Kinder und Erzieherinnen haben sich im Lockdown vermisst – Freude in der Kita Regenbogen ist riesengroß
„Endlich wieder Hackbällchen“

Höxter (WB) -

Henri (6) und Hanna (5) sind etwas aufgeregt: Hin und her gehen die beiden Kinder im bunten Flur der Kindertagesstätte. In wenigen Minuten werden sie der neuen Leiterin Katharina Vieth einen Blumenstrauß übergeben. An diesem Donnerstagvormittag herrscht in der Kita Regenbogen in der Hermann­straße 45 in Höxter doppelte Freude.

Samstag, 27.02.2021, 07:10 Uhr
Daumen hoch: Kita-Leiterin Katharina Vieth inmitten glücklicher Kinder in der Tagesstätte Kita Regenbogen.
Daumen hoch: Kita-Leiterin Katharina Vieth inmitten glücklicher Kinder in der Tagesstätte Kita Regenbogen. Foto: Jürgen Drüke

Eine neue Leiterin und die Öffnung der Kitas seit Beginn der Woche mitten im Lockdown machen es möglich. „Die Sonne scheint, weil wir wieder in die Kita gehen dürfen“, ist sich Hanna sicher. Draußen vor dem hölzernen Eingangsbogen mit der Aufschrift „Kita Regenbogen“ bedankt sich Katharina Vieth einige Minuten später bei den Kindern und dem Vorstand der Elterninitiative als Träger: „Das sind ganz tolle Blumen“, sagt die 40-Jährige und möchte den Jungen und das Mädchen eigentlich umarmen. Der Daumen geht stattdessen nach oben.

Gemeinsames Malen macht Spaß. Praktikantin Paula Wüsthoff (vorne) und Leiterin Katharina Vieth erstellen mit den Kleinen große Werke.

Gemeinsames Malen macht Spaß. Praktikantin Paula Wüsthoff (vorne) und Leiterin Katharina Vieth erstellen mit den Kleinen große Werke. Foto: Jürgen Drüke

„Der Abstand und die Einhaltung der Corona-Vorschriften sowie die Gruppeneinteilungen stehen an erster Stelle. Die Kinder sind so dankbar, dass sie nun wieder hierher kommen dürfen“, stellt die neue Leiterin, die im „Regenbogen“ bereits seit dem 1. August des vergangenen Jahres die kommissarische Leitung inne hat, heraus. Mitten im Lockdown, in dem inzwischen so viel über weitere Lockerungen diskutiert wird, befinden sich die Mädchen und Jungen wieder in ihrem zweiten Zuhause. „Eltern und Kinder sind unendlich dankbar“, hat Christina ­Mamojka, Vorsitzende der Elterninitiative, festgestellt. Alle seien stolz und voller Tatendrang.

„Lecker“: Köchin Monika Tyzak hat Wirsing mit Hackfleischbällchen zubereitet.

„Lecker“: Köchin Monika Tyzak hat Wirsing mit Hackfleischbällchen zubereitet. Foto: Jürgen Drüke

Sechs Erzieherinnen, eine Berufspraktikantin sowie durchschnittlich ein bis drei Praktikantinnen betreuen aktuell 31 Kinder im Alter zwischen vier Monaten und sechs Jahren. Wickeln, spielen, lernen, basteln, gemeinsam die Mahlzeiten einnehmen, Spaß haben und bei schönem Wetter nach draußen gehen – die Kita Regenbogen wartet mit einem Rundum-Verwöhnprogramm auf. Zwar sei der Regelbetrieb nun im Lockdown noch eingeschränkt, doch alle seien froh, dass sie wieder da sein dürften. „Wir sind wie eine große Familie“, betont Katharina Vieth. Seit 18 Jahren ist sie im „Regenbogen“ Erzieherin. „Eigentlich wollte ich die Leitung gar nicht übernehmen, denn jetzt kann ich nicht mehr so oft in den Gruppen sein. Alle gemeinsam haben mich überzeugt“, stellt die Pädagogin heraus.

Hanna und Henri übergeben den Blumenstrauß für die neue Leiterin Katharina Vieth. Für den Vorstand freuen sich Celestine Röske (links) und Christina Mamojka.

Hanna und Henri übergeben den Blumenstrauß für die neue Leiterin Katharina Vieth. Für den Vorstand freuen sich Celestine Röske (links) und Christina Mamojka. Foto: Jürgen Drüke

„Offiziell ist Katharina Vieth ab kommendem Montag unsere neue Leiterin. Wir wollten sie bei diesem schönen Wetter bereits vorher überraschen“, berichtet Celestine Röske, Vize-Vorsitzende des Vereins Elterninitiative Kindertagesstätte Regenbogen. Vorsitzende Christina Mamojka ergänzt: „Wir haben eine Leiterin, die motiviert, innovativ und eine Teamplayerin ist.“ Eine Kita-App, ein Qualitäts-Handbuch sowie die Auszeichnung „Kita mit Biss“ seien dabei unter anderem tragende Begriffe.

Kids spielen in der Kita Regenbogen draußen.

Kids spielen in der Kita Regenbogen draußen. Foto: Jürgen Drüke

Inzwischen ist es an diesem Donnerstag 13 Uhr: „Mittag. Es gibt Wirsing mit Hackfleisch“. Monika Tyzak, die Köchin in der Kita Regenbogen, hat ein leckeres Menü zubereitet. Auf Abstand und in Gruppen freuen sich die Kinder auf das Mittagessen. „Endlich wieder Hackfleischbällchen“, ruft der sechsjährige Henri über den Flur. Die neue Leiterin hat einen tollen Vormittag erlebt und weiß: „Die Kinder haben es verdient, dass sie wieder in die Kita gehen dürfen.“

Ein Kommentar von Jürgen Drüke

Alle Kinder dürfen in Nordrhein-Westfalen seit vergangenem Montag wieder in die Kita gebracht werden. Viele Familien sind im zweiten Lockdown an ihre Grenzen geführt worden. Mehr als zwei Monate sind seit einem entsprechenden Appell von NRW-Familienminister Joachim Stamp vergangen. Zwei Drittel der Eltern folgten der Empfehlung des Ministers. Deshalb wurde im zweiten Lockdown deutlich, welch großer Beitrag für die Gesellschaft in den Kindertagesstätten tagtäglich geleistet wird.

Die Corona-Pandemie wirkt auch bei der Kinderbetreuung wie ein Brennglas. Es wurde verschärft deutlich, wie sehr die Erzieherinnen und Erzieher den Kleinsten und den Eltern gefehlt haben. Es spiegelte sich wider, wie wichtig und unentbehrlich sie sind.

Das Beispiel der Kita „Regenbogen“ in Höxter zeigt, die Ärmel werden auch in schwierigsten Zeiten hochgekrempelt. Ideen und Konzepte werden mitten in der Pandemie geboren. Die Kinder sind in guten Händen. Der Dank dafür kann nicht groß genug sein.

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