Mi., 27.02.2019

Mehrfach ausgezeichnetes Wirtshaus am Brunnen schließt im März – Pächter gesucht Ein Stück Heimat auf dem Teller

Etwa einen Monat lang begrüßen Antje und Werner Lange ihre Gäste noch im Wirtshaus am Brunnen in Vörden.

Etwa einen Monat lang begrüßen Antje und Werner Lange ihre Gäste noch im Wirtshaus am Brunnen in Vörden. Foto: Dennis Pape

Von Dennis Pape

Vörden (WB). Das Wirtshaus am Brunnen in Vörden ist eine Institution – weit über die Grenzen Marienmünsters hinaus. Noch! Denn die Betreiber Antje und Werner Lange schließen am 24. März die Türen für immer. 16 Jahre lang standen sie zu 100 Prozent für gehobene ostwestfälische Küche und ausgezeichneten Service. Doch 100 Prozent geht nicht mehr.

»Wenn wir etwas machen, dann machen wir es richtig – mit Leib und Seele, mit Herzblut«, sagt Werner Lange. Dass diese Aussage keine Plattitüde ist, haben er und seine Frau Antje in den vergangenen Jahren immer wieder aufs Neue beweisen können.

Eine Auszeichnung beim Westfälischen Gastronomiepreis im vergangenen Oktober ist die letzte offizielle Auszeichnung für die Langes gewesen – doch was bleibt, sind die vielen Erinnerungen an Begegnungen mit ihren Gästen, von denen zahlreiche im Laufe der Zeit zu Stammgästen geworden sind. »Viele kommen jetzt bewusst noch einmal zu uns, um sich zu verabschieden. Das macht uns schon ein wenig stolz und ist eine tolle Anerkennung unserer Arbeit«, sagt Antje Lange.

Mit Gastronomiepreis ausgezeichnet

Ihr Mann Werner stammt aus Vörden und hat eine besondere Beziehung zur Lokalität, deren Charme jedem Besucher sofort ins Auge fällt: »Als wir 2003 aus Ottbergen nach Vörden gekommen sind, lag das Haus im Dornröschenschlaf – und wir wollten es wecken. Es ist etwas Besonderes in seiner Heimat zu arbeiten. Ich kenne das Haus noch als Bauernhof mit seiner Geschichte.« Nicht zuletzt aus diesem Grund hoffen Antje und Werner Lange, dass Besitzer Ewald Hecker zeitnah einen Pächter findet, der es mit ebenso viel Liebe, Leidenschaft und Leben erfüllt wie sie. Doch laut Hecker gibt es noch keinen geeigneten Kandidaten: »Das hohe Niveau des bisherigen Betriebes ist in gewisser Weise sogar ein Problem. Denn die Fußstapfen sind wirklich groß.«

Pachtvertrag läuft Ende März aus

Der Pachtvertrag mit der Familie Lange läuft am 24. März aus. Ein Grund für die Geschäftsaufgabe liegt jedoch schon 22 Jahre zurück. Damals zog sich Konditormeister Werner Lange bei einem Unfall schwere Verletzungen zu – mit Auswirkungen bis heute: »Mein Arm und Knie sind dabei so in Mitleidenschaft gezogen worden, dass ich nur noch bedingt einsatzfähig bin – und mit den Jahren wird es nicht einfacher. Deswegen muss meine Frau als Köchin zwischendurch immer mal wieder im Service einspringen.« Dies wiederum bedeute für sie Arbeit rund um die Uhr: Morgens gibt es Frühstück für die Hotelgäste und in der Nacht endet der Tag mit dem Dienst am Tresen. »Wir sind mehr als zufrieden mit unseren Mitarbeitern. Doch wenn wir selbst noch etwas kürzer treten würden, müssten wir weiteres Personal einstellen – und das ist angesichts des Fachkräftemangels fast schon aussichtslos. Service zweiter Klasse kommt nicht in Frage«, betont Antje Lange. Sie und ihr Mann haben von Beginn an auf eine westfälische Küche auf hohem Niveau sowie heimische Lieferanten gesetzt – und damit bei vielen Gästen gepunktet. »Für die Treue möchten wir uns herzlich bedanken. Es funktioniert nur, wenn man hier fest verwurzelt ist und regionale Produkte zu schätzen weiß. Hier gibt es Heimat auf dem Teller«, sagen sie.

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