Fr., 06.07.2018

2900 Mitglieder bei der Volksbank-Versammlung – »Sonderinventur« trifft Humor der Zuschauer Rekordpublikum kommt, um »Storno« zu sehen

Von Sarah Schünemann

Höxter (WB). Die Volksbank hat das bekannte Kabarett-Trio »Storno« für ihre Mitgliederversammlung in Höxter gewinnen können. Mit 2900 Gästen war die »Schwitzhütte«, wie Thomas Philipzen das Klima treffend bezeichnete, voll besetzt, sodass noch ein zweites Zelt über einen Live-Stream das Bühnenprogramm übertrug.

Dass »Storno« sehr bekannt und äußerst beliebt ist, stellte schon Bernd Seibert, Aufsichtsratsvorsitzender der Volksbank, zu Beginn fest. »Heute sind 2900 Mitglieder zu unserer Versammlung gekommen – das ist ein neuer Rekord. Aber wenn ich ehrlich bin, habe ich das bei einer Storno-Vorführung auch erwartet«, leitete er den Abend ein. Durch die vielen Gäste mussten die Organisatoren zügig noch ein zweites Zelt organisieren, in dem das Programm über einen Bildschirm zu sehen war – und das war mit »Storno« wie immer politische Satire auf hohem Niveau.

Als gebürtiger Ostwestfale ließ Thomas Philipzen es sich nicht nehmen, das Publikum in Höxter selber zu begrüßen – und zwar wortwörtlich, denn der Kabarettist, der in Bad Driburg geboren wurde, ging auf die Leute zu und gab ihnen die Hand. Bei »Jörg aus Drenke« schaute Philipzen verdutzt: »Echt? Das gibt’s immer noch?«, gab er sich überrascht und ging wieder auf die Bühne. Auf dem Weg sprach er von verrückten Zeiten, die wir momentan hätten. »Aber wenn die Logik tot über’m Zaun hängt, was macht das mit der Demokratie?«, fragte er. Da stieg Harald Funke gestikulierend ins Gespräch ein und redete über die Bedrohung durch Trump, den »Mann mit dem toten Opposum auf dem Kopf«.

»Ich finde, wir sollten die Monarchie einführen. Mein Sohn ist jetzt 14 Jahre, der kennt nur Merkel. Der würde das ohne sie gar nicht verkraften«, betonte er melodramatisch, kam im Gespräch mit Philipzen aber zu dem Konsens, dass das wahrscheinlich nicht nötig sein wird. »Die Angi ist zäh, die wartet lieber bis die Leichen vorbeischwimmen.« Neben der CSU, die »in manchen bayrischen Gemeinden mehr Stimmen als Einwohner hat«, bekamen auch die Grünen ihre Quittung. »Früher waren die wenigstens innovativ. Immer wenn einer etwas bauen wollte, haben die sich ein neues Tier ausgedacht, das da wohnt«, lobte Philipzen.

Jochen Rüther kam dazu und resümierte, dass die CSU ein reines »Intrigantenstadl« sei. Funke meinte, die hätten alle bloß Angst vor der AfD, und Philipzen wusste auch warum: »Die provozieren und dann leugnen sie, dass sie es waren. Frei nach dem Motto: Wer im Fahrstuhl furzt, bestimmt das Klima.« Rüther ermahnte alle, bei der nächsten Wahl das Programm zu lesen. Darin stehe, dass nicht therapierbare Alkoholiker ins Gefängnis sollen. »Dann findet das nächste Höxteraner Schützenfest in der JVA statt«, scherzte er. Auch das Familienbild der AfD war Thema. Ohne Mutti gehe gar nichts, meinte Funke, der von Philipzen unterbrochen wurde. »Doch klar, wie bei Bonanza! Da steht doch der Chinese in der Küche«, gab er seinen Einfall Preis. Funke machte daraus eine ganzheitliche Lösung: »Natürlich! Chinesen statt Muttis. Das ist die Idee! Pah, Pflegemangel. Von denen gibt es so viele, da können wir ein paar importieren.«

Nach einer A-Capella-Einlage, ging es um das Thema Flüchtlinge. Rüther erklärte, veranschaulicht durch den »Homo sapiens Funke« und den »Homo neandertalensis Philipzen«, den man noch heute an Stränden des Ballermanns finden kann, dass wir alle schon immer durch Klimawandel geflüchtet sind. »Diese Aussagen: ›Mit fremden Kulturen komme ich nicht klar.‹ Das ist doch Tinnef! Man muss nur wollen«, stellte Philipzen klar und leitete das Thema WM ein, da funktioniere das schließlich mit dem gemeinsamen Feiern. »Naja, in Russland haben wir Deutsche uns aber auch gefragt, ob man boykottieren muss. Und, ja, das haben wir haben jetzt auch irgendwie gemacht«, sagte Funke verlegen. Philipzen schwärmte trotzdem von Bundestrainer Joachim Löw. »Ich mag den. Der steht immer auf, wenn die Mannschaft in Not ist, also bei dieser WM immer, und marschiert als wollte er bei ›Germanys next Topmodel‹ gewinnen.«

Auch um das Thema Digitalisierung kam »Storno« nicht umher. Es ging um Roboter-Fußball-WM, heiratsfähige Androiden und selbstparkenden Autos. »Ich war letztens mit einem hochtechnischen Wagen unterwegs. Und dann hat der eingeparkt, ganz ohne mich. Ich hatte nicht mal die Hände am Steuer«, erzählte Funke aufgeregt. Das sei ja nichts Neues, entgegnete Rüther. »Ja, aber ich wollte gar nicht parken! Ich war auf der Autobahn«, sagte Funke. Und wie teuer alles geworden sei, meinte er und berichtete von den Raststätten-Toiletten und wie er sich jedes Mal vornimmt, mit dem Bon Schokolade zu kaufen, es aber jedes Mal vergesse. »Ich hab einen Riesenstapel Zuhause. Das ist meine Altersvorsorge«, sagte er.

Zum Abschluss packte «Storno« noch einmal sein gesamtes musikalisches Talent aus. Funke schmetterte, an der Gitarre von Philpzen und am Akkordeon von Rüther begleitet, »Inkognito« zu der bekannten Sommermelodie »Despacito« von Sänger Luis Fonsi, der alle zum Mitklatschen animierte. Textlich bezog sich »Inkognito« auf heimliche Machenschaften und Korruption in der Politik. Unter großem Beifall verließen die drei Kabarettisten am Ende die Bühne – eine absolut gelungene »Sonderinventur«.

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