KG Büren-Fürstenberg) und Wolfgang Dzieran (KG Bad Lippspringe).

Neu gewählt wurden die Synodalältesten Irmgard Alboth, 57, Diplom-Pädagogin (KG Paderborn) und Rolf Hellweg, 63, Koch und Küchenmeister im Ruhestand (Emmer-Nethe-KG). Sie folgen auf Helga Weber-Kruck und Dr. Wilfried Hauenschild, die altersbedingt aus ihren Ämtern ausgeschieden sind.

Superintendent Neuhoff, dessen Amtszeit acht Jahre beträgt, stand bei dieser Synode nicht zur Wahl. Wiedergewählt wurden allerdings die Abgeordneten des Kirchenkreises für die Landessynode der Evangelischen Kirche von Westfalen. Es sind die „nicht-theologischen Abgeordneten“ Susanne Bornefeld, Wolfgang Dzieran und Dirk Appelt sowie der theologische Abgeordnete Pfarrer Ulrich Richter. Neuhoff ist durch sein Amt Mitglied der Landessynode. Außerdem wählten die Synodalen die Mitglieder der einzelnen Ausschüsse des Kirchenkreises (Finanz-Ausschuss bis Tansania-Ausschuss) sowie die Synodalbeauftragten für einzelne Arbeitsbereiche („Christen und Juden“ bis „Tageseinrichtungen für Kinder“).

Mit seinem Grußwort stellte sich der neue theologische Ortsdezernent der Evangelischen Kirche von Westfalen für den Kirchenkreis Paderborn, Landeskirchenrat Rainer Timmer, vor.

Timmer ist Ortsdezernent

Seine Aufgabe sei es zu hören, was den Kirchenkreis bewege und diese Themen ins Landeskirchenamt zu tragen. Weitere Grußworte kamen von Paderborns Bürgermeister Michael Dreier und dem gastgebenden Schulleiter Lothar Schlegel. Nachdem er das Grußwort des Bürgermeisters verlesen hatte, dankte Neuhoff der Stadt Paderborn, dem Schulleiter und den hilfreichen Mitarbeitenden für die Unterstützung bei der Organisation der Synode.

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