Bund hält trotz Demonstration an Plan für Zwischenlager für radioaktive Abfälle beim früheren Kraftwerk fest
Weiter Streit um Atomlager in Würgassen

Würgassen (dpa/WB/hai) -

Die Planungen für ein Zwischenlager für radioaktive Abfälle in Würgassen im Dreiländereck von NRW, Niedersachsen und Hessen gehen trotz erheblicher behördlicher Bedenken weiter.

Sonntag, 07.03.2021, 20:02 Uhr aktualisiert: 07.03.2021, 20:30 Uhr
Klaus Meyer, seine Frau und sein Sohn gehörten am Sonntag zu den rund 400 Demonstranten vor dem ehemaligen KKW Würgassen. Sie wollen verhindern, dass auf dem Areal ein Lager für Abfälle aus Nuklearbetrieben gebaut wird.
Klaus Meyer, seine Frau und sein Sohn gehörten am Sonntag zu den rund 400 Demonstranten vor dem ehemaligen KKW Würgassen. Sie wollen verhindern, dass auf dem Areal ein Lager für Abfälle aus Nuklearbetrieben gebaut wird. Foto: Harald Iding

 Man sehe keinen Grund, von dem Vorhaben abzuweichen, sagte jetzt ein Sprecher der Bundesgesellschaft für Zwischenlagerung (BGZ). Die Bezirksregierung Detmold hatte hingegen bereits im November mitgeteilt, dass das von der BGZ angestrebte Lager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle aus ganz Deutschland nicht auf dem Gelände des stillgelegten Kraftwerks errichtet werden könne.

Die BGZ hatte vor einem Jahr einem Jahr angekündigt, auf dem Areal südlich von Höxter und Fürstenberg ein „Logistikzentrum“ errichten zu wollen – ein 325 Meter langes, 125 Meter breites und 16 Meter hohes Gebäude aus Stahlbeton. Schwach- und mittelradioaktive Abfälle sollten dort gesammelt und so zusammengestellt werden, dass man sie danach schnellstmöglich ins Endlager Konrad nach Salzgitter bringen könne.

Am Sonntag demonstrierten rund 400 Bürger friedlich gegen das Vorhaben des BGZ. Sie folgten einer Einladung der Bürgerinitiative „Atomfreies Dreiländereck“, die vor genau einem Jahr ihre Arbeit aufgenommen hatte. Die Initiative will verhindern, dass Würgassen zum bundesweiten Umschlagplatz für solchen Müll wird. Zu den Teilnehmern gehört auch Klaus Meyer: „Ich habe in Atomkraftwerken früher als Leiharbeiter flächendeckend in ganz Deutschland gearbeitet. Dann bin ich schwer an Krebs erkrankt und habe mit der Arbeit aufgehört. Das Bereitstellungslager darf hier nicht gebaut werden!“

Das will auch die Bezirksregierung verhindern. Ihr Argument: Das Areal sei im Regionalplan „als Fläche für Kraftwerke und einschlägige Nebenbetriebe“ ausgewiesen. Eine Nutzung als Lager- und Umschlagplatz für jegliche Abfälle sei nicht zulässig. Ein BGZ-Sprecher erklärte nun: „Wir haben diese rechtliche Würdigung zur Kenntnis genommen.“ Sie habe aber keine Auswirkungen auf die Planungen der BGZ, die als Tochter des Bundesumweltministeriums und im Auftrag des Bundes tätig sei. Er betonte, man sei „im Sinne des Raumordnungsgesetzes privilegiert.“ Es handele sich um ein „gesamtgesellschaftlich wichtiges Vorhaben“ im Zusammenhang mit dem Atomausstieg. Das Stahlbeton-Gebäude soll im Jahr 2027 fertig sein. Mehrere Initiativen hatten vor dem geplanten Lager gewarnt.

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