Andreas Seppmann (64) aus Lüchtringen wagt Alpenüberquerung in Corona-Zeiten - von Salzburg nach Triest
Fahrrad bewahrt ein Stück Freiheit

Höxter-Lüchtringen -

Den Artikel muss man mit dem Satz „Wie mir ein Fahrrad in Corona-Zeiten ein Stück Freiheit bewahrt“ überschreiben. Andreas Seppmann (64) aus Lüchtringen sieht sich als echter Abenteurer. Und er liebt die Freiheit in diesem besonderen Jahr.

Sonntag, 22.11.2020, 23:51 Uhr aktualisiert: 23.11.2020, 07:50 Uhr
Hurra! Andreas Seppmann (links/64) aus Lüchtringen am Ziel in Triest: Von Salzburg ist er mit seinem Fahrrad durch das Salzburger Land und die Ostalpen bis zur Adria gefahren. Die Tour ist in Corona-Zeiten anders verlaufen als frühere Touren.
Hurra! Andreas Seppmann (links/64) aus Lüchtringen am Ziel in Triest: Von Salzburg ist er mit seinem Fahrrad durch das Salzburger Land und die Ostalpen bis zur Adria gefahren. Die Tour ist in Corona-Zeiten anders verlaufen als frühere Touren. Foto: Seppmann

Er habe schon 120 Länder bereist, sagt er. Nach einer schweren Krankheit wollte er sich schon 2016 – und jetzt wieder – noch einmal selbst etwas beweisen. Sein Plan: Mit dem Fahrrad von Salzburg nach Triest. Die Tour war ein Erlebnis.

Schloss Miramare in Triest.

Schloss Miramare in Triest. Foto: dpa

Wenn der pensionierte Hotelmanager über seine unzähligen Abenteuerreisen berichtet, bekommt er sofort Glanz in seinen Augen. Die Etappen von Lüchtringen nach München und von München nach Salzburg hat er in der Vergangenheit gut mit seinem Fahrrad bewältigt. Jetzt war dieses Jahr Teil 3 fällig. Und das vierte Ziel ist auch schon im Visier: von Triest nach Dubrovnik im Jahr 2021.

Schon oft auf Tour

Der Lüchtringer schwärmt von fernen Ländern und fremden Kulturen, aber auch vom Nervenkitzel einer solche Strampeltour. Der Allerjüngste sei er ja auch nicht mehr, lacht er. Unvergessen sei seine Fahrt 1989 mit einem Freund und zwei schrottreifen Autos in der Sahara – inklusive eines Banditenüberfalls, fünf Tagen in einem algerischen Knast und einer Rückreise mit Beduinenbegleitung (wir berichteten vor einigen Jahren).

Andreas Sepmann nach der Alpenfahrt an der Adria. Endlich am Ziel!

Andreas Sepmann nach der Alpenfahrt an der Adria. Endlich am Ziel! Foto: A.Seppmann

Auch mit 64 Jahren sei seine Abenteuerlust ungebrochen. „An der Weser rund um Lüchtringen und Höxter trainiere ich das Radfahren, das gesamte Jahr über“, berichtet Andreas Seppmann. 30 Kilometer durch das Weserbergland oder den 500 Meter hohen Köterberg hinauf – das sei für ihn alles kein Problem und eine gute Vorbereitung für einen körperlich fordernden Alpentrip. Besonders mag der Lüchtringer bei den Trainingsfahrten daheim und zuletzt in den Alpen den Kontakt zu Menschen. „Ich rede gerne und höre gerne Geschichten“ gesteht er. Das mit dem Plaudern sei im Corona-Pandemiejahr aber eher schwierig gewesen. Nur sechs Fahrradfahrer habe er auf der Tour 2020 näher kennen gelernt. Und da die Hotels im Alpenraum alle leer oder geschlossen gewesen seien und auch nicht so viele Radler wie früher die Strecken bevölkerten und viele Abstand wegen Corona hielten, sei es mit dem Gewinnen neuer Freunde schwierig gewesen.

Ostalpenüberquerung

Andreas Seppmann hat einen Bericht über die Ostalpenüberquerung in diesem Herbst geschrieben. Hunderte Kilometer einsam durch die Natur sei er gefahren, ein tolles Erlebnis: Den Ciclovia Alpe Adria Radweg habe er genutzt. „Das ist kein Fahrradweg im eigentlichen Sinn. Oft steckt man da mitten im Verkehr“, schildert der Lüchtringer.

Mit dem Zug ging es zunächst von Höxter nach Salzburg. Mit dabei hatte der sportliche Lüchtringer lediglich sein Mountainbike sowie sechs Kilogramm Gepäck in zwei Satteltaschen. Andreas Seppmann absolvierte auf seinem Weg durch das Salzburger Land über Bischofshofen mit der Sprungschanze, Bad Gastein, Villach Venzone, Udine, Palmanova, Aquileia, Grado bis Triest um die 40 oder 50 Kilometer am Tag und trotzte dabei auch extremen Bedingungen. Auf Radwegen und Landstraßen durch die teilweise bei sechs bis acht Grad schon schneebedeckten Berge entdeckte der Lüchtringer, der in den noch offenen Hotels und Pensionen übernachtete, viele Anblicke unberührter Natur. Das Highlight der Tour, wie er sagt.

Ein paar Missgeschicke gab es neben den tollen Landschaftserlebnissen aber auch: „Eine Windboe drückte mich in ein Feld. Ich habe mich bei dem Sturz aber nicht verletzt“, schildert er. Die Anstiege und Pässe in den Alpen seien oft sehr hart gewesen, das 17 Kilo schwere Tourenrad und die 15 Kilo Gepäck eine Herausforderung gewesen. „Ich habe auch meine körperlichen Grenzen kennengelernt“, gestand der frühere Hotelmitarbeiter. „Wer sein Fahrrad liebt, der schiebt“, sei dann das Motto gewesen.

2021 neue Fahrt geplant

Unvergessen ist dem 64-Jährigen die wilde Landschaft im Dreiländereck ­Österreich, Slowenien und Italien mit steilen Felswänden, dichten Wäldern und schäumenden Flüssen sowie superschnellen Abfahrten. Auf dem Weg nach Triest habe er das weiße Habsburger-Schloss Miramare an der Adria besichtigt. Dort wohnte lange Erzherzog Maximilian von Österreich, dem Bruder von Kaiser Franz Joseph, Schwager von Sissi und späteren Kaiser von Mexiko, der in in Amerika durch eine Revolution einen frühen Tod fand. Die Hafenstadt Triest (200.000 Einwohner) gehörte früher zu Österreich, heute zu Italien und war der Endpunkt der Reise des Lüchtringers. Auch wegen der galoppierenden Corona-Zahlen in Italien. Es habe Einschränkungen wegen Covid 19 für Touristen gegeben, viele junge Leute seien sehr sorglos mit der Pandemie umgegangen, so Seppmanns Beobachtung. Eine Erfahrung sei auch, dass viele kleine Hotels und Gasthäuser in diesen Pandemiewochen ums Überleben gekämpft hätten. Viele würden, so der Lüchtringer, vor dem Aus stehen. Covid 19 werfe überall dunkle Schatten, schreibt er in seiner Bilanz der 500-Kilometer-Bergradfahrt.

Der Globetrotter aus dem Kreis Höxter rät allen: „Verwirklicht Eure Träume – so lange wie es geht.“

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