Ransomware-Angriff auf Holzmindener Unternehmen - alle Daten weg - hohe Lösegeldforderungen
Aromenhersteller Symrise Opfer einer Cyberattacke

Holzminden -

Mitten im Shutdown wird der Duftstoffriese Symrise Opfer eines Cyberangriffs: Der Aromenspezialist Symrise aus Holzminden ist seit dem Wochenende direkt von einer Cyberattacke betroffen. Das hat Auswirkungen auf Computersysteme und Produktion.

Dienstag, 15.12.2020, 12:09 Uhr aktualisiert: 15.12.2020, 15:28 Uhr
Symrise hat seinen Hauptsitz in Holzminden. Unbekannte Täter erpressen den Duft- und Aromenhersteller. Arbeit an den Standorten ist für den potenziellen Dax-Kandidaten nur sehr eingeschränkt möglich, die Produktion musste eingestellt werden.
Symrise hat seinen Hauptsitz in Holzminden. Unbekannte Täter erpressen den Duft- und Aromenhersteller. Arbeit an den Standorten ist für den potenziellen Dax-Kandidaten nur sehr eingeschränkt möglich, die Produktion musste eingestellt werden. Foto: Michael Robrecht

„Nach derzeitigem Kenntnisstand handelt es sich um eine kriminelle Handlung mit erpresserischer Absicht“, sagte am Dienstag eine Unternehmenssprecherin. Die IT-Systeme seien sofort vom Netz genommen worden. Die Auswirkungen würden nun analysiert. „Wir arbeiten eng mit den staatlichen Behörden und dem Landeskriminalamt zusammen“, sagte die Sprecherin. Das Unternehmen arbeite daran, die betroffenen Systeme zeitnah wieder hochfahren zu können. Symrise ist ein Hersteller von Geruchs- und Geschmacksstoffen, dessen Produkte in vielen Konsumgüterartikeln und auch in Nahrungsmitteln stecken. Im Sommer hatte das Unternehmen knapp den Einzug in den Aktien-Leitindex Dax verpasst. Symrise gehört zum MDax der mittelgroßen Aktiengesellschaften. Der Umsatz lag 2019 bei 3,4 Milliarden Euro. 10.000 Mitarbeiter sind bei Symrise beschäftigt, einige tausend davon in Holzminden. Viele hundert Mitarbeiter von Symrise kommen auch aus dem Kreis Höxter. Unbekannte Täter erpressen den Duft- und Aromenhersteller. Arbeit an den Standorten ist für den potenziellen Dax-Kandidaten nur sehr eingeschränkt möglich, die Produktion musste eingestellt werden.

Das Handelsblatt berichtete zuerst über die Attacke, die teuer werden kann. Zitat: „Es waren nur wenige Worte, die am späten Sonntagnachmittag die Mitarbeiter des MDax-Konzerns Symrise aufschreckten: „Symrise global von Cyber-Kriminellen attackiert.“ So lautete die Überschrift einer „wichtigen Mitarbeiterinformation“, mit der sich die Konzernkommunikation des Holzmindener Herstellers von Duft- und Geschmacksstoffen an die Belegschaft wendete. Bei dem Hackerangriff handelt es sich um eine kriminelle Aktion unbekannter Täter mit erpresserischer Absicht, schrieb die Abteilung. Am Ausmaß der Attacke ließ Symrise kaum Zweifel: Am Wochenende sei es Cyber-Kriminellen gelungen, einen Virus in die Netzwerke einzuschleusen. Das Unternehmen habe alle wesentlichen Systeme heruntergefahren, um die Folgen bewerten zu können und mögliche weitere Auswirkungen zu verhindern.“

Der Vorstand von Symrise bei der Aktionärsversammlung in Holzminden 2019.

Der Vorstand von Symrise bei der Aktionärsversammlung in Holzminden 2019. Foto: Michael Robrecht

Erst im Sommer war ein großes Unternehmen in Höxter Opfer einer solchen Cyberattacke geworden. Daten wurden abgeschöpft und alle IT-Bereiche und Geräte lahmgelegt (wir berichteten). Geldforderungen wurden durch die unbekannten Täter erhoben. Das LKA ermittelt seitdem.

Alles sieht danach aus, dass das Unternehmen in Holzminden genau so wie die Höxteraner Opfer eines Ransomware-Angriffs geworden ist. Dabei schleusen Cyberkriminelle einen Virus in die Systeme des Unternehmens und verschlüsseln mit dessen Hilfe wichtige Daten. Für die Freigabe sollen betroffene Firmen dann sechsstellige oder siebenstellige Summen zahlen. „Ransom“ ist das englische Wort für Lösegeld.

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