Mi., 10.10.2018

110 Bäume, Quellen, Steinbrüche und Tümpel im Kreis haben besonderen Wert Wenn die Natur sich ein Denkmal baut

Die Zwölf-Apostel-Linde in Gehrden thront neben dem Kloster. Sie ist als Naturdenkmal nicht nur im Kreis Höxter, sondern weit darüber hinaus bekannt.

Die Zwölf-Apostel-Linde in Gehrden thront neben dem Kloster. Sie ist als Naturdenkmal nicht nur im Kreis Höxter, sondern weit darüber hinaus bekannt. Foto: Frank Spiegel

Von Dennis Pape

Höxter (WB). Um die Natur in ihrer vollen Schönheit zu genießen, muss man im Kreis Höxter vielerorts lediglich vor die Tür gehen – das Kulturland hat einiges zu bieten. Zum Teil für viele verborgen, manchmal aber auch über die Ortsgrenze hinaus bekannt, gibt es darüber hinaus Werke der Natur mit einem hohen ästhetischen oder kulturhistorischen Wert – die etwa 110 Naturdenkmäler.

»Davon sind 65 besonders markante Einzelbäume oder Baumgruppen. Aber nicht nur Bäume, sondern auch Quellen, alte Steinbrüche, Tümpel oder Erdfalltrichter – so genannte Dolinen – wurden im Kreisgebiet als Naturdenkmal ausgewiesen«, berichtet Dr. Kathrin Weiß, Leiterin der Abteilung Umweltschutz und Abfallwirtschaft beim Kreis Höxter. Das bekannteste Naturdenkmal im Kreis Höxter ist wohl die Zwölf-Apostel-Linde in Gehrden. Die Winter-Linde (Tilia cordata) steht im Garten von Kloster Gehrden – der ehemaligen Benediktinerinnen-Abtei. Das Alter der Linde wird nach unterschiedlichen Schätzungen mit 300 bis 800 Jahren angegeben. Der Umfang des Stammes beträgt etwa zehn Meter bei einer Höhe von 20 Metern. »Die Linde wird überregional in vielen Fachzeitschriften erwähnt«, weiß die Expertin.

»Naturdenkmäler sind Einzelschöpfungen der Natur oder entsprechende Flächen bis zu fünf Hektar, deren besonderer Schutz erforderlich ist – aus wissenschaftlichen, naturgeschichtlichen oder landeskundlichen Gründen oder wegen ihrer Seltenheit, Eigenart oder Schönheit«, besagt das Bundesnaturschutzgesetz: »Die Beseitigung des Naturdenkmals sowie alle Handlungen, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Naturdenkmals führen können, sind nach Maßgabe näherer Bestimmungen verboten«, heißt es weiter. Und dennoch ist die Liste der Naturdenkmäler im Kreisgebiet von mehr als 1000 im Jahr 1974 auf knapp über 100 geschrumpft – was wiederum die Grünen kürzlich kritisierten (wir berichteten). Dr. Kathrin Weiß hat dafür eine einfache Erklärung: »Bei der ersten Festsetzung der Naturdenkmäler 1973/1974 galt noch das Reichsnaturschutzgesetz. Seinerzeit wurde praktisch alles, was schützenswert erschien, als Denkmal ausgewiesen – das wurde 2003/2004 in Zusammenarbeit mit der Bezirksregierung geändert.« Heute ist beispielsweise der Desenberg in der Warburger Börde kein Naturdenkmal mehr, weil das Areal mittlerweile ein Naturschutzgebiet ist. Auch Alleen wie die Corveyer Allee in Höxter sind vom Gesetz aus geschützt und deshalb von der Liste verschwunden. »Anders verhält es sich zum Beispiel mit dem Hüssenberg bei Eissen. Er ist weiterhin ein Denkmal, da er nicht größer als fünf Hektar ist«, erläutert Dr. Kathrin Weiß. Für die zum Teil sehr kostspielige Pflege eines Naturdenkmals zeichnet der Kreis und nicht der Eigentümer verantwortlich. Dies solle zum Erhalt der schützenswerten Natur in der Region beitragen.

Während die Bezirksregierung in Detmold Naturdenkmäler außerhalb der Ortschaften ausweist, fallen die Denkmäler innerhalb in den Zuständigkeitsbereich des Kreises. Der hat wiederum auch eigene Kriterien zur Ausweisung von Naturdenkmälern ausgearbeitet. Zu diesen zählen bei Bäumen Vitalität, Wuchseigenschaften, Repräsentanz im Naturraum, Alter/Historie und geobotanische Bedeutung. »Wir kontrollieren unsere Naturdenkmäler zwei Mal jährlich sowie darüber hinaus auch nach Stürmen. Sollte es notwendig sein, werden anschließend zum Teil aufwendige Pflegemaßnahmen betrieben. So lange wir etwas retten oder erhalten können, tun wir das auch«, verspricht Dr. Weiß. Der Kreis Höxter stehe ebenfalls in engem Kontakt zu den Ortsheimatpflegern – unter anderem auch, um eventuell neue Naturdenkmäler in die Liste aufzunehmen. Während die Landschaftsplanung in den Städten Bad Driburg, Nieheim, Warburg und Höxter bereits abgeschlossen sei, befinde man sich in Marienmünster, Willebadessen und Steinheim derzeit in diesem Prozess. Hier kann sich der Kreis Höxter auch mit Vorschlägen von Bürgern auseinandersetzen.

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