Corona: Sieben-Tages-Inzidenz im Kreis Höxter erhöht sich von 66,3 auf 84,85 – 149 Fälle
Schreckgespenst „Lockdown 2“

Kreis Höxter (WB). Nach einer kurzen Beruhigung zeigt die Kurve wieder steil nach oben: Die Zahl der aktiven Corona-Infektionen im Kreis Höxter ist von Dienstag auf Mittwoch massiv angestiegen – um 33 Fälle auf jetzt 149. Die Sieben-Tages-Inzidenz erhöht sich damit von 66,3 auf 84,85.

Donnerstag, 29.10.2020, 02:04 Uhr aktualisiert: 29.10.2020, 10:56 Uhr
Die Gastronomie ist wieder in Not. Strullenkrug, Schmeck Werk, Ritmo, Café Pammel, Restaurant Driehorst, Eiscafé Mosena, Tonenburg, Hotel Niedersachsen, Hotel Stadt Höxter, Restaurant Cosmo, Strandgut Strandcafé, Bürgerstuben und Bolzano ließen hier den leeren Stuhl bei dieser Aktion auf Höxters Marktplatz im April für sich sprechen. Ist bald wieder solch eine Aktion nötig ? Foto: Bettina Schulz Foto:
Die Gastronomie ist wieder in Not. Strullenkrug, Schmeck Werk, Ritmo, Café Pammel, Restaurant Driehorst, Eiscafé Mosena, Tonenburg, Hotel Niedersachsen, Hotel Stadt Höxter, Restaurant Cosmo, Strandgut Strandcafé, Bürgerstuben und Bolzano ließen hier den leeren Stuhl bei dieser Aktion auf Höxters Marktplatz im April für sich sprechen. Ist bald wieder solch eine Aktion nötig ? Foto: Bettina Schulz

Bislang liegt der Rekord bezüglich der aktiven Covid-19-Infektionen im Kreisgebiet bei 158, er datiert vom 11. April. Angesichts von 34 gemeldeten Neuinfektionen (Stand Mittwoch, 0 Uhr) und nur einer genesenen Person könnte der Spitzenwert bald übertroffen werden. Der Kreis hatte bereits am Sonntag die kritische Marke von 50 Corona-Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner übertroffen – so wurde die Gefährdungsstufe zwei erreicht.

Angesichts dessen wurde am Sonntagabend eine Allgemeinverfügung herausgeben, die verschärfte Maßnahmen bedeutet. Die Gesamtzahl der bestätigten Corona-Infektionen liegt im Kreis Höxter bei insgesamt 624. Als genesen gelten 456 Personen. Am Mittwoch befanden sich 527 Personen in Quarantäne. 19 Menschen, die am Corona-Virus erkrankt waren, sind gestorben.

Aktive Corona-Fälle werden gemeldet aus Bad Driburg (31/+5), Beverungen (4), Borgentreich (7/+3), Brakel (16/+2), Höxter (6/+2), Nieheim, (2), Steinheim (54/+14), Warburg (16/+3) und Willebadessen (12). Auch Marienmünster – seit geraumer Zeit bislang ohne erkannte, aktive Infektion – ist nicht mehr „corona-frei“: Dort gibt es nun ebenfalls einen gemeldeten Fall.

Quarantäne schützt in Teilen

Im Hotspot Steinheim – am Mittwoch wurden dort 14 neue Infektionen gemeldet – beobachtet man genau, aus welchen Personenkreisen die positiven Tests nun kommen, wie Bürgermeister Carsten Torke auf Anfrage berichtete. Viele Steinheimer mussten nach zwei Veranstaltungen, die als Infektionsherde und Ursprünge der gestiegenen Zahlen an der Emmer gelten, in Quarantäne.

„85 Prozent der neuen Fälle stammen aus dem Kreis der Personen, die wir in Quarantäne geschickt haben – das ist zunächst einmal ein positives Zeichen: Infektionen schießen hier nicht wie Pilze aus der Erde. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass es Infizierte gibt, die nicht in Verbindung mit den Veranstaltungen stehen“, so Torke.

