Vernetzte und klimafreundliche Verkehrspolitik – Bürger am Zukunftsprojekt beteiligt
Höxter macht für 2035 mobil

Höxter (WB). Das lange Warten kann nerven. Am frühen Morgen oder am späten Nachmittag. Stop-and-go zu den Haupt-Verkehrszeiten an den neuralgischen Punkten in Höxter. Wer von der Lütmarser-, Brenkhäuser- oder Albaxer­straße in Richtung Stadt fährt, der kennt das Problem. Die Kreisstadt will dem entgegenwirken. Das Mobilitätskonzept 2035 ist auf den Weg gebracht worden.

Donnerstag, 22.10.2020, 09:17 Uhr
Die Pkw sollen in der Stadt reduziert werden. André Mohrenstein arbeitet an der Zukunft für Höxter und seine Ortschaften. Dabei spielen die Bürger eine entscheidende Rolle. „Wir setzen auf ihre Kreativität und Ideen“, betont der Mobilitätsmanager. Foto: Jürgen Drüke
Die Pkw sollen in der Stadt reduziert werden. André Mohrenstein arbeitet an der Zukunft für Höxter und seine Ortschaften. Dabei spielen die Bürger eine entscheidende Rolle. „Wir setzen auf ihre Kreativität und Ideen“, betont der Mobilitätsmanager. Foto: Jürgen Drüke

Mobilitätsmanager André Mohrenstein, der seit Beginn des Jahres das Verkehrsgeschehen und Aufkommen in Höxter in die richtige Richtung lenken will, setzt dabei insbesondere auf die Ideen, Vorschläge und die Kreativität der Bürger. Die spannende Frage lautet: „Wohin soll es mit der Mobilität in Höxter gehen?” Begehungen, Radler-Nachmittage und Befragungen sind bereits vorgenommen worden. „Mein Höxter – meine Mobilität“ lautet das Motto. Die Mission für die kommenden 15 Jahre fasst Mohrenstein wie folgt zusammen: „Mit den Bürgerinnen und Bürgern wollen wir die Weichen für eine vernetzte und klimafreundliche Verkehrspolitik stellen.“ Alle genutzten und zukünftig denkbaren Verkehrsmittel würden unter die Lupe genommen, um Angebote für die Zukunft aufzuzeigen.

Land versus Stadt

Der ländliche Raum stelle andere Anforderungen als die Großstadt. Der Verkehr in Höxter und in den Ortschaften solle insgesamt nachhaltiger gestaltet und die Chancen neuer Technologien genutzt werden. Wohin genau gesteuert werden soll, werde durch die beauftragten Planungsbüros „LK Argus“ und „planmobil“ aus Kassel zusammen mit der Stadt und eben den Bürgern erarbeitet. „In Zeiten von Corona passen wir die Beteiligungsformate den Bedingungen an. Vieles läuft online“, sagt Mohrenstein. Die erste Online-Befragung, die am 14. September unter www.mein-hoexter-meine-mobilitaet.de gestartet worden war, wird bereits ausgewertet. Auf der Seite „Mitmachen“ würden auch in Zukunft drei Dialogräume angeboten. Die Zufriedenheit mit den aktuellen Mobilitätsangeboten ist in der ersten Befragung ermittelt worden. „Probleme wurden geschildert und positive Beispiele herausgestellt“, sagt der städtische Angestellte.

„Mein Höxter, Meine Mobilität” – auf dieser Plattform wird laufend über das Mobilitätskonzept informiert. Zwischenstände und Ergebnisse des Arbeitsprozesses werden dort veröffentlicht. Neben dem Informationen werden in den kommenden Wochen und Monaten auch Beteiligungsmöglichkeiten über die Webseite angeboten. Weiterhin wird untersucht, ob sich die Mobilität der Höxteraner durch Corona verändert hat.

