Nur eine kurze Weinlese: kaum Trauben und keine Weinpfad-Führungen wegen Corona
Weinanbau in Höxter: Ein merkwürdiger Jahrgang 2020

Höxter (WB). „2020 ist ein merkwürdiges Jahr. Die Weintrauben haben eine außergewöhnliche Qualität, aber Mehltau und der trockene Boden haben die Weintraubenmenge um mehr als zwei Drittel reduziert.“ Michael Rindermann will das Corona-Jahr auch mit Blick auf den schlechten Weintraubenertrag am liebsten vergessen. „Ein paar Flaschen gibt die Lese von unserem Weinberg hier in Höxter wohl her, aber mehr auch nicht“, bedauert der Corveyer Weinhändler, der seit Jahren den Weinberg an historischer Stelle mit Helfern betreibt.

Donnerstag, 15.10.2020, 22:59 Uhr
Die Weinlese am einzigen echten Weinberg in Ostwestfalen in Höxter ist dieses Jahr schnell erledigt. Keine zwei Stunden brauchen Michael Rindermann und seine Helfer um die Weintrauben zu lesen. Vielleicht ein Drittel vom Ertrag 2019 gibt es für den Hexenstieg 2020. Hier präsentieren Michael Borgolte und Michael Rindermann im Vorjahr die Räuschenbergweine. Foto: Michael Robrecht
Die Weinlese am einzigen echten Weinberg in Ostwestfalen in Höxter ist dieses Jahr schnell erledigt. Keine zwei Stunden brauchen Michael Rindermann und seine Helfer um die Weintrauben zu lesen. Vielleicht ein Drittel vom Ertrag 2019 gibt es für den Hexenstieg 2020. Hier präsentieren Michael Borgolte und Michael Rindermann im Vorjahr die Räuschenbergweine. Foto: Michael Robrecht

Weinberg an der Weser: Weinlese, Weinpfad, Weingeschichte

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In einer Blitzaktion hat Rindermann vor einigen Tagen mit Unterstützern die Weinlese erledigt. In einem der wenigen Weinberge der Region sollte der Jahrgang »Corveyer Hexenstieg 2020« einen guten Tropfen Kabinett hervorbringen. „Aber wir haben die wenigen Trauben jetzt in Corvey durch die Obstpresse gedreht und schauen mal, was übrig bleibt.“ Der Weinexperte vom Heimat- und Verkehrsverein erntet jedes Jahr im Herbst mit Rebenpaten die oft prachtvollen Trauben von den 99 Stöcken. Mindestens eine Flasche Wein pro Rebe sei ungefähr der Ertrag, rechnet er vor. Die weiße Rebensorte »Phoenix« und die roten Trauben von »Regent« hätten sich am Berg in Südlage hoch über der Weser und dem Welterbe Corvey sehr gut entwickelt. 92 Oechsle gab es 2019 – und 2020? Chemische Mittel gegen Schädlinge setze er nicht ein. Die Trauben würden zur Obstpresse gebracht, dann im Weinhaus in Corvey gekeltert und Mitte des Folgejahres vorgestellt. Die Beeren hätten zwar jetzt die physiologische Reife, also die Geschmacksreife, gehabt – aber es seien leider nur kleine und nur sehr wenige Trauben insgesamt an den Rebstöcken zu ernten gewesen.

»Eine Weinlese mit Ausblick auf das Wesertal macht trotzdem immer Freude«, schwärmt der Weinhändler. 2020 spricht Rindermann aber von der schlechtesten Lese in zehn Jahren. „Wenn man den Boden öffnet, sieht man schon nach ein paar Zentimetern, wie trocken das Gelände hier am Räuschenberg ist“, so der Weinexperte. Es fehle, wie überall, genügend Regen – und das sehe man dem Traubenjahrgang 2020 stark an.

»150 Kilo Trauben bekommen wir eigentlich jedes Jahr für den Corveyer Hexenstieg zusammen«, sagt Rindermann, der mit der Hochschule OWL in Höxter – mit Blick auf die Landesgartenschau 2023 – einiges an „Wein-Ideen made in Höxter“ planen will.

Weinbau in Corvey gab es schon in der Barockzeit. Ralf Pankoke von der Hochschule OWL untersucht im Rahmen seiner Doktorarbeit weiter, wie in Höxter einst über Jahre großflächig Wein angebaut wurde. Das Untersuchungsgelände erstreckt sich über etwa sieben Hektar.

Die Katholische Kirchengemeinde hatte bis 2019 regelmäßig Führungen durch den Weinpfad im Weinberg angeboten, wo noch Relikte des Weinbergs von 1680 an den Hängen zu finden sind. Durch die Corona-Pandemie sind 2020 aber so gut wie keine Besucher durch den »Ökumenischen Weinpfad« mit Tafeln voller Bibeltextstellen von Sandra Tegethoff geführt worden. Alle hoffen auf ein besseres Jahr 2021.

Corveyer Weinbautradition

Der Weinberg setzt eine 340 Jahre alte Tradition der Corveyer Fürstäbte fort. Der Weinberg muss ab 1680 für 25 Jahre ein kleines Paradies gewesen sein. Fürstabt Christoph von Bellinghausen baute barocke Häuser und Terrassen. 18 Morgen waren die Weinberge einst groß. Ein Weingut gab es am Berghang. Der Hang ist als prachtvoller Garten überliefert. Zur Anlage gehören oben auf dem Berg am Hexentanzplatz ein kleines Lusthaus mit mehreren Zimmern und einem in den Felsen gehauenen Keller. Hier übernachtete der Abt oft im Sommer oder wenn er die lauten Bauarbeiten in der barocken Klosteranlage nicht mehr ertragen konnte. Unten am Berg ist ein stattliches Haus überliefert, das nicht nur zum Keltern, sondern auch als Wohn- und Wirtshaus für den Weingärtner dient, der mit Familie dort wohnte. Der aus Wetterau gebürtige Weingärtner Johann Rupen musste im ersten Jahr vier Morgen Reben betreuen. Über die Jahre entsprach der Weinanbau nicht mehr den Erwartungen, die der Abt in ihn gesetzt hatte; die Qualität wurde spärlicher und deshalb der Weinanbau 1703 ganz eingestellt.

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