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Mo., 30.05.2016

Frau meint: »Elektronisches Gezwitscher macht krank« Plastikvögel nerven Nachbarn: Polizisten greifen ein

Hans-Dieter Lücke: Einen Plastikvogel hat die Polizei mitgenommen, diesen hatte er in Reserve.

Hans-Dieter Lücke: Einen Plastikvogel hat die Polizei mitgenommen, diesen hatte er in Reserve. Foto: Schmitz

Von Ingo Schmitz

Marienmünster (WB). Ein jahrelanger Streit zwischen Nachbarn um einen Plastikvogel hat die Polizei im Kreis Höxter auf den Plan gerufen. Sie hat den fleißigen Piepmatz jetzt »zwecks Gefahrenabwehr« sichergestellt.

Doch wie konnte es dazu kommen? Seit vier Jahren dauert nun schon der Streit zwischen Menschen, die vorher mehr als 30 Jahre friedlich nebeneinander gelebt haben.

Vor vier Jahren aber schafften sich Hans-Dieter Lücke und seine Schwester zwei der solarbetriebenen Vögel an, die tagsüber bei jeder Bewegung zwitschern und nachts leuchten. Der Gartenfreund: »Wir fanden das lustig.«

Bewegungsmelder löst Klänge aus

Nachbarin Rita Seck sah das anders: Ihr ging das Geträller gehörig auf die Nerven. Denn sobald sich die Blätter im Baum bewegten, löste der Bewegungsmelder die elektronischen Klänge aus.

»Ich freue mich sehr über echtes Vogelgezwitscher. Aber diesen Piepvogel möchte doch keiner haben. Das geht ohne Pause und ist völlig eintönig«, kritisiert sie die Sangeskünste der Plastikpiepmätze.

Sie habe das Gespräch mit den Vogelfreunden gesucht und sei dort nicht auf Verständnis gestoßen.

Zerstörten Vogel gefunden

Hans-Dieter Lücke und seine Schwester sagten dem WESTFALEN-BLATT: »Wir lassen uns doch nicht vorschreiben, was wir auf unserem Grundstück machen!« Sie hätten mit anderen Nachbarn gesprochen, und von denen habe sich keiner gestört gefühlt.

Einige Zeit später hätten sie im Garten einen zerstörten Vogel gefunden. Sie vermuten eine mutwillige Zerstörung. Doch die Vogelfreunde ließen sich nicht entmutigen und kauften Nachschub. Also zwitscherte es weiter aus dem Baum.

Ordnungsamt blieb untätig

»Erst war es nur ein Vogel, dann waren es mehrere«, sagt Rita Seck. Sie tat sich mit einem ebenfalls genervten Nachbarn zusammen und schaltete das Ordnungsamt der Stadt Marienmünster und den zuständigen Schiedsmann ein. Das alles habe aber nichts gebracht. Das Ordnungsamt habe die Anzeige wegen des singenden Gesellen nicht verfolgt, bestätigt die Polizei.

Schließlich wurde festgelegt, dass der Vogel zwischen 8 und 17 Uhr zu schweigen habe. Daran hätten sich Lückes aber nicht gehalten, sagt Rita Seck.

Buch geführt

Sie hat Buch über das Geträller geführt. In den vergangenen vier Jahren ist das ehemals »super Verhältnis« zwischen Lückes und Rita Seck komplett zerrüttet. »Ich werde von meinen Nachbarn beschimpft. Ich traue mich nicht mehr in meinen Garten zu gehen«, berichtet die Frau. Sie habe Angst und befinde sich in ärztlicher Behandlung.

Am Freitag dann der Einsatz: Zwei Polizisten nahmen den einen Vogel mit, der zuletzt noch im Garten zwitscherte. »Den möchten wir zurückhaben. So lange man uns nicht in den Knast steckt, machen wir weiter«, sagen die Lückes.

Kommentare

Asozial

Wer so auf seinem "Recht" ? beharrt und seine Nachbarschaft tyrannisiert, ist in meinen Augen asozial.
Ich halte soetwas für Ruhestörung und die Justiz hat hier großen Handlungsbedarf.

Die Sorgen möchte ich haben.

Wenn mich das stören würde, dann würde ich den ganzen Tag den Radetzkymarsch im Garten spielen.

Erstaunlich

Das Ordungsamt sieht keinen Anlass zum Einschreiten und eine richterliche Entscheidung gibt es nicht. Welche Gefahr musste die Polizei so drigend abwehren, dass es erforlich war, das Eigentum anderer mitzunehmen? Ich denke in diesem Fall sind noch Fragen offen.

Nerviger Nachbar

Wie kann man nur so stur sein und auf seinem Recht beharren?! Statt sich an echten Vögel zu erfreuen, nervt er die Nachbarschaft! Das würde in unserer Siedlung nie passieren, da nimmt man Rücksicht auf den anderen. Und wenn sich doch mal jemand an etwas stört, kann man immer noch miteinander reden und einen Kompromiss finden.

4 Kommentare

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