Di., 29.01.2019

Jugend musiziert: Sängerin aus Lüchtringen begeistert – Teilnehmerzahl gesunken Christina? Alicia? – Julia!

Sängerin Julia Simon hat beim Kreisentscheid von »Jugend musiziert« begeistert – und das nicht nur mit Songs von Christina Aguilera oder Alicia Keys, sondern auch mit einem eigenen Stück. Begleitet wurde sie am Klavier von Jannes Piel aus Hannover.

Sängerin Julia Simon hat beim Kreisentscheid von »Jugend musiziert« begeistert – und das nicht nur mit Songs von Christina Aguilera oder Alicia Keys, sondern auch mit einem eigenen Stück. Begleitet wurde sie am Klavier von Jannes Piel aus Hannover. Foto: Dennis Pape

Von Dennis Pape

Höxter/Marienmünster (WB). Wer am Samstagabend im »Schafstall« der Abtei beim Kreisentscheid von »Jugend musiziert« die Augen schloss, konnte meinen, Christina Aguilera oder Alicia Keys seien höchstpersönlich nach Marienmünster gekommen. Doch es war Julia Simon (22) aus Lüchtringen, die Publikum und Jury gleichermaßen mit ihrer Stimme verzauberte.

»Musik ist meine große Leidenschaft und eine wunderbare Möglichkeit, sich selbst zu verwirklichen«, betonte Julia Simon im Gespräch mit dem WESTFALEN-BLATT bereits vor ihrem großen Auftritt – und genau das sollte sie anschließend auf der Bühne auch in die Tat umsetzen: Denn die 22-Jährige berührte mit ihrer eigenen Interpretation von Christina Aguileras »Bound to you«, Alicia Keys’ »Empire state of mind« sowie Calum Scotts »Dancing on my own« und George Gershwins »Summertime« nicht nur die Herzen der Zuhörer – sie vermittelte mit ihrem eigenen Song »Beliebige Gesellschaft« auch eine Botschaft. Mit Zeilen wie »Wahrheiten werden abgeschmettert, keiner ist mehr laut« möchte sie die Gesellschaft dazu motivieren, anderen Menschen wieder mehr zuzuhören und über den Tellerrand hinaus zu blicken. »Einen eigenen Song zu singen, ist etwas sehr Persönliches – das bin zu 100 Prozent ich«, sagte sie.

Um so wichtiger war es ihr, dass sie in Marienmünster von Jannes Piel aus Hannover am Klavier begleitet wurde – denn dort hatten sich die beiden 2017 beim Pop-Oratorium kennen und schätzen gelernt. »Dies ist eine wunderbare Geschichte darüber, wie die Musik Menschen verbinden kann«, erläuterte Julia Simon. Ohnehin bedeute Musik für die Lüchtringerin auch Gemeinschaft – nicht ohne Grund spiele sie neben dem Gesangsunterricht bei Cordula Sodt im benachbarten Holzminden auch seit ihrem zwölften Lebensjahr Trompete in der Blaskappelle ihres Heimatortes.

Junge Talente punkten

Für Julia Simon geht es nach einer tollen Bewertung mit 24 von möglichen 25 Punkten sowie einem ersten Preis weiter zum Landeswettbewerb vom 6. bis zum 10. März in Köln. Dies gilt ebenfalls für die Bundessiegerin Lara-Sophie Kluwe aus Bad Driburg, die zusammen mit Max Cosimo Liebe aus Detmold die Höchstwertung von 25 Punkten und einem ersten Preis in der Kategorie »Duo Klavier und ein Holzblasinstrument, Altersgruppe V« erlangt hatte. Die Familie Kluwe trumpfte ohnehin erneut groß auf: Denn auch die Schwestern Elisa-Marie Kluwe und Maya-Lotte sicherten sich erste Preise – so wie Linus Wolf aus Neuenheerse. Sie sind jedoch allesamt noch zu jung, um auf höherer Ebene antreten zu können. Jakob Singer aus Brakel durfte sich bei seiner Premiere am Cello über 20 Punkte freuen.

