Sa., 02.03.2019

Überschüssige Lebensmittel müssen nicht immer auf den Müll »Zu gut für die Tonne«

Diakon Roland Ogorzelski und sein Team vom Verein Höxter-Tisch sammeln täglich aussortierte Lebensmittel ein. Die ehrenamtlichen Helfer sind auf jede Spende angewiesen, damit sie die Bedürftigen ausreichend versorgen können.

Diakon Roland Ogorzelski und sein Team vom Verein Höxter-Tisch sammeln täglich aussortierte Lebensmittel ein. Die ehrenamtlichen Helfer sind auf jede Spende angewiesen, damit sie die Bedürftigen ausreichend versorgen können. Foto: Michael Robrecht

Von Yannick Leßmann

Höxter (WB). »Lebensmittel landen viel zu häufig auf dem Müll«, sagt Dr. Kathrin Weiß vom Kreis Höxter. Es gebe viele Alternativen, nicht gebrauchte Lebensmittel zu verwerten – bevor sie auf dem Müll landen.

In der Bundesrepublik fallen jedes Jahr insgesamt elf Millionen Tonnen Lebensmittelabfälle an. Im Kreis Höxter landen etwa 20.000 Tonnen Bioabfälle im Oeynhausener Kompostwerk. Dort werden alle Bioabfälle verarbeitet und verwertet. Doch nicht nur in den Großküchen und Mensen fallen Lebensmittelabfälle an – auch private Haushalte produzieren eine Menge Müll, laut Kreis Höxter.

Studie zu Lebensmittelabfällen

Um herauszufinden wie viele der Lebensmittelabfälle vermeidbar sind, legte die Kreisabfallwirtschaft in Kooperation mit der Hochschule OWL Höxter vor zwei Jahren eine Studie zur Lebensmittelverschwendung vor. 31 Bürgerinnen und Bürger nahmen an der Studie teil. Untersucht wurde, wie viele der Lebensmittelabfälle vermeidbar gewesen wären – rund 45 Prozent aller angefallenen Lebensmittelabfälle waren dies laut Studie. »Auch wenn die Daten nur aus einer kleinen Stichprobe stammen und deshalb nicht repräsentativ sind, zeigt das Ergebnis, dass zu viele Lebensmittel im Abfall landen. Wir möchten gerne dafür sensibilisieren, Lebensmittel mehr wertzuschätzen«, sagt Weiß, Leiterin der Abteilung für Umweltschutz und Abfallwirtschaft, zum Ergebnis der Studie. Dazu wurden auf lokaler Ebene Kampagnen vom Kreis Höxter gestartet: »Wirf mich nicht weg!« oder die Aktion »Reste Rezepte« sind zwei dieser Kampagnen. Workshops, Vorträge und die Bereitstellung von Rezepten sollen das Bewusstsein wecken, übrig gebliebene Lebensmittel zu verwerten, bevor sie in der Mülltonne verschwinden. »Planvolles einkaufen, Haltbarkeit prüfen, die richtige Lagerung und regionale Produkte«, empfiehlt Nicolas Witschorek von der Umwelt- und Abfallwirtschaft des Kreises.

Medien- und Öffentlichkeitsarbeit

Auch Medien- und Öffentlichkeitsarbeit sind Teil der Sensibilisierung, die der Lebensmittelverschwendung entgegenwirken soll. Die Kampagne »Zu gut für die Tonne« des Bundesministeriums für Ernährung und Wirtschaft bietet mittels einer App Möglichkeiten, aus überschüssigen Lebensmitteln »Restgerichte« zu kochen. Mittlerweile enthält sie etwa 550 Rezepte von Sterneköchen und Prominenten. Außerdem gibt es nützliche Tipps zu Einkauf, Lagerung und Haltbarkeit gekaufter Lebensmittel.

Höxter-Tisch engagiert sich

In der Region setzen sich auch einige Ehrenamtliche gegen Verschwendung von Lebensmitteln ein: Roland Ogorzelski und sein ehrenamtliches Team vom Höxter-Tisch sammeln täglich stundenlang aussortierte Lebensmittel von Supermärkten und Haushalten ein und verkaufen sie an sozial schwächere Menschen zu einem geringen Preis. Ogorzelski sieht das Problem der Lebensmittelverschwendung nicht nur beim Endverbraucher, sondern auch bei zu strengen Auflagen – die wiederum Firmen und Supermärkte dazu veranlassen, ihre Waren wegzuwerfen. Er ist froh, dass Privathaushalte und Unternehmen ihre Lebensmittel für den guten Zweck abgeben. »Wir sind dankbar über jede Spende«, so der Diakon.

Neue App

Übrigens: Ein dänisches Unternehmen versucht, in Deutschland Gastronomen zu gewinnen, die ihre übrig gebliebenen Speisen zu einem geringeren Preis in der App »Too good to go« anbieten. Die Kunden können auf diese Angebote zugreifen und später in der entsprechenden Filiale abholen. Im Kreis Paderborn nehmen mehrere Restaurants an dem Projekt teil.

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