Sa., 16.06.2018

WM-Fieber in Höxter: Die interessantesten Fußball-Momente der WESTFALEN-BLATT-Mannschaft »Deutschland wird Weltmeister«

Fußball-WM-Fieber auch in der WESTFALEN-BLATT-Redaktion in Höxter. Über ihre interessantesten WM-Momente berichten (1. Reihe von links) Dennis Pape, Sabine Robrecht, Sarah Schünemann, Isabell Waschkies, Jürgen Drüke sowie hinten (von links) Michael Robrecht und Timo Gemmeke.

Fußball-WM-Fieber auch in der WESTFALEN-BLATT-Redaktion in Höxter. Über ihre interessantesten WM-Momente berichten (1. Reihe von links) Dennis Pape, Sabine Robrecht, Sarah Schünemann, Isabell Waschkies, Jürgen Drüke sowie hinten (von links) Michael Robrecht und Timo Gemmeke. Foto: Harald Iding

Höxter (WB). Die Vorfreude steigt: Ganz Fußball-Deutschland schaut an diesem Sonntag gespannt nach Moskau, wenn die deutsche Nationalmannschaft ab 17 Uhr ihr erstes Weltmeisterschafts-Gruppenspiel gegen Mexiko bestreitet. Die WB-Redaktion erinnert sich aus diesem Anlass an ihre schönsten WM-Geschichten und wagt eine Prognose für das Turnier in Russland.

Taschentuch vom Italiener

Seit dem Heimturnier im Jahr 2006 lehne ich mich nicht mehr ganz so weit aus dem Fenster – und das hat einen Grund: Vor dem Halbfinale zwischen der Klinsmann-Elf und den Italienern habe ich meinem Lieblingsitaliener Toni in Bad Driburg ein Taschentuch mit den Worten »Das kannst Du später gut gebrauchen« überreicht. Na ja, mein Plan ist nicht so ganz aufgegangen: 119. Minute Fabio Grosso und 120. Alessandro Del Piero – der Rest ist Geschichte. Toni hat mir später das Taschentuch zurückgegeben – und ich will ehrlich sein – ich habe es damals auch gebraucht. Dass Fußball auch verbindet, hat sich kurz darauf einmal mehr bewiesen. Denn statt wochenlang auf meiner Schmach herumzureiten, hat Toni mich und zwei Freunde zum Finale in sein Restaurant eingeladen – die Rechnung ging aufs Haus und nach ihrem WM-Sieg feierten die Italiener mit uns gemeinsam hinter verschlossenen Türen. Selbstverständlich hätte ich in dieser Nacht auf dem kleinen Fernseher in der Pizzeria lieber Michael Ballack mit dem WM-Pokal gesehen als Fabio Cannavaro – doch die italienische Freundlichkeit ist mir bis heute in Erinnerung geblieben. In diesem Jahr darf mein Freund aus der Pizzeria getrost den Deutschen die Daumen drücken – denn Italien ist ja gar nicht dabei (sorry Toni). Zu den Favoriten zählen für mich die talentierten Franzosen, technisch versierte Spanier sowie offensivstarke Brasilianer und unbekümmerte Belgier. Weltmeister wird am Ende dennoch Deutschland! Warum? Weil wir als einziger Titelaspirant keinen Megastar wie Griezmann, Neymar, Ronaldo oder Messi haben – das Team ist der Star. Angesichts seines unspektakulären aber immens effektiven Spiels ist Toni Kroos aber mein Schlüsselspieler in diesem starken Kollektiv. Er ist keiner dieser Fußball-Popstars, wirkt aber mit 28 Jahren erwachsener und reifer denn je – auf dem Platz ebenso wie am Mikrofon. Er ist bereit, unsere Mannschaft zum Titel zu tragen. Dennis Pape

Fake News aus Brasilien?

Mir machen die WM-Festspiele in privater Runde, beim Public Viewing oder auch im Zelt beim Schützenfest viel Spaß. Allein wegen der vielen witzigen Kommentare der Mitfiebernden lohnt sich das Dabeisein. Unvergessen ist das WM-Halbfinale zwischen Brasilien und Deutschland 2014. Ich befand mich zufällig nach dem 1:0 für Deutschland ab Minute 22 des Spiels dort, wohin auch der Kaiser zu Fuß geht, und kam erst in der 30. Minute wieder ins schwarz-rot-gold dekorierte Wohnzimmer von Freunden in Höxter. Binnen sieben Minuten hatte sich Fußballgeschichte ereignet – 5:0. Ich hielt das für eine Technikpanne des Senders und lästerte los über Fake News. Dabei hatten tatsächlich zwischenzeitlich Miro Klose, Toni Kroos und Sami Khedira auf 5:0 erhöht. Ich wollte das nicht glauben, bis mich der große Taumel und die Wahrheitsbeteuerungen der Freunde überzeugten. Ein unvergessener Fußballmoment. Mein Tipp für die WM 2018: Deutschland verteidigt in Russland den WM-Titel. Wir haben auch dieses Jahr wieder eine Top-Truppe. Michael Robrecht

