Sa., 15.12.2018

War es ein Wolf? – Auch Umweltschützer schließen dann gezielte Tötung nicht mehr aus Zwei Risse in gut geschützten Herden

Am Niederrhein ist eine Wölfin sesshaft (Symbolfoto).

Am Niederrhein ist eine Wölfin sesshaft (Symbolfoto).

Von Bernd Bexte

Hünxe/Marienmünster (WB). Für die Schäfer ist die erste in NRW sesshaft gewordene Wölfin längst ein Problemtier. Nachdem am Niederrhein bei zwei Rissen jetzt erneut sieben Schafe getötet und 38 verletzt worden waren, fordert der Schafzuchtverband NRW die Tötung der Fähe – sollte sie tatsächlich als Verursacherin überführt werden. Dazu werden derzeit DNA-Proben untersucht.

Und auch Umweltschützer schließen jetzt erstmals die »Entnahme« des Tieres aus seinem neuen Revier nicht mehr aus. »Sollte amtlich festgestellt werden, dass ein und dasselbe Tier die empfohlenen, sorgfältig umgesetzten Herdenschutzmaßnahmen mindestens zweimal überwunden und Nutztiere getötet hat, spricht sich auch der NABU dafür aus, solche Tiere zu töten«, erklärt Josef Tumbrinck, Vorsitzender des Naturschutzbundes (NABU) NRW. Derzeit lehnt er Forderungen nach einem Abschuss der Wölfin aber noch ab. »Das verbietet sich, so lange die beiden aktuellen Risse nicht vollständig geklärt sind.«

»Dieser Wolf darf nicht weiter marodieren«

Nach Angaben des Schafzuchtverbandes NRW hatte es in der Nacht vom vergangenen Samstag auf Sonntag den ersten Übergriff »auf eine top geschützte Herde (stark bestromte E-Netze, Flatterband, zwei erwachsene Herdenschutzhunde)« in Hünxe (Kreis Wesel) gegeben. Laut Landesumweltamt wurden dabei sechs Schafe getötet. Am Donnerstag fand eine zweite Attacke auf dieselbe Herde statt. Ein Schaf wurde getötet.

»Die Hunde haben auch diesmal Schlimmeres verhindert, waren aber nicht imstande, den Angreifer komplett fernzuhalten. Dieser Wolf überwindet höchstmöglichen Schutz«, erklärt Ortrun Humpert aus Marienmünster (Kreis Höxter), Vorsitzende des Schaftzuchtverbandes NRW. »Dieser Wolf darf nicht weiter marodieren«, stellt sie eine klare Forderung auch mit Blick auf die Senne, die nach Expertenmeinung das zweite Wolfsgebiet in NRW werden wird. Es gebe »in der Aufrüstungsspirale der Tierhalter keine Optionen mehr gegen diese Dame«, meint Humpert. Die Politik sei jetzt in der Pflicht.

Landesumweltamt hält sich zurück

Das sieht auch NABU-Chef Tumbrinck so: »Ministerin Ursula Heinen-Esser ist jetzt aufgefordert, zum einen über eine Verordnung das Verfahren für solche Fälle zu regeln, auf der anderen Seite muss sie oder der Landtag Mittel zur Verfügung stellen, damit flächendeckend Präventionsmaßnahmen gefördert werden können.« Wölfe dürften nicht lernen, dass es hinter den Zäunen leichte Beute gebe. »Jedem Wolf muss beim ersten Versuch klar werden, dass Nutztiere eine unerreichbare Beute darstellen«, ergänzt Thomas Pusch, Wolfsexperte beim NABU.

Das Landesumweltamt (Lanuv) hält sich bei einer Bewertung der jüngsten Risse zurück. »Wir warten erst die Ergebnisse der DNA-Untersuchungen ab«, sagt Sprecher Wilhelm Deitermann. Das kann erfahrungsgemäß einige Wochen dauern. Es sei auch nicht auszuschließen, dass ein Hund am Werk gewesen sei. Nach WESTFALEN-BLATT-Informationen hatten zwei ausgeliehene Herdenschutzhunde die Schafe in Hünxe bewacht. Wenn diese nicht an die Herde gewöhnt seien, könne es laut Experten schon mal zu Übergriffen kommen. Das Lanuv wollte sich dazu nicht äußern.

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