Do., 13.09.2018

Projekt Biodiversität Marienmünster in Vörden vorgestellt Gemeinsam für mehr Artenvielfalt

Wollen gemeinsam mehr für die Artenvielfalt in Marienmünster erreichen (von links): Die Landwirte Hermann Müller, Hubert Reichling, Christian Nutt, Florian Potthast, Kreislandwirt Heinrich Gabriel und Kreisverbandsvorsitzender Antonius Tillmann.

Wollen gemeinsam mehr für die Artenvielfalt in Marienmünster erreichen (von links): Die Landwirte Hermann Müller, Hubert Reichling, Christian Nutt, Florian Potthast, Kreislandwirt Heinrich Gabriel und Kreisverbandsvorsitzender Antonius Tillmann. Foto: Heinz Wilfert

Von Heinz Wilfert

Marienmünster-Vörden (WB). Landwirte aus dem Stadtgebiet Marienmünster zusammen mit dem landwirtschaftlichen Kreisverband, der Stadt Marienmünster und der Landwirtschaftskammer haben sich mit dem Projekt Biodiversität mehr Artenvielfalt auf ihre Fahnen geschrieben. In Vörden sind jetzt die ersten Ergebnisse vorgestellt worden.

»Unterstützt durch die Hochschule Ostwestfalen-Lippe und den Kreis Höxter verfolgen wir das Ziel, vernetzte und für die Biodiversität wirksame Strukturen in der Agrarlandschaft zu erhalten und aufzubauen«, betonte der Kreisvorsitzende Antonius Tillmann in seiner Begrüßung.

Maßnahmen mit Landwirten und Studierenden aufgearbeitet

In Workshops und Runden-Tisch-Gesprächen haben Landwirte und die Studierenden in den zurückliegenden anderthalb Jahren Maßnahmen zur Verbesserung des Artenreichtums diskutiert. »Dabei musste man nicht bei Null beginnen«, so der Kreisvorsitzende Antonius Tillmann, der sich dazu bekannte, die Artenvielfalt zu bewahren.

Dass dafür die Landwirte sensibilisiert seien, zeige sich in Marienmünster, wo bereits mehr als 25 Kilometer Blüh- und Uferrandstreifen angelegt sind. Dietmar Hupe (Landwirtschaftskammer) machte auf das beängstigende und rasante Tempo des Artensterbens aufmerksam, weshalb die Unterstützung der Artenvielfalt auf vielen Ebenen erfolgen müsse.

Pilotprojekt soll biologische Vielfalt erhalten

Unter anderem durch Vermittlung an den Fachschulen, durch Einrichtung von Leitbetrieben Biodiversität, durch Beratung, durch Umsetzung des Greenings und runde Tische in den Kreisen. Die Bundesregierung verabschiedete dazu schon 2007 die nationale Biodiversitätsstrategie, um den Rückgang der biologischen Vielfalt aufzuhalten.

Hupe wies darauf hin, dass die Umsetzung eine große Zukunftsherausforderung sei, die grundsätzlich freiwillig erfolge, zum Betriebsablauf passen müsse und mit Unterstützung der Vertragspartner rechnen könne. Ziel des Pilotprojektes ist die gemeinsame Entwicklung von konkreten Maßnahmen, die zum Erhalt in der Förderung der biologischen Vielfalt beitragen. Es beinhaltet die Vernetzung von Lebensräumen in der Agrarlandschaft, ein gezieltes Monitoring zur Überprüfung des Erfolgs unter Einbeziehung aller Beteiligten zur nachhaltigen Förderung der Biodiversität.

Baukastensystem bietet Orientierung

Die Aufgabe der Studierenden des Fachbereichs Landschaftsökologie und Naturschutz bestand im Rahmen der praxisnahen Ausbildung zwei Semester lang darin, Arten zu identifizieren, die gefördert werden können und Gebiete festzulegen, wo sie vorkommen.

Aus dieser Analyse ist ein Baukastensystem entstanden, an dem sich die Landwirte bei der Anlage von Randstreifen oder Stilllegungsflächen orientieren können. »Naturschutz und landwirtschaftliche Nutzung stellen keine Gegensätze dar«, so die Studenten, die in einer Handlungsempfehlung für ein Flächenkataster warben, weil die ökologische Wirksamkeit solcher Streifen besonders groß sei, wenn man sie verbinde. In Kooperation mit den Landwirten erarbeiten die Studenten über die nächsten Jahre ein Konzept für den Biotopverbund. Runde Tische sollen für eine breite Beteiligung am Prozess sorgen.

Jeder muss sich seine eigenen Gedanken machen

»Unterstützung kommt künftig auch von einem Biodiversitätsberater der Landwirtschaftskammer NRW, um die überbetriebliche Vernetzung der Strukturen zu gewährleisten«, kündigte Tillmann an. Der Einzelne entscheidet weiterhin selbst, wie und in welchem Umfang er Flächen für den Erhalt der Artenvielfalt zur Verfügung stelle, so der Kreisvorsitzende weiter. »Jeder Landwirt muss sich angesichts der aktuellen Förderpolitik eigene Gedanken machen. Das Projekt Biodiversität bietet dabei die Gelegenheit, die Zukunft ökologisch wirksam und besser vernetzt zu gestalten.«

Die Stadt Marienmünster bringt sich als Projektpartner aktiv ein. Mit Unterstützung des Energieversorgers Innogy stellt sie den Landwirten ab kommendem Frühjahr kostenlose Saatgutmischungen unter dem Motto »Damit die Region brummt« zur Verfügung. »Jeder ist beim Artenschutz gefragt, der am besten im Verbund gelingt«, so Josef Suermann, der allgemeine Vertreter des Bürgermeisters.

Erste Schritte in »blühende Zukunft«

Im Schlusswort erklärte Kreislandwirt Heinrich Gabriel, dass die Landwirtschaft zur Biodiversität bereit sei. Die ersten Schritte seien vielversprechend gewesen. »Wir hoffen darauf dass nach Marienmünster weitere Städte für eine ›blühende Zukunft‹ in das Projekt einsteigen.«

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