Ärger wegen Handzetteln

Im Kreis Höxter wurden zuletzt vermehrt Handzettel von Corona-Leugnern mit dem Titel „Positiv ist nicht krank“ verteilt – viele davon in der Steinheimer Ortschaft Ottenhausen. Bürgermeister Torke hat dafür kein Verständnis: „Hier wird eine Pandemie verharmlost. Ja, die Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut – sie darf aber auch nicht einseitig manipulieren.

Für alle, die sich auf das Grundgesetz berufen, auf das ich einen Eid geschworen habe: Es gibt nicht nur Rechte, sondern auch Pflichten – da steht, dass ich mich so zu verhalten habe, dass ich Dritte nicht gefährde. Nicht ohne Grund suchen Belgien und die Niederlande intensivmedizinische Plätze in Deutschland.“ Torke bezeichnet die Studie, die die Leugner anführen, als „halbwissenschaftlich“: „Hier werden beispielsweise die Entwicklungen der letzten Wochen bewusst ausgeklammert.“

Branchen sind Feigenblatt

Für viel Verdruss in der heimischen Geschäftswelt und Wirtschaft sorgten am Mittwoch die Pläne, Gastronomie, Kinos, Fitnessstudios und andere Freizeitstätten erneut – wie beim ersten Lockdown im Frühjahr – über Wochen zu schließen. Viele waren gespannt, welche Einschränkungen am Abend verkündet werden sollten.

Klaus Leßmann, Vorsitzender der Mittelstandsvereinigung im Kreis Höxter, sagte: „Absolut verständnislos ist man, wenn man seinen Betrieb nächste Woche schließen muss, obwohl man ein absolutes Hygienekonzept hat und sich fragt, warum dann nicht gleich, wenn es doch diese Woche so schlimm ist? Da müssen Gastronomie, Fitnessstudios und Spielhallen zum zweiten Mal als Feigenblatt der Politik herhalten. Daran merkt man, wie konzeptlos in Berlin Politik gemacht wird. Wie das die Wirtschaft überleben soll, oder woher die Billionen zur erneuten Unterstützung der Wirtschaft kommen und wie diese Billionen dann zurückgezahlt werden können, das interessiert niemanden. Ich befürchte eine Insolvenzwelle und habe das Gefühl, dass zwischen Einzelhändlern mit Lobby und anderen Branchen mit unterschiedlichem Maß gemessen wird.“

Kurzarbeit befürchtet

Bei weiteren Einschränkungen für die Gastro- und Hotelbranche müsste es dringend auch weitere Staatshilfen geben, betont Dr. Joachim Avenarius, Vizepräsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverband OWL (Dehoga) – außerdem kritisiert er, dass „kein Mensch mehr durch die Flut von Verordnungen und Regelungen blicken kann. Handelt es sich um ein Event, eine Tagung oder eine Bildungsveranstaltung? Ist es privat oder öffentlich? Darf ich das heute? Und darf ich das morgen auch noch? Muss ich die Soforthilfe jetzt zurückzahlen oder doch nicht? Es stehen zu viele ungeklärte Fragen im Raum.“

Allgemein schätzt er die Auswirkungen eines Lockdowns oder verschärfter Regeln für den ländlichen Räum als weniger dramatisch ein als für die Ballungszentren. Ohnehin sei der November erfahrungsgemäß ein verhältnismäßig ruhiger Monat für die Branche.

Aber: „Allein die vielen Diskussionen in den vergangenen Wochen und Tagen haben schon dazu geführt, dass es darüber hinaus für den Dezember fast keine Buchungen bezüglich Weihnachtsfeiern oder Jahresabschlussverstaltungen gibt. Allgemein sind geringere Personenzahlen am Tisch immer schlecht – weitaus dramatischer sind jedoch abgesagte Veranstaltungen für alle Caterer. Ich gehe davon aus, dass bis Ostern wieder Kurzarbeit laufen muss.“

Generell blicke die Branche nach einem gewaltigen Rückgang in der ersten Jahreshälfte auf gute Geschäfte insbesondere im August und September zurück. Viele hätten sich über den Sommer einen Puffer aufbauen können – jedoch längst nicht alle. Avenarius hält nicht viel von einem generellen Lockdown: „Abstandsregelungen und Gruppenverkleinerungen sind Maßnahmen, die genügend Schutz bieten. Alles darüber hinaus schickt die Leute noch mehr in die privaten Räume, wo keine Hygienekonzepte herrschen – und das ist augenscheinlich gefährlicher als alles andere.“

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