Weniger Vorstellungen

»›Jugend musiziert‹ ist eine tolle Möglichkeit für junge Künstler, sich weiter zu entwickeln«, sagte Julia Simon. »Hier geht es wirklich noch zu 100 Prozent um die Musik.« Aber: Etwa 60 Vorstellungen gab es am Samstag in der Aula im Haus der Volkshochschule in Höxter sowie im Konzertsaal und in der Ackerscheune der Abtei Marienmünster – im vergangenen Jahr waren es noch mehr als 90. »Ein Grund dafür sind sicherlich die Kategorien wie Bläserduo und Streichersolo – das war vor drei Jahren nicht anders. Dennoch dürfen wir die Augen nicht davor verschließen, dass der demografische Wandel auch vor uns nicht Halt macht«, sagte Regionalkoordinatorin Romana Papenkordt. Sie wies auch darauf hin, dass der Wettbewerb moderner werde – was beispielsweise ein großer Zuwachs im Bereich Pop-Gesang zeige. In diesem Jahr standen in der Solowertung Streichinstrumente, Akkordeon und eben Popgesang auf der Agenda sowie die Duo-Wertung für Klavier und ein Holzblasinstrument. Im kommenden Jahr werden im klassischen Bereich Klavier und Harfe als Soloinstrumente sowie Streicher- und Bläserensembles und Kammerensembles mit Akkordeon gewertet. Im Popbereich stehen Gesang, Schlagzeug und Gitarre auf dem Programm.

Teilnehmer aus dem Kreis

Violine, Altersgruppe IB: Elisa-Marie Kluwe, Bad Driburg, 25 Punkte, 1. Preis. Violine, Begleitung: Lara-Sophie Kluwe, Bad Driburg, 25, 1. Preis. Violoncello, Altersgruppe IB: Jakob Singer, Brakel, 20 Punkte, 2. Preis. Gesang (Pop), Altersgruppe VII: Julia Simon, Höxter, 24 Punkte 1. Preis, Landeswettbewerb. Duo Klavier und ein Holzblasinstrument, Altersgruppe IB: Maya-Lotte Kluwe, Bad Driburg, 24 Punkte, 1. Preis und Elisa-Marie Kluwe, Bad Driburg, 24 Punkte, 1. Preis; Linus Wolf, Bad Driburg, 23 Punkte, 1. Preis und Anna Gotthardt, Detmold, 23 Punkte, 1. Preis. Duo Klavier und ein Holzblasinstrument, Altersgruppe V: Max Cosimo Liebe, Detmold, 25 Punkte, 1. Preis, Landeswettbewerb und Lara-Sophie Kluwe, Bad Driburg, 25 Punkte, 1. Preis, Landeswettbewerb.

Kommentar von Dennis Pape

Wer die Gelegenheit hatte, am Samstag beim Kreisentscheid von »Jugend musiziert« in Höxter und Marienmünster dabei zu sein, der wurde Zeuge von ganz besonderen Augenblicken: Denn wenn junge Künstler – darunter viele Kinder – ihre Leidenschaft zur Musik mit Zuhörern und der Jury teilen, dann geht das in erster Linie durch die Ohren direkt ins Herz. Musik soll berühren, und das haben alle Teilnehmer mit ihren Darbietungen geschafft – da rücken Punktzahl, Preis und eventuelle Weiterleitung zum Landeswettbewerb zunächst einmal in den Hintergrund. Angesichts dessen muss die rückläufige Teilnehmerzahl in diesem Jahr den engagierten Organisatoren der Musikschule Höxter, den vorzüglichen Gastgebern aus Marienmünster sowie den Verantwortlichen des Bereiches Detmold-Süd für die Kreise Höxter, Lippe und Paderborn eine Motivation sein – eine Motivation, um Feinjustierungen vorzunehmen und immer wieder mit der Zeit zu gehen. Ein Spagat zwischen Tradition und Moderne ist nie einfach – und dennoch zeigt beispielsweise der relativ junge Bereich des Pop-Gesangs mit einer stark steigenden Teilnehmerzahl, dass er perspektivisch gelingen kann. Mut wird belohnt.

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