Do., 06.09.2018

Pilotprojekt senkt die Wartezeiten am Telefon Schneller Draht zum Notdienst

Matthias Kämpfer (rechts), Leiter des Fachbereichs Öffentliche Sicherheit und Straßenverkehr beim Kreis Höxter, tauscht sich regelmäßig in der Leitstelle des Kreises unter anderem mit Elmar Benning aus. Auch mit dem Pilotprojekt ist er zufrieden.

Matthias Kämpfer (rechts), Leiter des Fachbereichs Öffentliche Sicherheit und Straßenverkehr beim Kreis Höxter, tauscht sich regelmäßig in der Leitstelle des Kreises unter anderem mit Elmar Benning aus. Auch mit dem Pilotprojekt ist er zufrieden. Foto: Frank Spiegel

Von Ingo Schmitz und Dennis Pape

Höxter/Brakel/Warburg (WB). Am Wochenende zum Arzt? Im Kreis Höxter kein Problem! Dafür gibt es den ärztlichen Notfalldienst, der unter der Rufnummer 116 117 zu erreichen ist. Der Service funktioniert seit Juli deutlich schneller und kompetenter, wie eine erste Zwischenbilanz zeigt.

»Wir betreiben ein wöchentliches Monitoring – und es läuft wirklich hervorragend. Wartezeiten und Reaktionszeiten sind deutlich kürzer geworden«, betont Matthias Kämpfer, Fachbereichsleiter Öffentliche Sicherheit des Kreises Höxter. Hintergrund ist ein dreijähriges Pilotprojekt, an dem sich die Kreise Höxter, Paderborn und Lippe beteiligen. Bislang wurden die Anrufer der ärztlichen Notdienstnummer 116 117 von Mitarbeitern eines Callcenters in Duisburg betreut.

Wartezeit im Durchschnitt nur wenige Sekunden

Seit Juli übernehmen diesen Job für die 810.000 Menschen in den drei beteiligten Kreisen ausgebildete Disponenten der Rettungsleitstelle Lemgo – mit Erfolg. Die Wartezeiten in der Leitung haben sich deutlich reduziert, berichtet auch Dr. Ulrich Polenz aus Paderborn, der die Bezirksstelle der Kassenärztlichen Vereinigung leitet. Wer bislang über die Nummer in Duisburg landete, musste durchschnittlich zwei bis drei Minuten warten, bis er einen Ansprechpartner am Telefon hatte. Die Mitarbeiter der Leitstelle Lemgo sind da zügiger unterwegs: Die bislang 4700 Anrufer warteten durchschnittlich 20 Sekunden, bis sie einen Gesprächspartner hatten.

Polenz ist begeistert von dem eindeutigen Ergebnis. »Damit habe ich nicht gerechnet«, sagt er. Und auch Matthias Kämpfer stellt fest: »Die eigentlich üblichen Kinderkrankheiten bei einem neuen Projekt sind ausgeblieben. Alle Räder greifen ineinander.« Noch größer ist der Unterschied, wenn es um die maximale Wartezeit geht.

Ortskenntnisse der Mitarbeiter helfen bei Organisation

In Duisburg müssen Anrufer bis zu 40 Minuten warten, bis ihnen geholfen wird. Die längste Wartezeit in Lemgo betrug bislang acht Minuten. »Das ist aber die Ausnahme«, sagt Polenz. Auch bei der Abwicklung der Gespräche sind die Lemgoer Disponenten schneller. Hier dauert das durchschnittliche Gespräch zweieinhalb Minuten. Durch die Ortskenntnisse der Mitarbeiter lassen sich die Fahrdienste zudem besser organisieren, weil aktuelle Umleitungen und Sperrungen bekannt sind.

Bei den 800 Anrufen pro Woche kam es in 210 Fällen dazu, dass der ärztliche Bereitschaftsdienst zu einem Hausbesuch ausrückte. In 55 weiteren Fällen pro Woche fuhr nach entsprechender Abwägung nicht der notdiensthabende Hausarzt, sondern der Rettungswagen los. In nur durchschnittlich 27 Fällen pro Woche wurde aus einem gemeldeten Notfall über die »112« ein Fall für den notdiensthabenden Hausarzt. »Ich hatte eine höhere Zahl erwartet«, meint Polenz. Das Ergebnis spreche für die gute Ausbildung der Disponenten.

Gute Ergebnisse festigen

Der Mediziner hofft, dass die ersten positiven Ergebnisse sich über die Laufzeit von drei Jahren weiter verfestigen und danach aus dem Pilotprojekt ein Normalzustand wird. Künftig werden nicht nur Disponenten in Lemgo, sondern auch in Paderborn sitzen. Dafür müsse aber die Technik in der Leitstelle angepasst werden.

Dies ist ebenfalls im Kreis Höxter der Fall. »Ob die Kreisleitstelle in Brakel in diesen drei Jahren zum Zuge kommt, steht noch in den Sternen«, erläutert Kämpfer. Die Leitstelle werde jedoch ab Herbst baulich erweitert, um zusätzliche Abfrageplätze einzurichten. »Wenn wir dann irgendwann vielleicht die 116 117 im Kreis Höxter übernehmen, haben wir auch die Kapazitäten dafür.«

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