Pandemie: Trotz der vielen Einschränkungen setzen Betriebe im Kreis Höxter auf enge Kundenbindung und neue Wege – direkte Anlieferung als Serviceleistung
Heimische Kaufleute machen im Lockdown mobil

Kreis Höxter -

Diese sieben Buchstaben bestimmen seit rund drei Jahrzehnten das Wirken von Dietmar Larusch. Der Kaufmann des gleichnamigen Fachgeschäfts (Haushaltswaren) in Höxter sagt: „Service – das ist und bleibt das A und O. Die Leistung gegenüber unseren Kunden hört für uns mit der Corona-Pandemie nicht auf, im Gegenteil. Wir lassen uns Antworten auf den Lockdown einfallen und gehen neue Wege!“ Und das im wahrsten Sinne des Wortes.

Donnerstag, 14.01.2021, 11:39 Uhr aktualisiert: 14.01.2021, 11:42 Uhr
Firmenchef Dietmar Larusch (54, Fachgeschäft für Haushalts- und Spielwaren in Höxter) bleibt trotz Pandemie zuversichtlich und setzt weiter auf Kundenservice.
Firmenchef Dietmar Larusch (54, Fachgeschäft für Haushalts- und Spielwaren in Höxter) bleibt trotz Pandemie zuversichtlich und setzt weiter auf Kundenservice. Foto: Harald Iding

 

Das WESTFALEN-BLATT hat mit dem emsigen Geschäftsmann sowie anderen Betrieben über das „Korsett“ gesprochen, in dem sie sich zurzeit befinden. Sie können durch die behördlichen Maßnahmen nicht soviel verkaufen wie sie könnten, weil ihre Geschäftsräume für den Publikumsverkehr geschlossen sind. Aber hinter den Kulissen – da läuft viel mehr ab als man sich vorstellt. Triste Bilder von leer gefegten Innenstädten in der Region würden dieses Engagement in keiner Weise widerspiegeln. „Jetzt heißt es vielmehr, die Ärmel hochzukrempeln und nicht an der Situation zu verzweifeln“, stellt Larusch fest.

Der 54-Jährige habe schon viele Höhen und Tiefen mitgemacht. Aber wegen Corona und des zweiten Lockdowns zum neuen Jahr spüren er und sein gesamtes Team (drei Voll- und Teilzeitbeschäftigte, bis zu acht Mitarbeiter auf Minijob-Basis und eine Auszubildende), dass die Grenzen des Machbaren wohl bald erreicht sind. „Wir werden vielleicht ab Februar in Kurzarbeit gehen müssen. Aber ich werde dafür sorgen, dass meine Leute dadurch keine finanziellen Nachteile haben“, versichert der Chef.

Die Lage wäre alles andere als leicht zu meistern. Deswegen dürfen sich seine Kunden freuen, dass die Ware sogar direkt angeliefert wird. „Ich habe aktuell vom Kreis Höxter auf Antrag eine Sondergenehmigung erhalten, dass ich Kunden sowohl im Kreis Höxter als auch im Nachbarkreis beliefern darf. Das geht aber alles nur unter strengsten Corona-Auflagen und mit Abstand vor Ort.“

Dietmar Larusch und sein Bruder Detlef kümmern sich um die täglichen Anfragen, die per Mail, Telefon und Messenger-Dienst eintreffen. Die Käufe werden in Touren zusammengelegt, um den Transport effektiv zu gestalten. „Da wird dann auf der Tour zum Beispiel in Ottbergen, Brakel, Bad Driburg und Paderborn nur kurz geklingelt, die Ware vor der Haustür abgelegt und der Kaufpreis vom Kunden gezahlt – entweder in bar (passend im Brief) oder per Überweisung.“

Larusch lobt die Menschen in der Region: „Meine Kunden sind alle ehrlich und zahlen zuverlässig. Da kommt es ja auch nicht auf einen Tag an. Die Hauptsache ist, dass sie glücklich mit unserer Arbeit sind!“

Viel Vorleistung

Anders als beim letzten Lockdown würde sich Larusch vorher die Lager nicht mehr so voll packen. „Wir kaufen ja oft eine halbes Jahr im Voraus ein. Dass der Märchentag in Höxter als auch das mehrtägige Fest Huxori sowie wichtige Einkaufstage vor Weihnachten geplatzt sind – das hat uns alle ziemlich zurückgeworfen. Wir treten ja in Vorleistung und da kann es dann schon eng werden, wenn am Ende nur noch maximal ein Fünftel abgesetzt wird.“

Derzeit müsste der Betrieb mit deutlich weniger Umsatz auskommen. „Statt 80 bis 100 Kunden pro Tag sind es heute höchstens ein Dutzend.“ Es gehe schlicht um das Überleben „der ganzen Mannschaft“. Larusch: „Entweder schaffen wir es gemeinsam – oder hören zusammen auf.“ Er sei aber guter Dinge, dass sich alles wieder einfinden wird.

„Durchhalten ist angesagt, damit später nicht Betriebe in unserer Innenstadt für immer geschlossen bleiben.“

Für die Steinheimer Geschäftsfrau Alexandra Schröder („Augenoptic“) wirkt sich die neuerliche 15-Kilometer-Grenze (wegen der hohen Corona-Zahlen) nicht spürbar aus. „Die meisten Kunden kommen aus dem Kreis Höxter und dürfen trotz Lockdown weiterhin alle Leistungen bei uns in Anspruch nehmen.“

Neuer „Look“

Ob allerdings ein Kunde aus dem Nachbarkreis Lippe zu ihr fahren dürfe, um sich zum Beispiel eine Brille abzuholen („als medizinisch notwendige Leistung“) – das würde der „Augenoptiker- und Optometristenverband NRW (AOV) mit Sitz in Dortmund derzeit stellvertretend mit dem Ministerium klären. „Es herrscht eine große Unsicherheit vor“, weiß Schröder aus Gesprächen. Übrigens: Die Stadt Höxter hat zu diesem Themenkomplex einem Bürger jetzt mitgeteilt, dass er ein Auto aus einem anderen Kreis „überführen“ darf.

Jens Klingemann aus Höxter sagte zu seinem Angebot, Kunden Mode und Schuhe nach Hause zu bringen: „Entweder liefern wir die Ware oder verschicken sie per Post, wenn die Entfernung zu groß sein sollte. Wir können dabei auf das komplette Sortiment zurückgreifen.“ Zudem hätten Kunden die Möglichkeit, an der Warenannahme (auf dem Kundenparkplatz) beispielsweise passende Mützen anzuprobieren – nach vorheriger Absprache. In den Schaufenstern gibt es viel Mode zu sehen (mit Nummern). Klingemann: „Auch auf Instagram stellen aktuell neue Looks vor!“

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7765791?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198395%2F2516020%2F
Laschet zum neuen CDU-Vorsitzenden gewählt
Armin Laschet soll neuer Bundesvorsitzender der CDU werden.
Nachrichten-Ticker