Mi., 31.01.2018

Familienbetrieb Münster aus Bredenborn schließt an diesem Mittwoch – geprägt von vier Generationen Bäckertradition endet nach 90 Jahren

Ein letztes Mal erhält der 80-jährige Franz-Josef Löseke an seiner Haustür in Entrup frische Backwaren von Burkhard Münster und seiner Frau Antje. Der Traditionsbetrieb aus Bredenborn schließt heute nach mehr als 90 Jahren.

Ein letztes Mal erhält der 80-jährige Franz-Josef Löseke an seiner Haustür in Entrup frische Backwaren von Burkhard Münster und seiner Frau Antje. Der Traditionsbetrieb aus Bredenborn schließt heute nach mehr als 90 Jahren. Foto: Dennis Pape

Von Dennis Pape

Bredenborn (WB). Eine Ära geht zu Ende – die Bäckerei Münster in Bredenborn schließt an diesem Mittwoch ihre Türen. Für immer. Nach vier Generationen und mehr als 90 Jahren. In der Ortschaft und Umgebung wird vielen nicht nur Qualitätsware aus dem Hause Münster fehlen – sondern auch die netten Gespräche im Laden oder am Verkaufswagen mit Burkhard Münster (45), seiner Frau Antje (41) und den Mitarbeitern.

Dienstag, 13.24 Uhr in Entrup: Ein letztes Mal hält Burkhard Münster mit seinem Verkaufswagen vor der Tür von Franz-Josef Löseke. Der Rentner hat schon auf »seinen« Bäcker gewartet, ein Brot und ein paar frische Brötchen sollen es heute sein – »auch, wenn der Kuchen von Münsters erste Sahne ist«, sagt der 80-Jährige, der ganz genau weiß, wovon er spricht: »Ich kaufe bei den Münsters bereits seit mehr als 30 Jahren Backwaren – damals schon bei Burkhards Vater«, erzählt Löseke. Umsonst gibt es obendrein immer noch den besonderen Service für treue Kunden: ein nettes Gespräch über Politik, Fußball, das Wetter oder das Neueste »vom Dorfe«. »Ich werde sie vermissen«, sagt Löseke und ruft hinter Burkhard Münster hinterher: »Freitag kommste wirklich nicht?« »Nee, Freitag nicht mehr.« Nie mehr.

Viele schöne Begegnungen

Mit Wehmut blickt Burkhard Münster auf eine arbeitsreiche Zeit mit 70 Stunden pro Woche, aber auch vielen schönen Begegnungen. »Ich habe heute auf meiner letzten Tour einige Tränen verdrückt – und einige Kunden ebenso«, sagte er Dienstagabend im Gespräch mit dem WESTFALEN-BLATT: »Auch wenn wir den Betrieb nun einstellen, habe ich im Laufe der Jahre viele Freunde gefunden – das kann mir keiner nehmen, das bleibt für immer.«

Zeiten haben sich geändert

Doch die Ära Münster in Bredenborn ist nun vorbei – denn es ist kein Geheimnis, dass der Überlebenskampf für viele kleine Betriebe in der Region ein besonders schwerer ist. Burkhard Münster erklärt das so: »Die Zeiten haben sich geändert und mit ihnen auch das Konsumverhalten der Menschen. Früher waren die Männer berufstätig und die Frauen zuhause. Sie kamen dann regelmäßig an Münsters Verkaufswagen – heute werden es immer weniger. Außerdem setzen die großen Verbrauchermärkte oft auf Billigwaren.« Bäckermeister Münster hätte jetzt nach eigenem Bekunden etwa 120.000 Euro in einen neuen Ofen sowie ein dringend benötigtes neues Fahrzeug investieren müssen. »Und das hätte sich einfach nicht mehr gelohnt. Unserem Betrieb geht es finanziell gut, aber angesichts des demografischen Wandels hätte sich diese Investition in Zukunft nicht mehr bezahlbar machen können.«

Bäckerei Ende der 1920er Jahre gegründet

Gegründet wurde die Bäckerei in Bredenborn Ende der 1920er Jahre von Burkhard Münsters Urgroßvater Karl Münster, kurz darauf übernahm dessen Sohn Franz. Nachdem dieser im Krieg in Lettland gefallen war, heiratete Burkhard Münsters Oma dessen Stiefopa Karl Bote, der die Bäckerei zunächst übernahm und im Jahr 1963 an Franz-Josef Münster weiter gab – auf seinen Vater folgte Burkhard Münster als neuer Inhaber im Jahr 1999, der zusammen mit seiner Frau Antje die Menschen im Bredenborner Geschäft sowie im Verkaufswagen in Sommersell, Rolfzen, Entrup, Eversen, Nieheim, Born, Münsterbrock, Steinheim, Vinsebeck, Ottenhausen und Bergheim mit frischen Backwaren versorgte. Geschätzt wurde auch das handwerkliche Geschick der beiden Gesellen sowie das nette Verkaufspersonal – sie haben alle bereits neue Arbeit gefunden.

Neues Kapitel

Dass Münsters in den vergangenen mehr als 90 Jahren vieles richtig gemacht haben, beweist die Reaktion vieler Bredenborner auf die Schließung der Bäckerei. Im Internet bedauern sie, dass »ihr« Frischebäcker nur noch an diesem Mittwoch ein letztes Mal bis 18 Uhr geöffnet hat, außerdem sind bereits viele Abschiedsgeschenke in der Höxterstraße 11 eingetrudelt. »Viele erinnern sich auch noch an die Zeiten, als die Bredenborner ihr Brot noch in einem Buch anschreiben lassen haben und dies mit ihrem von der Nieheimer Mühle Stiewe gemahlenen Korn gegengerechnet wurde – es hat sich einiges geändert mit den Jahren«, sagt Bredenborns Ortsheimatpfleger Josef Grabbe. Die Zeiten geändert haben sich auch für Burkhard Münster: Bis 18 Uhr ist sein Laden diesen Mittwoch ein letztes Mal geöffnet, um 22.30 Uhr tritt er seine erste Schicht als Bäcker in Kromes Backstube – einem weiteren Bredenborner Traditionsbetrieb – an. »Meine Frau hat mich immer unterstützt und mir den Rücken gestärkt. Jetzt schlagen wir ein neues Kapitel auf und freuen uns darauf, etwas mehr Zeit zu haben. Dennoch werden wir vieles sehr vermissen«, so Burkhard Münster.

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