Fr., 12.04.2019

Aus von St. Martin: 150 Gemeindemitglieder diskutieren mit Vertretern des Erzbistums Konfliktpotenzial ist zu groß

Die französische Priestergemeinschaft St. Martin kommt bekanntlich entgegen aller Planungen nicht nach Marienmünster. Ob es dem Erzbistum Paderborn noch einmal gelingt, einen Orden in die Abtei zu holen, ist fraglich – aber nicht unmöglich.

Die französische Priestergemeinschaft St. Martin kommt bekanntlich entgegen aller Planungen nicht nach Marienmünster. Ob es dem Erzbistum Paderborn noch einmal gelingt, einen Orden in die Abtei zu holen, ist fraglich – aber nicht unmöglich. Foto: Dennis Pape

Von Dennis Pape

Marienmünster (WB). Die französische Priestergemeinschaft St. Martin kommt nicht nach Marienmünster. Vertreter des Erzbistums haben sich am Mittwochabend vor 150 Interessierten dazu geäußert. Zentrale Aussagen: Es wird einen neuen Priester in Marienmünster geben und Umbaumaßnahmen werden weiter geplant – in welchem Umfang ist jedoch noch nicht klar.

Monsignore Andreas Kurte, Leiter der Zentralabteilung Pastorales Personal, sowie der erfahrene Supervisor Thomas Wendland erläuterten die Entscheidung des Erzbischofs und stellten sich dabei auch den Fragen der vielen interessierten Besuchern in der Abtei.

»Mit dem Weggang der Passionisten aus Marienmünster stellte sich für alle die Frage, wie eine Neubelebung von Marienmünster gelingen kann. Bereits vor sieben Jahren haben wir den Kontakt zur Gemeinschaft St. Martin in Frankreich aufgenommen. Dabei war bereits klar, dass die Gemeinschaft eine andere Prägung hat als die Passionisten und nicht einfach das Ordensleben und die seelsorgliche Arbeit der Vorgänger in gleicher Weise weiterführen würde«, sagte Kurte.

Gemeinde wil Heimat behalten

Wendland ergänzte: »Die Gemeinde will ihre Heimat behalten, die Gemeinschaft will Heimat nehmen – da wurde immer gerungen und es wurde immer deutlicher, dass beide Seiten nicht zufrieden sind. Dass es angesichts dessen in Marienmünster viel Konfliktpotenzial gab, ist anschließend nicht das Ergebnis einer Gruppierung gewesen,

Haben berichtet (von links): Monsignore Andreas Kurte, Thomas Wendland und Ansgar Heckeroth, Leiter des Pastoralen Raumes. Foto: Dennis Pape

sondern das Resultat eines langen Dialoges von vielen Gruppierungen in mehreren Schritten.«

Laut Kurte führten die moderierten Gespräche mit Gemeinschaft, Gemeinde – vertreten durch die gewählten Gremien, das Pastoralteam und das Erzbistum – trotz mancher Verständigung zu der Erkenntnis, dass über die Bedeutung der unterschiedlichen Traditionen der Kirchen in Frankreich und Deutschland hinaus eine parallele Nutzung der Abteikirche dauerhaft zu Konflikten führen würde.

St. Martin ist der Gemeinde zu konservativ

Um welche Konflikte es sich handeln könnte, wurde in Berichten aus dem Plenum über die Zusammenarbeit mit dem bereits ansässigen Gemeinschaftsvertreter Abbé Thomas Diaradourian deutlich. So sagte Barbara Gröne: »Weibliche Messdiener waren wohl nicht erwünscht und eine Lektorin wurde auf Karfreitag auch ausgetauscht. Als Frau wurde ich nervös und sauer.«

Josef Fuhrmann ergänzte: »Wir sind 50 Jahre lang mit den liberalen Passionisten groß geworden. Und plötzlich stand die Liturgie über dem Menschen – das konnten wir mit unserem Glaubensbild nicht umsetzen und so nicht mitgehen.« Es wurde auch Stimmen aus der Gemeinde laut, dass das Ehrenamt in dieser Situation zu einem großen Teil weggebrochen wäre.

Elisabeth Seifert vom Pfarrgemeinderat äußerte sich ähnlich: »Wir sind dankbar für die Entscheidung des Erzbischofs. Wir haben lange mit uns gerungen und viele Gespräche geführt. Letztendlich haben auch wir keine andere Lösung gefunden, weil das Ehrenamt unter den weiteren Entwicklungen gelitten hätte.«

Suche nach neuen Ort

Laut Kurte möchte der Erzbischof vielfältige geistliche Zugänge zu ermöglichen – deshalb werde ein neuer Ort für die Gemeinschaft St. Martin im Erzbistum gesucht. »Unabhängig davon bleibt Marienmünster für uns weiterhin eine wichtiger geistlicher und kulturell bedeutsamer Ort. Es braucht jetzt neue Überlegungen zur Belebung dieser Klosteranlage. Die Geplanten Baumaßnahmen müssen jetzt natürlich überprüft werden, doch wird das Erzbistum weiter in Marienmünster investieren«, so Kurte.

Der Architekt, der Kirchenvorstand und die Bauabteilung des Erzbischöflichen Generalvikariats seien dazu bereits in Gesprächen, um sich den notwendigen Baumaßnahmen für die Gemeinderäume zu stellen. Wie viel von der ursprünglichen Planung des Umbaus für die Gemeinde St. Martin am Ende übrig bleibt, konnten die Vertreter des Erzbistums noch nicht sagen.

Personelle Verstärkung

Fakt ist bis dato aber schon einmal, dass der Standort personell gestärkt wird. »Uns ist bewusst, dass der Pastorale Raum Steinheim/Nieheim/Marienmünster nun personell gestärkt werden muss. Der Einsatz eines weiteren Priesters ist geplant und die Stelle wird nun umgehend ausgeschrieben.

Dass dieser dann jedoch in der Abtei wohnen würde, erscheint derzeit mehr als fraglich. »Die Räumlichkeiten sind eher für eine Gemeinschaft geeignet als für eine einzige Person«, meinte Monsignore Kurte. Ob es gelingt, eine Gemeinschaft nach Marienmünster zu locken, steht jedoch in den Sternen.

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