WESTFALEN-BLATT-Serie zur Selbsthilfe-Woche: MS-Kontaktkreis stellt sich vor
Gemeinschaft, Zusammenhalt, Vertrauen

Höxter (WB). »Keiner sieht’s, eine spürt’s: Wenn Lydia Dabringhausen die Karte mit dem Leitwort des Welt-MS-Tages« am 30. Mai in die Kamera hält, dann strahlt sie Lebensfreude aus. Diese lässt sich die 50-Jährige nicht nehmen – auch wenn sie diejenige ist, die spürt, um was es in der Kampagne geht. Lydia Dabringhausen hat MS (Multiple Sklerose). Und steckt den Kopf nicht in den Sand.

Dienstag, 21.05.2019, 14:51 Uhr aktualisiert: 22.05.2019, 18:26 Uhr
»Die Krankheit steht mir nicht auf der Stirn geschrieben«, sagt Lydia Dabringhausen. Mit viel Herz und Tatkraft leitet die Höxteranerin den MS-Kontaktkreis. Foto: Claudia Warneke
»Die Krankheit steht mir nicht auf der Stirn geschrieben«, sagt Lydia Dabringhausen. Mit viel Herz und Tatkraft leitet die Höxteranerin den MS-Kontaktkreis. Foto: Claudia Warneke

Mit dem MS-Kontaktkreis Corvey und Umgebung, den die Höxteranerin seit zehn Jahren beherzt und tatkräftig leitet, startet das WESTFALEN-BLATT heute seine kleine Serie zur »Aktionswoche Selbsthilfe«. 45 Mitglieder gehören dem Kreis an. Die Altersspanne liegt zwischen 18 und 75 Jahren. Sie alle machen an den Gruppenabenden und bei den weiteren Angeboten die Erfahrung, dass der Austausch mit anderen Betroffenen und das Verständnis gut tut. »In der Gruppe sind wir uns gegenseitig eine Stütze«, bringt Lydia Dabringhausen auf den Punkt, was Selbsthilfe so wertvoll macht. Wenn aus dem Kreis jemand den Kopf in den Sand steckt, bauen die anderen ihn oder sie wieder auf. »Gemeinschaft, Zusammenhalt, Vertrauen – eigentlich sind wir schon fast wie eine Familie geworden. Mir bedeutet die Gruppe alles«, schildert die Leiterin ihr Empfinden.

Diagnose 2003

Sie selbst hat die Diagnose 2003 bekommen. Zunächst war sie davon überzeugt, dass sie eine Selbsthilfegruppe nicht brauche. »Als es dann schlimmer wurde, dachte ich, ›Geh ruhig mal hin. Vielleicht bekommst du dort ein paar Tipps...‹« Bei dem einen Besuch blieb es nicht. Lydia Dabringhausen fühlte sich schnell in der Gruppe wohl, hatte sehr bald die stellvertretende Leitung und übernahm die Gruppe schließlich vor zehn Jahren. Im Landesverband NRW der Deutschen-Multiple-Sklerose-Gesellschaft gehört die Höxteranerin dem Beirat der Kontaktkreise an. Ihr eigene Geschichte erzählt die Mutter zweier Töchter ganz offen. »Ich glaube, dass ich die Erkrankung schon seit 1991 habe.« Lydia Dabringhausen stellte motorische Störungen an sich fest. Die Hände wurden taub, die Füße kribbelten. »Ich hatte das Gefühl, ich gehe auf einem Ameisenhaufen.« Hinzu kamen noch Sehstörungen. Das häufige Stolpern deutete sie zunächst als Ungeschicklichkeit. »Die Diagnose dauert bei vielen MS’lern lange«, sagt Lydia Dabringhausen. So auch bei ihr. »Ich kam mir vor wie ein Hypochonder. Als dann endlich klar war, was ich habe, war es Schock und Erleichterung zugleich.«

»Man muss nicht allein sein«

Eine medikamentöse Basistherapie hat die 50-Jährige noch nicht benötigt. »Bei Schüben war in den ganzen Jahren drei oder viermal eine Cortison-Stoßtherapie nötig. Damit bekommen wir es bei mir in den Griff. Ich weiß, was es ist und muss damit leben. Ich nehme es an und mache das Beste draus.« Mit dieser Grundhaltung ist die Leiterin der Gruppe eine Stütze. Anderen Betroffenen legt sie ans Herz, beim Kontaktkreis vorbeizuschauen. »Den Kopf nicht hängen lassen, stark sein, das Gespräch suchen«, heißt ihre Devise. »Man muss mit der Erkrankung nicht allein sein. Und man muss sich nicht – wie nach außen hin – rechtfertigen.«

Treffen

Der MS-Kontaktkreis trifft sich an jedem zweiten Donnerstag im Monat um 19 Uhr im Konferenzraum des St.-Ansgar-Krankenhauses Höxter. Hinzu kommt ein Spieleabend an jedem dritten Donnerstag um 18 Uhr im Hotel Stadt Höxter. Hier geht es unter anderem um kognitives Training. Jeden Dienstag treffen sich die MS-Kranken zum Reha-Sport in der WBK. Über Behandlungsstrategien und Medikamente hält sich die Gruppe regelmäßig bei Veranstaltungen auf dem Laufenden. Im Kreishaus stellt sich der MS-Kontaktkreis am Freitag, 24. Mai, vor. Ihr Engagement verbindet die agile Vorsitzende mit einer Vision: »Ich wünsche mir, dass alle Menschen so lange und so gut wie möglich am gesellschaftlichen Leben teilhaben und auch die Alten und die Kranken dabei nicht vergessen werden.« Zu erreichen ist Lydia Dabringhausen unter Telefon 05271/37133, E-Mail Dabringhausen.Hoexter@t-online.de

Multiple Sklerose

Multiple Sklerose ist eine entzündliche Erkrankung des Zentralen Nervensystems, die das Gehirn und das Rückenmark umfasst. Sie beginnt meist im frühen Erwachsenenalter. »Die Krankheit lässt noch viele Fragen unbeantwortet und ist in Verlauf, Beschwerdebild und Therapieerfolg so unterschiedlich, dass sich allgemeingültige Aussagen nur bedingt machen lassen. Aus diesem Grund ist MS auch als ›Krankheit mit den 1000 Gesichtern‹ bekannt.«, informiert die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) auf ihrer Homepage. Die Erkrankung ist, wie die DMSG hervorhebt, nicht ansteckend, nicht zwangsläufig tödlich und kein Muskelschwund. »Auch die Vorurteile, dass MS in jedem Fall zu einem Leben im Rollstuhl führt, sind so nicht richtig.«

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