Fr., 15.02.2019

Sportentwicklung in Marienmünster: Kollerbeck und Bredenborn können sich nicht einigen Politik soll die Taktik vorgeben

Von Greta Wiedemeier

Marienmünster (WB). 550.000 Euro hat die Stadt Marienmünster für den Bau eines Kunstrasenplatzes in ihren Haushalt eingeplant. Ob dieser in Bredenborn, Kollerbeck oder doch gar nicht gebaut wird, sorgte in den vergangenen Monaten für heftige Diskussionen.

Nun hat Dr. Stefan Eckl vom Stuttgarter Institut für Kooperative Planung und Sportentwicklung seine Empfehlungen im Rat vorgestellt und drei mögliche Ansätze präsentiert. An klaren Worten seinerseits mangelte es nicht – wirklich überzeugt schien aber dennoch zunächst niemand.

Eckl nannte die Ausgangslage für den Kunstrasenplatz »extrem schwierig«, da der SV Kollerbeck und der SV Bredenborn »sich gegenseitig und damit die gesamte Sport- und Vereinsentwicklung der Stadt blockieren« würden. Die beiden Vereine seien nicht in der Lage, sich auf einen Kompromiss zu einigen. Von diesem sei man jedoch ausgegangen, weshalb auch keine direkte Gegenüberstellung der Standorte vorgenommen wurde. »Je nachdem, welche Brille man aufhat, kann das Ergebnis eines solchen Vergleichs in jede Richtung verschoben werden«, urteilte Eckl. Er empfahl, dass die Kommunalpolitik selbst eine Richtung vorgeben solle. Dafür präsentierte er drei verschiedene Ansätze.

Der visionäre Ansatz

Hier würden alle Sportvereine zu einem TSV Marienmünster mit immerhin 1600 Mitgliedern fusionieren. Es würde ein neues Sportgelände in zentraler Lage in Vörden entstehen, auf dem langfristig Fußball und Leichtathletik gebündelt werden sollen. »Das wäre neutraler, emotional unbelasteter Boden«, erklärt Eckl. Zudem könnten bezahlte Stellen geschaffen werden, um das Ehrenamt zu entlasten und neue Angebote ermöglichen zu können. Der Erhalt der Sportanlage Bredenborn wäre hierbei zunächst ebenfalls vorgesehen. Dies wäre die voraussichtlich teuerste Option.

Der zentralistische Ansatz

Diese Variante setzt auf den Erhalt der Eigenständigkeit der Vereine und legt Schwerpunkte in den einzelnen Orten fest. Bredenborn soll durch einen zusätzlichen Kunstrasenplatz Schwerpunkt im Fußballsport werden. Das Training des SV Kollerbeck würde dort stattfinden, Spiele könnten jedoch weiterhin in Kollerbeck ausgetragen werden. Der Tennenplatz in Kollerbeck würde aufgegeben werden, da eine Sanierung laut Eckl keinen Sinn ergebe. Kollerbeck würde dann nach einer Sanierung der Leichtathletik-Anlage dort seinen Schwerpunkt finden.

Der pragmatische Ansatz

Der Kollerbecker Tennenplatz würde zum Kunstrasenplatz umgebaut und die Umkleiden und Sanitärräume umfassend saniert werden. Alle anderen Sportanlagen in der Stadt blieben unberührt. Der Sachverständige hält diese Option für die realistischste – die darüber hinaus mit möglichen Fördermitteln auch gut umgesetzt werden könne.

Das sagen die Parteien

Auch wenn zunächst nur die Klärung von Sachfragen im Fokus stand, kristallisierte sich die tendenzielle Ablehnung des Rates gegenüber der Fusion aller Vereine schnell heraus: »Das sind für mich Träumereien und Luftblasen, damit würde man etwa den Bredenbornern das Herz herausreißen«, äußerte sich Elmar Stricker (WGB). Und auch die Empfehlung, den Vereinen eine Richtung vorzugeben, wurde von allen Parteien kritisch gesehen. »Wir wollen die Vereine mit ins Boot holen, doch mit diesen Konstellationen machen wir uns die Vereine kaputt«, prognostizierte Klaus Wittek (SPD). Von der Verwaltung wurde zudem angemerkt, dass die abschließenden Richtlinien für ein mögliches Förderprogramm noch immer nicht vorliegen. »Zu diesem Zeitpunkt kann noch keine Entscheidung getroffen werden. Es bedarf weiterhin unbedingt der Mitarbeit der Vereine, um hier weiterzukommen«, so Kai Schöttler (CDU). Eine Entscheidung im Rat steht noch aus. Nun soll eine Arbeitsgruppe aus Vertretern der Politik und der Vereine zeitnah erneut tagen, um endlich einen Schritt voranzukommen und auch erste Kostenkalkulationen aufstellen zu können.

Veränderungen nötig

»Die gesamte Diskussion um den Kunstrasenplatz überlagert und behindert die notwendige strategische Neuausrichtung der gesamten Sportvereinsarbeit«, betonte Eckl mit klaren Worten. Seiner Meinung nach sind andere Punkte mindestens genauso elementar, um die sportliche Aktivität in der Stadt langfristig attraktiv zu halten. Man müsse etwa mit Blick auf das Geschlechterverhältnis der Vereinsmitglieder deutlich mehr Angebote für Frauen und Mädchen schaffen. Auch die Angebote für Vorschulkinder sowie Kooperationen mit Kitas und Schulen sollten angesichts der besonders im Kindesalter rückläufigen Mitgliederzahlen ausgebaut werden. Gesundheitssport sei ebenfalls ein wichtiges Thema, dem man sich aufgrund des bevorstehenden demografischen Wandels nicht verschließen dürfe. Da die Stadt bis zum Jahr 2040 aller Voraussicht nach etwa 1500 Einwohner weniger haben werde, stellte Eckl auch eine Grundsatzfrage: »Hat das System mit sechs Sportvereinen überhaupt noch Zukunft?« Unvermeidlich seien zumindest eine stärkere Kooperation und Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Vereinen, bei der gemeinsame Angebote geschaffen und Dopplungen vermieden werden. Eine gemeinsame Dachorganisation, wie im visionären Ansatz verwirklicht, sei dann erst der nächste Schritt. Auch die Kommunikation mit der Stadt sei stark verbesserungswürdig und regelmäßige Treffen eine wichtige Maßnahme.

Yoga im Ratssaal

Zu der Gesamtsituation der Sportanlagen stellt Eckl fest: »Der Bestand an Sportanlagen sollte bedarfsorientiert angepasst, die Qualität der Anlagen verbessert und die Belegung effektiver gestaltet werden.« Insgesamt sei Marienmünster bei den Sporthallen bereits gut aufgestellt. Die Sanierung der Leichtathletikanlage in Kollerbeck sei ebenfalls unumgänglich. Es seien jedoch nicht immer zwingend Neubauten nötig: »Man kann auch andere Räume in der Gemeinde für Sport nutzen. Dieser Ratssaal wäre beispielsweise gut geeignet für Sportarten wie Pilates oder Yoga«, motivierte Eckl zum Umdenken.

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