Ortrun Humpert züchtet Hunde, die Herden vor Wölfen schützen
Im Herzen ein Schaf

Marienmünster (WB). Ortrun Humpert aus Marienmünster (Kreis Höxter) züchtet nicht nur Schafe, sondern auch Hunde, die Wölfe fernhalten sollen. Sie gehören einer speziellen Rasse an, den Pyrenäenberghunden.

Mittwoch, 15.06.2016, 14:47 Uhr aktualisiert: 15.06.2016, 14:49 Uhr
Tierische Freundschaft: »Die Schafe sind ihre Familie. Herdenschutzhunde empfinden sich als Teil der Herde und sind in ihrem Herzen irgendwie auch ein bisschen Schaf. Und sie passen auf ihre Familie auf«, erklärt Züchterin Ortrun Humpert die Zuneigung der Tiere. Foto: Spieker-Siebrecht
Tierische Freundschaft: »Die Schafe sind ihre Familie. Herdenschutzhunde empfinden sich als Teil der Herde und sind in ihrem Herzen irgendwie auch ein bisschen Schaf. Und sie passen auf ihre Familie auf«, erklärt Züchterin Ortrun Humpert die Zuneigung der Tiere. Foto: Spieker-Siebrecht

Sie sind cremefarben und flauschig, die Nase ist schwarz, der Körper stämmig, der Kopf verhältnismäßig groß: Pyrenäenberghunde haben das typische Aussehen eines freundlichen Familienhunde. Gleich vier von ihnen begrüßen Besucher am geschlossenen Tor am Schafstall der Familie Humpert in Marienmünster-Löwendorf – aufmerksam, voller Wachbereitschaft und so gar nicht mehr knuddelig.

Ortrun Humpert beim Füttern der »Flaschenkinder«. Die Mutterschafe haben ihre Lämmer nicht angenommen oder konnten sie nicht ausreichend ernähren.

Ortrun Humpert beim Füttern der »Flaschenkinder«. Die Mutterschafe haben ihre Lämmer nicht angenommen oder konnten sie nicht ausreichend ernähren. Foto: Spieker-Siebrecht

Unmissverständlich machen sie klar, wer auf welche Seite des Tores gehört. Erst als sich Besitzerin Ortrun Humpert nähert und signalisiert, dass in diesem Fall das Betreten des Grundstücks erlaubt ist, werden die vier Wächter freundlicher. Nach ausgiebigem Wittern lassen sie sich sogar kraulen und laufen dann wieder zu ihren Schafen.

»Ja, das sind ihre Schafe, ihre Familie. Herdenschutzhunde empfinden sich als Teil der Herde und sind in ihrem Herzen irgendwie auch ein bisschen Schaf. Und sie passen auf ihre Familie auf«, erklärt Humpert. In OWL seltener, aber in Gegenden, in den Weidetierhalter seit Jahren mit der Präsenz des Wolfes leben müssen, gehörten Hunde inmitten von Weidetierherden zum Alltag.

Imposantes Äußeres, hohe Wachsamkeit, selbstständige Souveränität

Herdenschutzhunde wurden in den vergangenen Jahrhunderten in unterschiedlichen Regionen Europas gezüchtet, um Nutztiere und Anwesen vor tierischen – und auch menschlichen – Angreifern zu schützen. Die bekanntesten Rassen sind neben dem französischen Pyrenäenberghund der ungarische Kuvasz, der kaukasische Owtscharka, der türkische Kangal oder der italienische Maremmano-Abruzzese.

Ihnen allen gemein sind das imposante Äußere, die hohe Wachsamkeit und selbstständige Souveränität. Sie können stundenlang dösend auf ihrem Beobachtungsposten liegen – um dann bei Gefahr blitzschnell zu reagieren.

Ortrun Humpert und ihr Mann Andreas halten seit 2011 Pyrenäenberghunde, weil damals ein Luchs ihre Herden dezimierte. »Wir haben uns für diese Rasse entschieden, weil sie nicht so aggressiv ist. In unserer Kulturlandschaft muss ein Schutzhund viele unterschiedliche Reize durch Freizeitsportler, Fahrzeuge und Passanten entsprechend einordnen können.«

Nachfrage nach Herdenschutzhunden steigt

Seit der Wolf in Deutschland zurück ist, steigt die Nachfrage nach Herdenschutzhunden. Gute Tiere kosteten 3500, Welpen etwa 1000 Euro. Humpert engagiert sich auch in der Arbeitsgemeinschaft Herdenschutzhunde. »Denn der Einsatz ungeeigneter Hunde kann gefährlich werden. Für Tiere und auch für Menschen.«

Auch sei nicht jeder Schäfer gewillt oder geeignet, mit Herdenschutzhunden zu arbeiten. Deshalb sei die Anschaffung kein Patentrezept. »Und es ist eine finanzielle Belastung. Die Hunde arbeiten in der Regel im Team zu zweit, je nach Gelände und Herdengröße sind mehrere Tiere erforderlich.« Damit werde für manchen Schäfer die Weidehaltung unrentabel.

Dabei sei sie für Naturschutz und Landschaftspflege von großer Bedeutung. »Wenn die Gesellschaft den Wolf will, muss sie auch diese Kosten tragen«, fordert Humpert deshalb. Spaziergänger und Sportler sollten Herdenschutzhunde nicht reizen oder streicheln, im Kontaktfall langsam den Weg zurückgehen, den sie gekommen seien. »Es sind keine Angreifer, aber sie schützen ihre Familie.«

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