Schloss Hundisburg: Elmar Arnhold an Rekonstruktion des Festsaals beteiligt – Verbindung nach Corvey
Kaisersaal-Decke hat „Zwilling“

Höxter/Haldensleben -

Der Bauhistoriker Elmar Arnhold (56) erlebt derzeit auf einer spektakulären Baustelle im Schloss Hundisburg bei Haldensleben in Sachsen-Anhalt berufliche Sternstunden: Im 1945 bei einem Brand zerstörten Hauptsaal des eleganten barocken Herrenhauses entsteht die Wandgliederung derzeit nach den Rekonstruktionsplänen des gebürtig aus Höxter stammenden Fachmanns in ihrer ursprünglichen, geradezu betörenden Imposanz neu.

Samstag, 21.11.2020, 05:29 Uhr aktualisiert: 21.11.2020, 08:29 Uhr
Giacomo Perinetti hat zuerst die Decke in Hundisburg geschaffen.
Giacomo Perinetti hat zuerst die Decke in Hundisburg geschaffen. Foto: Sabine Robrecht

Eine Verbindung ins heimatliche Corvey setzt diesem an sich schon herausragenden Auftrag die Krone auf. Denn der Deckenstuck des wiederentstehenden Prunksaals gleicht exakt dem des Kaisersaals der ehemaligen Reichsabtei. Hundisburg war vor 320 Jahren für Corvey das Vorbild. Und sieht dem jüngeren Geschwisterteil an der Weser zum Verwechseln ähnlich.

Stuckdecke des Festsaals im Schloss Hundisburg ist ein „Zwilling“ des Kaisersaals in Corvey

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  • Die schmucke Rückfront des Schlosses Hundisburg.

    Foto: Sabine Robrecht
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  • Der unter der Ägide von Dr. Harald Blanke angelegte Barockgarten des Schlosses Hundisburg.

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  • Die Fassade des Schlosses Hundisburg bei strahlend blauem Himmel.

    Foto: Elmar Arnhold
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  • Diese und die drei weiteren Aufnahmen zeigen doe Laubengänge rechts und links vom Barockgarten.

    Foto: Sabine Robrecht
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  • An der Rekonstruktion des Treppenhauses im Schloss ist Elmar Arnhold ebenfalls beteiligt.

    Foto: Sabine Robrecht
  • Diese prächtigen Baluster säumen werden die beiden Treppenaufgänge in die Beletage säumen.

    Foto: Elmar Arnhold
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  • Die folgenden Aufnahmen vermitteln noch einmal Eindrücke vom Barockgarten.

    Foto: Sabine Robrecht
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  • Die Decke des Festsaals war vor den Wänden bereis rekonstruiert.

    Foto: Elmar Arnhold
  • Die Decke des Festsaals war vor den Wänden bereis rekonstruiert.

    Foto: Elmar Arnhold
  • Elmar Arnhold (links) und Dr. Harald Blanke.

    Foto: Sabine Robrecht
  • Elmar Arnhold (links) und Dr. Harald Blanke zeigen im Festsaal die Pläne für den Wandstuck.

    Foto: Sabine Robrecht
  • Dieses und die folgenden Bilder zeigen die Decke des Festsaals und einige Baustellenimpressionen.

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  • Gerüste prägen die Szenerie im Festsaal.

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  • Große Stuckelemente warten darauf, an den Wänden im Festsaal angebracht zu werden.

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  • Der Kaisersaal von Schloss Corvey: Die Stuckdecke gleicht in ihrer Ausgestaltung der Decke des Festsaals von Schloss Hundisburg. Unterschiedlich ist lediglich das Bildprogramm.

    Foto: Michael Robrecht
  • Der Kaisersaal von Schloss Corvey: Die Stuckdecke gleicht in ihrer Ausgestaltung der Decke des Festsaals von Schloss Hundisburg. Unterschiedlich ist lediglich das Bildprogramm.

    Foto: Harald Iding
  • Der Kaisersaal von Schloss Corvey: Die Stuckdecke gleicht in ihrer Ausgestaltung der Decke des Festsaals von Schloss Hundisburg. Unterschiedlich ist lediglich das Bildprogramm.

    Foto: Sabine Robrecht
  • Zum Schluss noch eine Aufnahme der ehemaligen Benediktinerabtei Corvey.

