Do., 17.01.2019

Programme im Kreis Höxter erhalten den »Bildungs-Oskar« »Projekte müssen weiter gehen«

Präsentieren stolz den »Bildungs-Oskar« für das Projekt »Smart Country Side« mit dem Programm »Digitale Kompetenzen im ländlichen Raum« (von links): VHS-Leiter Andreas Knoblauch-Flach, Kreisheimatpfleger Hans-Werner Gorzolka, Projektleiterin Heidrun Wuttke und Dozent Mirko Löffelbein. Noch bis in den Sommer werden 150 Dorfbewohner zu Digitalexperten ausgebildet.

Präsentieren stolz den »Bildungs-Oskar« für das Projekt »Smart Country Side« mit dem Programm »Digitale Kompetenzen im ländlichen Raum« (von links): VHS-Leiter Andreas Knoblauch-Flach, Kreisheimatpfleger Hans-Werner Gorzolka, Projektleiterin Heidrun Wuttke und Dozent Mirko Löffelbein. Noch bis in den Sommer werden 150 Dorfbewohner zu Digitalexperten ausgebildet.

Von Ralf Brakemeier

Höxter (WB). 150 Vertreter von 16 Dörfern im Kreis Höxter lassen sich gerade für die Online-Welt schulen. Das Programm »Digitale Kompetenzen im ländlichen Raum« ist Teil des Projektes »Smart Country Side« in den Kreisen Höxter und Lippe. Beide Projekte wurden nun mit dem »Innovationspreis 2018« ausgezeichnet – nicht weniger als der »Bildungs-Oskar« – verliehen vom Deutschen Institut für Erwachsenenbildung (DIE).

Die Dörfer zukunftsfähig machen, das ist die Aufgabe des vom Land NRW geförderten Projektes »Smart Country Side«. Das Programm, angelegt auf eine Laufzeit von drei Jahren, endet in diesem Sommer. »Angesichts unserer Erfolge schreit es geradezu nach einer Fortsetzung«, findet Mirko Löffelbein. Er ist System-Administrator der Stadt Höxter und Dozent der Volkshochschule.

Dörfer zukunftsfähig machen

Seit dem vergangenen Jahr unterrichtet er verschiedene Gruppen, die in ihren Dörfern später als Multiplikatoren für digitale Fähigkeiten auftreten sollen. In den beteiligten Ortschaften wurden Medienecken mit Notebooks, Tablets und Smart-TVs installiert. In den Kursen lernen die Teilnehmer nun digitale Dorfplätze mitzugestalten. So werden für jede teilnehmende Ortschaft moderne Webseiten entwickelt. Außerdem sollen eigene Apps die Bewohner miteinander verbinden.

Hans-Werner Gorzolka ist nicht nur Kreisheimatpfleger, sondern für seine Ortschaft Ovenhausen auch einer der Kursteilnehmer: »Für uns war schnell klar, dass wir eine Dorf-App, eine Fürsorge-App und eine Kirch-App brauchen. Und natürlich müssen wir alle, auch die Generation Ü-60, damit umgehen lernen.« Über 15 Monate oder 85 Unterrichtsstunden laufen die Kurse. Für Kursleiter wie Mirko Löffelbein ist vor allem der sehr unterschiedliche Kenntnisstand der Teilnehmer ein Problem: »Die Spanne geht von 15 bis 75 Jahren.« So stehen sich die »Digital Natives« und blutige Anfänger gegenüber.

Ein Coach in jedem Ort

In den Kursen werden grundsätzliche digitale Fähigkeiten vermittelt, Ängste abgebaut und natürlich auch auf den richtigen Umgang mit persönlichen und brisanten Daten hingewiesen. Vor allem in diesem letzten Bereich hätten auch viele jüngere, Smartphone-geschulte Kursteilnehmer noch ihre Defizite, hat Mirko Löffelbein festgestellt.

»Unser Traum ist es, am Ende so etwas wie Dorf-Coaches zu haben«, sagt Heidrun Wuttke, Projektleiterin bei »Smart Country Side«. Das seien echte »Leuchtturmprojekte«, beispielhaft für ganz Deutschland, findet Wuttke. Die Kurse förderten auch das Miteinander der Generationen. Schließlich gehe es am Ende auch darum, auch die Jüngeren in einer egoistischer werdenden Welt von ehrenamtlicher Mitarbeit zu überzeugen.

Die hochkarätige Professoren-Jury begründete ihre Wahl unter anderem so: »In diesem Projekt wird ein Schatz gehoben, der besonders in den Dörfern und auf dem Land schlummert. Dieser Schatz sind die Menschen, die sich zum Beispiel in Vereinen, in der Kirche und in der Nachbarschaft engagieren. Diejenigen, die anpacken ..., die Verantwortung übernehmen ...«

Intensive Gespräche geführt

Den Anfang machten intensive Gespräche mit den Dorfbewohnern, um deren Bedarfe zu ermitteln, erinnert sich Projektleiterin Heidrun Wuttke. Im Sommer laufen auch diese Maßnahmen aus. Dann sollen die geschulten Kursteilnehmer ihr Wissen an andere, zunächst einmal in ihrem Dorf, weitergeben.

»Wir müssen aber weiter denken und daraus einen dauerhaften Prozess machen. Personal und Geld müssen dafür bereit gestellt werden«, so die Hoffnung von Hans-Werner Gorzolka.

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