Menschen werden befragt

Zeitgleich wird seit Mitte September eine repräsentative Haushaltsbefragung vorgenommen. 4330 Haushalte sind in einer Zufallsstichprobe ausgewählt worden. Die Anonymität der Teilnehmer sei gewährleistet. Die Zufallsstichprobe sei für die Übertragbarkeit der Ergebnisse wichtig. Geantwortet wird schriftlich, im Internet und auch telefonisch. „Alles ist natürlich freiwillig“, so Mohrenstein, der in der Verwaltung der Abteilung Planung und Umwelt angehört.

„Wie sind die Höxteraner Haushalte mit Verkehrsmitteln ausgestattet?“ „Welche Verkehrsmittel werden zum Einkaufen, in der Freizeit, zur Arbeit genutzt?“ Das sogenannte „Integrierte Mobilitätskonzept“ soll bereits bis Ende 2021 fertiggestellt werden.

Fußverkehr unter der Lupe

Der Fußverkehr wird zwangsläufig unter die Lupe genommen. Wie ist es um die Situation der Fußgänger bestellt? In der Innenstadt und in Stahle hat es bereits Begehungen gegeben. Gemeinsame Fahrdienste auf Abruf: Das sogenannte „On-demand-Ride-Pooling“ soll die Mobilität in Höxter zudem verbessern. Die Idee: Mit On-Demand-Fahrdiensten können in zum Teil ländlich geprägten und dünn besiedelten Regionen die Menschen flexibler und besser mobil sein.

Für seine Anstrengungen ist Höxter bereits vom NRW-Verkehrsministerium belohnt worden, denn Fördermittel in Höhe von 1.537.500 Euro gehen an den Nahverkehrsverbund Paderborn/Höxter. Höxter ist damit ein ausgezeichnetes Projekt aus dem Landeswettbewerb „Mobil.NRW – Modellvorhaben innovativer ÖPNV im ländlichen Raum“. Die Fahrdienste sind auf Abruf buchbar und bündeln Anfragen von Menschen mit demselben Fahrziel. So soll der On-Demand-Service eine echte Alternative zum Auto werden und vor allem Senioren, Kindern und Menschen mit eingeschränkter Mobilität ermöglichen, flexibler unterwegs zu sein. Der Betrieb der fünf Fahrzeuge soll im Juli 2021 starten – werktags in der Stadt mit Lütmarsen und Bosseborn. Abends und an Sonn- und Feiertagen wird es auf das gesamte Stadtgebiet ausgedehnt. Der Service ist telefonisch und via App buchbar. „Das Mobilitätskonzept Höxter 2035 ist gut angelaufen“, hebt André Mohrenstein hervor. Höxter will vernetzte und klimafreundliche Verkehrspolitik betreiben.

Ein Kommentar von Jürgen Drüke

Die Stadt ohne Autos – geht das? Corona hat gezeigt, wie sich ein Leben mit weniger Straßenverkehr anfühlt. Die Lage im ländlichen Raum kann nicht mit der in der Großstadt verglichen werden. Staus und Wartezeiten nerven allerdings überall.

Die Verkehrssituation in Höxter ist ganz bestimmt keine unrühmliche Ausnahme. Die Pkw sollen nach Möglichkeit raus aus der Stadt – eine vernetzte und klima­freundliche Verkehrspolitik ist eine Bedingung dafür. Es gilt, alle aktuellen und zukünftig denkbaren Verkehrsmittel unter die Lupe zu nehmen. Höxter hat das Mobilitätskonzept 2035 auf den Weg gebracht und macht sich fit. Die Kreisstadt kann damit Vorbild für viele Kommunen von vergleichbarer Größenordnung werden.

Die Stadt ohne Autos – geht das? Welcher Politiker ist mutig genug, diese Frage den deutschen Autofahrern zu stellen? Versuche, das Auto einzugrenzen, werden auch als Angriff auf die Freiheit gewertet. Freiheit sollte aber nicht mit Bequemlichkeit verwechselt werden. Höxter macht mobil und kann zeigen: Eine Stadt ohne Autos – das geht!

 

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