Märchen im Kreißsaal

Während am 4. Juli 2006 aus den Kehlen unserer Elf in Dortmund die Nationalhymne erklang, erwartete ich nicht die WM-Halbfinal-Partie gegen Italien, sondern mein Kind. Nach zwölf Stunden Wehen kam es dem Anpfiff zwei Minuten zuvor und erblickte um 20.58 Uhr fit wie ein Turnschuh das Licht der Welt. Mein persönliches Sommermärchen spielte also in keinem Stadion, sondern im Kreißsaal des St.-Ansgar-Krankenhauses Höxter. Dort verbrachten meine Caroline, mein Mann und ich fernab von jeder Fußball-Dramatik unsere ersten gemeinsamen Glücksmomente. Jede Fußball-WM erfüllt mich mit dieser Glückseligkeit – und lässt das heute fast zwölfjährige Mädchen vor meinem geistigen Auge wieder ganz klein erscheinen. Die Geschichte ihrer Geburt werde ich ihr im Laufe der WM zum gefühlt hundertsten Mal erzählen... und immer wieder mit Tränen in den Augen. Sabine Robrecht

Langes WM-Nickerchen 1990

Das Finale 1990, die WM-Party und der verschlafene Arbeitstag danach sorgen in meinem Freundeskreis selbst nach 28 Jahren immer noch für sehr viel Heiterkeit. Am Sonntagabend des 8. Juli 1990 erreichten Stimmung und Jubel bei etwa 50 Fußballfans in der Gastwirtschaft Struck in Brenkhausen um kurz vor 22.30 Uhr ihren Höhepunkt. Ein verwandelter Foulelfmeter von Andreas Brehme hatte Deutschland in Italien zum 1:0-Sieg gegen Argentinien und zum WM-Titel geführt. Die Emotionen, der Stolz und die Freudentränen – für mich bleibt die Nacht bei Strucks unvergessen. Die Party dauerte bis um ­etwa 5 Uhr morgens. Für mich ging es sofort weiter nach Erfurt, dort befand ich mich in der Ausbildung. Bei Kassel legte ich mit meinem VW-Käfer eine Pause für ein Nickerchen ein. Das Nickerchen dauerte acht Stunden. Um 15 Uhr wachte ich auf. Der Arbeitstag war gelaufen... Jürgen Drüke

Emotionale Ausbrüche

Beim Fußball kann ich mich trotz Mitfieberns meist in meinen Bemerkungen zurückhalten. Wenn es gegen Ende eng wird, kann ich aber auch laut werden. Das klingt nach guter Zuschauermanier vom Amateurplatz dann so: »Ach, das war doch kein Foul«, »Warum geht denn da keiner hin?« oder »Der hat doch schon Gelb«. Leute, die mich nicht gut kennen, rechnen mit solch emotionalen Ausbrüchen nicht, weshalb ich beim Public Viewing häufig weitaufgerissene Augen und entsetzte Minen auf mich gezogen habe. Dann schiebe ich meist ein »Ja, was denn? Ist doch wahr« dahinter, um die Stille zu durchbrechen. Sarah Schünemann

Große Liebe

Achtung, kitschig! Nicht nur, weil Deutschland bei der Weltmeisterschaft 2006 das Spiel um Platz drei gewonnen hatte, ist es mein persönliches Sommermärchen. Während überall im Land große Euphorie herrschte, lernte ich meinen heutigen Ehemann kennen. Zugegeben, auch wenn ich vor ihm und unseren Freunden vorgab, unsere Mannschaft mit großem Interesse und Fachwissen zu verfolgen, hatte ich eigentlich nur Augen für einen Mann. Da war es dann auch nicht so schlimm, dass wir den goldenen Pokal den Italienern überlassen mussten. Isabell Waschkies

Der Traum ist aus

WM 2006, Halbfinale gegen Italien: Ich, damals auf dem Höhepunkt meiner Fankarriere, fieberte dem Sieg der Nationalmannschaft im Türkei-Urlaub entgegen. Große Leinwand, viele Fans, super Stimmung – vorerst. Als bis zur 90. Minute kein Ball im Netz landete, flaute die Euphorie ab. So sehr, dass mein achtjähriges Ich das Public Viewing zum One-Man-Viewing vor dem Fernseher im Hotelbett machte und den ganzen Krimi friedlich verschlief. Böses Erwachen... Timo Gemmeke

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