Fr., 12.10.2018

Maßnahmen werden geprüft – Familie Risse will Stadt nach Flut in Bredenborn verklagen Kampf gegen das Hochwasser

In der Nacht des 29. Mai hat sich das Hochwasser seinen Weg vom Feld durch den Graben über den Grasweg bis in das Haus der Familie Risse gebahnt. Laut eines Bürgerantrages soll der Grasweg in Zukunft tiefergelegt werden.

In der Nacht des 29. Mai hat sich das Hochwasser seinen Weg vom Feld durch den Graben über den Grasweg bis in das Haus der Familie Risse gebahnt. Laut eines Bürgerantrages soll der Grasweg in Zukunft tiefergelegt werden. Foto: Dennis Pape

Von Dennis Pape

Marienmünster (WB). Das Hochwasser in der Nacht des 29. Mai wird vielen Bredenbornern noch lange in Erinnerung bleiben – besonders die Familie Risse, deren Haus geflutet worden ist, leidet auch Monate später noch unter den Folgen. Nicht zuletzt deshalb sollen im Stadtgebiet Marienmünster in Zukunft Maßnahmen zum Hochwasserschutz umgesetzt werden.

Eine Wasser- und Schlammlawine hatte das Einfamilienhaus am Südring 11 in Bredenborn schwer beschädigt. Familie Risse musste sämtlichen Hausrat und alle Möbel aus dem Erdgeschoss und dem Keller in Müllcontainern entsorgen. Die braunen Fluten, die von einem benachbarten Feld über den Grasweg durch den Garten flossen, standen binnen Minuten im Haus. Da das Versicherungspaket der Familie keine Elementarschäden berücksichtigt, werden die Risses auf den Kosten, die ihr Anwalt auf bis zu 65.000 Euro schätzt, sitzen bleiben. Eigentümer Ludwig Risse will deshalb die Stadt Marienmünster auf Schadenersatz verklagen, wie er gestern auf Anfrage des WESTFALEN-BLATTES bestätigte.

»Das Wasser ist vom Feld bis zum Haus gelangt, weil der Graben dazwischen nicht ordnungsgemäß freigehalten worden ist – und das ist eindeutig Sache der Stadt«, sagte er im Gespräch mit dieser Zeitung und erklärte weiter: »Mein Anwalt hat die Klage beim Gericht eingereicht. Angesichts dieses Verfahrens war leider noch immer kein Gutachter bei uns – und so lange dürfen wir im Keller und im Erdgeschoss leider nichts machen. Die gesamte Familie musste ins Obergeschoss ziehen. Das ist niederschmetternd, die Nerven liegen manchmal blank.« Bürgermeister Robert Klocke sagte gestern, er sehe einer Klage gelassen entgegen, da man sich seiner Ansicht nach nicht zu 100 Prozent gegen alle Unwetterereignisse schützen könne.

Auch der Stadtrat Marienmünster war in seiner Sitzung am Mittwochabend einhellig der Meinung, dass ein Schutz vor Unwetterkatastrophen nie lückenlos sein könne – dies zeige zum Beispiel aktuell die Sturzflut auf Mallorca, die mehrere Menschen das Leben gekostet hat. Und trotz dieser Erkenntnis soll die Stadt Marienmünster nach dem Willen der Politik den Weg, mit Maßnahmen wie beispielsweise dem Retentionsbecken in Altenbergen gegen mögliches Hochwasser zu kämpfen, weiter beschreiten.

So beschlossen die Fraktionen einstimmig, dass bereits vorhandene Hinweise aus den Ortschaften zu kleineren Maßnahmen in einer der kommenden Bauausschuss-Sitzungen vor Weihnachten thematisiert und später eventuell umgesetzt werden sollen. Außerdem regte die Politik an, ein vorhandenes, aber älteres Hochwasserschutzkonzept mit der Hochschule OWL zu überarbeiten. Die Erstellung und Umsetzung eines neuen Konzeptes wäre laut Verwaltung ein Millionenprojekt, das nur schwer zu stemmen sei.

Eine Mögliche Maßnahme, die in Zukunft in einer der betroffenen Ortschaften durchgeführt werde könnte, ist eine Tieferlegung des Grasweges in Bredenborn. Dies liegt einem Bürgerantrag zugrunde, für den Unterschriften gesammelt worden sind. Hintergrund: Nur wenige Meter unterhalb des Grasweges liegt das Haus der Familie Risse – und die wünscht sich, dass sich ein Ereignis wie in der Nacht des 29. Mai nie mehr wiederholt.

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