Di., 11.09.2018

Gelungene Aktion »Kirche im Kreis Höxter zeigt Gesicht gegen rechts« »Wir stehen für Mitmenschlichkeit«

Gemeindereferent Daniel Feldmann hat mit Kreide die Hashtags #hetzefrei und #wirsindmehr auf das Pflaster des Kirchplatzes in der Südstadt geschrieben.

Gemeindereferent Daniel Feldmann hat mit Kreide die Hashtags #hetzefrei und #wirsindmehr auf das Pflaster des Kirchplatzes in der Südstadt geschrieben.

Von Jürgen Köster

Bad Driburg (WB). »Mit ewig gestrigen Positionen lässt sich nichts anfangen außer Mauern zu bauen.« Eine ähnliche Meinung wie Franz Henneken (52) haben wohl alle etwa 300 Teilnehmer der Aktion »Wir sind mehr – Kirche im Kreis Höxter zeigt Gesicht gegen rechts«.

Die Hashtags #hetzefrei und #wirsindmehr hat Daniel Feldmann mit Kreide auf das Pflaster vor der Südstadtkirche geschrieben. Er zählt zu den Gemeindereferenten im Kreis Höxter, die die Aktion bei ihrer jüngsten Konferenz auf den Weg gebracht haben. Feldmann ist mit der Resonanz ebenso zufrieden wie Bad Driburgs Pfarrer Hubertus Rath, zugleich stellvertretender Dechant des Dekanates Höxter. »Zuhörer hat man häufig. Wichtig ist aber, dass man sich auch austauscht«, beschreibt der Geistliche den Hintergrund der Aktion.

Und so fordert er die Anwesenden dazu auf, Kleingruppen zu bilden, in denen jeder seine Meinung sagen kann und wo diskutiert werden soll.

Handyfotos

Anschließend sollen noch Handyfotos der Gruppen gemacht werden, um diese unter dem Hashtag #wirsindmehr ins Internet zu stellen . Der Aufforderung des Bad Driburger Pfarrers kommen die Teilnehmer der Aktion in reichlichem Maße nach.

»Man muss in der Region, aber auch darüber hinaus, einfach ein Zeichen setzen«, sagen Peter (46) und Anke (45) Söthe. Der Reelsener hat sich in der Dekanatsjugendarbeit engagiert und hat als Sozialarbeiter auch beruflich mit der Thematik zu tun. Die Vorgänge in Chemnitz oder auch die Straßenschmiererei zwischen Altenbeken und Langeland findet er unsäglich. Auf die Landstraße hatten Unbekannte ein großes Hakenkreuz aufgebracht.

Eine Heimat finden

Barbara Altemeier (52) ist aus Scherfede nach Bad Driburg gekommen. »Es ist ganz wichtig, den Menschen, die aus schwierigen Situationen zu uns gekommen sind, zu sagen, dass sie bei uns willkommen sind und eine Heimat finden können«, sagt sie.

Dagmar Feldmann (54) ist der Auffassung, die Aktion mache auch deutlich, »dass wir auf dem richtigen Weg sind.« »Es ist wichtig, sich in dieser Hinsicht auch gegenseitig zu ermutigen und den Menschen, die zu uns kommen, zu sagen, dass sie keine Angst zu haben brauchen. Ich glaube vielmehr, dass Zuwanderer eine Bereicherung für uns sein können.«

Fürchterliches Unrecht

Auch die frühere Gemeindereferentin Bilinda Jungblut (71) nimmt an der Aktion teil. Sie engagiert sich seit Jahrzehnten in der Flüchtlingsarbeit. »Zwischen 1933 und 1948 haben die Menschen fürchterliches Unrecht getan. Diese Zeiten wollen wir nie wieder haben. Wenn wir jetzt nicht den Mund aufmachen, wann dann?«, sagt die Bad Driburgerin. Kirche habe auch in dieser Hinsicht eine Verantwortung.

»Wir stehen für Mitmenschlichkeit. Und es ist eine gute Idee, dies in dieser Form in die Öffentlichkeit zu tragen«, sagt Iris Battenfeld (48). Die evangelische Pastorin war gerade erst aus dem Urlaub gekommen, als sie von den Schmierereien auf der Straße zwischen Langeland und Altenbeken erfuhr. »Das geht gar nicht«, so Battenfeld. Sie habe sich bemüht, die Aktion vor der Südstadtkirche so schnell und umfänglich wie möglich bekannt zu machen.

Volker Walle (52), ihr Amtskollege aus Brakel, ist ähnlicher Auffassung: »Vor allem als Christen sind wir nach Chemnitz aufgerufen, Zeichen zu setzen. Es geht um mehr als das Thema Migration. Wir müssen uns auch fragen, welches demokratische Selbstverständnis wir haben.«

Jugendverbände beteiligt

Pfarrer Rath (56) freut sich, dass es gelungen ist, die Idee der Hauptamtlichen, sich zu positionieren, schnell weiter zu entwickeln. Die Hauptamtlichen der evangelischen Kirchengemeinden seien sofort bereit gewesen, sich zu beteiligen, ebenso die Jugendverbände des Dekanates. Rath: »Kirche muss nicht nur sagen, wogegen sie ist, sondern auch, wofür sie steht. Das ist ganz wichtig. Und das ist heute gelungen.«

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