Sa., 16.02.2019

Ein Kommentar von Redakteur Dennis Pape Rasenschach

Der Sportplatz in Kollerbeck.

Der Sportplatz in Kollerbeck. Foto: Dennis Pape

Von Dennis Pape

In Marienmünster wird derzeit Rasenschach in seiner reinsten Form gespielt. Als Spielmacher sollen eigentlich die Vereine selbst den Takt bestimmen, doch am Ende könnte es dazu kommen, dass die Politik die Taktik vorgibt – das wiederum will aber auch niemand so wirklich: Die Debatte um das Sportentwicklungskonzept in der kleinsten Kommune des Kreises Höxter geht seit der Haushaltsverabschiedung zum ersten Mal öffentlich in eine heiße Phase. Verlängerung und Elfmeterschießen sind wahrscheinlich – und selbst dann ist noch nicht klar, ob es am Ende wirklich einen Gewinner gibt.

Wo soll in Zukunft ein Kunstrasenplatz entstehen? In Bredenborn oder Kollerbeck? Oder aber doch in Vörden? Mehr als Fragezeichen gibt es nach monatelanger Abstimmung zwischen Vereinen, Verwaltung und Politik nicht. Vor allem die Rivalität der Vereine aus Kollerbeck und Bredenborn scheint zum Zünglein an der Waage zu werden. Und so lange sich diese beiden nicht einigen können, kann es eigentlich keine Entscheidung geben – es sei denn, sie wird von der Politik über die Köpfe der Klubs hinweg herbeigeführt. Diese Lösung wiederum streben weder die Vereine noch die Stadt Marienmünster und die einzelnen Fraktionen an. Nicht zuletzt auch, weil sie jeden einzelnen Mitbestimmer unter Garantie angreifbar machen und es massive Kritik (aus welcher Richtung auch immer) hageln würde. Vielmehr ist es ein richtiges und wichtiges Zeichen der Politik gewesen, den Vereinen den Ball zuzuspielen – so haben sie selbst die Möglichkeit, die sportliche Infrastruktur in ihrer Stadt und in ihren Ortschaften mitzugestalten.

Sportvereine sind ein Teil der eigenen Identität

Der unabhängige Gutachter Dr. Stefan Eckl betonte im Rat, dass der SV Kollerbeck sowie der SV Bredenborn sich gegenseitig und damit die gesamte Sport- und Vereinsentwicklung der Stadt blockieren würden. Das hat gesessen. Nun können Eckls Ausführungen auf Grundlage der Faktenlage durchaus als plausibel angesehen werden und dennoch übersieht der Experte einen wichtigen Aspekt, der es für die beiden betroffenen Vereine so schwierig macht – die emotionale Bindung. Sportvereine sind in vielen Dörfern ein Teil der eigenen Identität. Hier hat schon der Vater und manchmal der Großvater gekickt, hier engagiert man sich seit Jahrzehnten auch für die Dorfgemeinschaft. Hier ist nicht zuletzt auch auf Grundlage von Rivalitäten mit Vereinen aus benachbarten Ortschaften ein »Wir-Gefühl« im eigenen Dorf entstanden.

Verantwortlichen köcheln ihr eigenes Süppchen

Erlaubt sein muss aber auch die Frage, inwiefern dieses zugegebenermaßen sehr wichtige »Wir-Gefühl« innerhalb einer Ortschaft überhaupt noch zeitgemäß sein kann. Müssen nicht gerade in der kleinsten Stadt des Kreises Höxter die Dörfer noch eher zusammenrücken, um dem demografischen Wandel entgegen zu wirken? Sollte sich das »Wir« nicht eher auf Marienmünster an sich als auf jedes einzelne Dorf beziehen? Sollten die Verantwortlichen auch in Zukunft so deutlich signalisieren, weiterhin jeder für sich ihr eigenes Süppchen köcheln zu wollen, dann müssen sie diese Suppe wohl auch selbst auslöffeln.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Mehr zum Thema

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6395166?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198395%2F2851045%2F