    Foto: Sabine Robrecht

Die Großbaustelle in dem Herrenhaus mit seiner bestechend komponierten Gartenfront ist weithin einzigartig. Denn es ist nicht gerade an der Tagesordnung, dass kunstvolle barocke Innenarchitektur neu geschaffen wird. Gleich beim Betreten des Schlosses fällt der Blick auf große und schwere Stuckelemente. Sie liegen vor der Eingangstür für den Festsaal im ersten Stock bereit und scheinen mit ihren Voluten und anderem Zierrat geradezu freudig darauf zu warten, endlich angebracht zu werden – um dem eineinhalbgeschossigen, 19 Meter langen und 13 Meter breiten Prachtraum wieder zur ihm gebührenden, repräsentativen Eleganz zu verhelfen.

Obwohl Gerüste und Werkzeug im Saal den Raumeindruck dominieren, fühlen sich Corvey-Kenner, also auch Elmar Arnhold, beim Blick nach oben sogleich in die frühere Reichsabtei versetzt. Denn die Decke – die ältere „Schwester“ der Kaisersaal-Decke – ist seit 2011 bereits genauso rekonstruiert wie der italienische Stuckateur Giacomo Perinetti sie 1695/96 erschaffen hat.

Mittelpunkt der Stuckdecken in Hundisburg und Corvey ist ein zentrales Oval mit einem aus Akanthuslaub umschlossenen Gemälde. „Dieses wird über den vier Raumecken von kleineren Ovalen umgeben“, erläutert Elmar Arnhold. Während sich die Deckengliederungen in Corvey und Hundisburg zum Verwechseln ähneln, unterscheidet sich natürlich das Bildprogramm der Zwillings-Stuckdecken.

Weltliches Bildprogramm

Dieses fällt in Hundisburg weltlich aus, ist eine Hommage an Wissenschaft und Künste und stammt aus der „Iconologia“ von 1593, einem ikonographischen Vorlagenbuch von Cesare Ripa. „Ein Putto hält einen Grundriss des Schlosses Hundisburg in den Händen“, verweist Dr. Harald Blanke, Leiter der Schloss- und Gartenverwaltung, auf ein liebenswertes Detail des zentralen Deckengemäldes. Blanke betreut die seit Jahren laufenden Sanierungsarbeiten im Schloss samt Rekonstruktion des Festsaals und des repräsentativen Treppenhauses und hat auch den beeindruckenden Barockgarten der Anlage neu erschaffen.

lmar Arnhold (links) und Dr. Harald Blanke zeigen auf der Baustelle im Saal die Pläne der Wandgliederung.

lmar Arnhold (links) und Dr. Harald Blanke zeigen auf der Baustelle im Saal die Pläne der Wandgliederung. Foto: Sabine Robrecht

Auf den Garten werden die Besucher des Saales demnächst herunterschauen können – nachdem ihr Blick zuerst an der Decke und an den 9,50 Meter hohen Wänden mit ihrer prachtvollen Architekturgliederung haften geblieben war. Die Wandstuckaturen mit kannelierten Pilastern und korinthischen Kapitellen hat Elmar Arnhold samt Gebälk mit Kranzgesims, Fries und Architrav rekonstruiert. Anhaltspunkte waren Fotos von 1937 und aus den 1950er Jahren, die Stuckreste zeigen. Anhand erhaltener Fragmente des Gebälks konnte der Bauhistoriker Maße abnehmen. Er musste ermitteln, wo die Grenze zu den Kapitellen der Pilaster verlief. „Dass wir die Proportionen wieder hinbekommen haben, ist ein erfreulicher Erfolg“, sagt Elmar Arnhold, der die Geschichte des über dem Dorf Hundisburg thronenden Schlosses profund kennt und in einer Ausstellung detailliert aufgefächert hat.

Mit Dr. Blanke, dessen Lebensgefährtin aus Bredenborn stammt, arbeitet der in Braunschweig lebende Höxteraner seit 2012 gedeihlich zusammen. Blanke hatte 2009 vor der Rekonstruktion der vor 75 Jahren verbrannten Stuckdecke des Festsaals die jüngere „Schwester“ in Corvey in Augenschein genommen. Ihr Schöpfer Giacomo Perinetti hat mit dieser schmuckvollen Stuckdecke nicht nur in der Reichsabtei (1704 unter Fürstabt Florenz von dem Velde) und in Schloss Hundisburg (1695/96), sondern auch in Schloss Brüggen an der Leine bei Hildesheim seine künstlerische Visitenkarte hinterlassen. Der Kaisersaal hat also zwei ältere Geschwister. Auf die opulente Wandgliederung, wie sie in Hundisburg wieder entsteht, haben die Corveyer Mönche verzichtet.

Elmar Arnhold sieht die Pilasterordnung an den Wänden des Festsaals mit großer Freude neu erblühen. Sein Auftrag umfasst auch die Rekonstruktion der Geländer mit ihren markanten Balustern im Treppenhaus. Immer wenn er vor Ort ist, geht dem passionierten Bauhistoriker das Herz auf: „Als ich 1991 erstmals vor der Ruine von Schloss Hundisburg stand, hätte ich nicht gedacht, dass dies alles wieder so schön wird. Und noch weniger, dass ich daran einmal mitarbeiten darf. Dann noch die Bezüge zu Corvey – das macht mich als alten Höxteraner besonders stolz.“ Ende 2021 soll das wiedererstandene Schloss nach Abschluss der Komplettsanierung festlich wieder eingeweiht werden.

Schloss hat bewegte Geschichte

Der italienische Stuckateur Giacomo Perinetti war ein gefragter Kunsthandwerker seiner Zeit. Herrscherhäuser wie das Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel bedienten sich der besonderen Fähigkeiten des Meisters. Und so hinterließ er der Nachwelt in vielen Schlössern barocke Gesamtkunstwerke, die in ihrer Prachtentfaltung Eindruck machten – und es zum Teil bis heute noch tun.

Zu den Schöpfungen Perinettis gehören die „Zwillings“-Stuckdecken des Prunksaals von Schloss Hundisburg bei Haldensleben und des Kaisersaals der ehemaligen Reichsabtei Corvey. Zwillinge sind die kunstvollen Decken natürlich nicht. Die Größe der Räume und die Bildprogramme unterscheiden sich. Trotzdem sehen sich die Stuckdecken in ihrer Gliederung, ihrer Komposition und natürlich auch in den Proportionen ähnlich, dass man glaubt, eine Schablone der Corveyer Decke über die „Schwester“ in Hundisburg legen zu können.

Umgekehrt wäre es chronologisch gesehen zutreffender. Denn die Stuckdecke des Schloss-Prunksaals war Vorbild für die in Corvey. Zwischen ihrer Entstehung liegen keine zehn Jahre.

Während der Kaisersaal in seiner prächtigen Innenausstattung die Jahrhunderte überdauert hat, sind die barocken Räume des Schlosses Hundisburg im 19. Jahrhundert teilweise verändert und schließlich durch einen verheerenden Brand im Herbst 1945 großenteils zerstört worden. Zu der Zeit waren mehrere hundert Soldaten der Roten Armee in der Gutsanlage einquartiert.

Nach Gründung der DDR entstand, so der Höxteraner Bauhistoriker Elmar Arnhold, in Hundisburg ein Volkseigenes Gut (VEG). Der letzte Eigentümer Gottlob Karl von Nathusius war im Zuge der Bodenreform enteignet worden. Die unzerstörten Teile der Schlossanlage wurden weiter genutzt. Schon in den 1950er Jahren begannen Planungen zum Wiederaufbau. 1969 wurden die Maßnahmen eingestellt. Die Bausubstanz verfiel.

Die Wende holte das Schloss aus dem Dornröschenschaf. Seit 1991 laufen Restaurierungs- und Rekonstruktionsarbeiten. 1994 ging die Anlage in das Eigentum der Stadt Haldensleben über, die das Schloss der Trägerschaft des Vereins Kultur-Landschaft Haldensleben-Hundisburg anvertraute. Seither erblühen Schloss und Barockgarten in ursprünglicher Eleganz. Im Festsaal entsteht jetzt die barocke Wandarchitektur nach den Rekonstruktionsplänen von Elmar Arnhold neu. Ihm ist es ein Anliegen, für die großartige Zusammenarbeit mit Dr. Harald Blanke, Leiter der Schloss- und Gartenverwaltung, und dem Architekturbüro Seidl und Dr. Heinecke in Haldensleben zu danken.

 

Die Stuckdecke im Kaisersaal von Schloss Corvey. Sie unterscheidet sich von ihrem Vorbild in Hundisburg lediglich in ihrem Bildprogramm.

Die Stuckdecke im Kaisersaal von Schloss Corvey. Sie unterscheidet sich von ihrem Vorbild in Hundisburg lediglich in ihrem Bildprogramm. Foto: Harald Iding

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