Europawahl: Union und Sozialdemokraten im Kreis Höxter müssen herbe Verluste einstecken
Grüne werden zweitstärkste Kraft

Höxter (WB). Die Europawahl im Kreis Höxter hat zu einer deutlichen Kräfteverschiebung geführt. CDU und SPD schnitten historisch schlecht ab. Die Union kam nur auf 39,9 Prozent. Als Gewinner dürfen sich die Grünen fühlen. Sie erreichten zehn Prozentpunkte mehr als bei der Wahl 2014. Mit knapp 16,9 Prozent lagen sie vor der SPD (16,5 Prozent). In absoluten Zahlen ausgedrückt sind das 327 Stimmen.

Montag, 27.05.2019, 08:01 Uhr aktualisiert: 27.05.2019, 10:23 Uhr
18 Uhr im Höxteraner Stadthaus, die Urne wird geleert. An die Auszählung machen sich (von links) Georg Beverungen, Darlean Düker, Martin Irgang, Daniel Fahle, Noah Potthast, Alexandra Schodrowski und Holger Dittrich. Foto: Dennis Pape
18 Uhr im Höxteraner Stadthaus, die Urne wird geleert. An die Auszählung machen sich (von links) Georg Beverungen, Darlean Düker, Martin Irgang, Daniel Fahle, Noah Potthast, Alexandra Schodrowski und Holger Dittrich. Foto: Dennis Pape

Europawahl im Kreis Höxter

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  • Foto: Michael Robrecht
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Die AfD erreichte demnach 8,3 Prozent, die FDP kam auf 6,5 Prozent, die Linke holte ebenfalls 3,2 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag bei 61,7 Prozent. Bei den kleinen Parteien ragte »Die Partei« mit 1100 Stimmen (1,6 Prozent) heraus.

Stimmen zur Wahl

Christian Haase, CDU-Kreisvorsitzender: »Das Wahlergebnis kann nicht zufrieden stellen. Wir liegen noch unter dem Ergebnis der letzten Bundestagswahl. Der Bundestrend schlägt auch im Kreis Höxter voll durch. Das CDU-Ergebnis lässt sich auch mit dem hohen Zuspruch der Grünen erklären. Die Grünen besetzen nur ganz wenige Themen, aber die sind zurzeit wie der Klimaschutz en vogue. Bei den jüngeren Wählern haben wir Schwierigkeiten, Stimmen zu bekommen. Auch das Rezo-Video hat Einfluss genommen. Ich bin nicht glücklich, wir müssen an unserer Kommunikation arbeiten, Trends besser erkennen und Positionen besser nach außen tragen. Unser Gegner ist nach den Wahlergebnissen gar nicht mehr die SPD – es sind die Grünen. Noch ein Satz zur Großen Koalition: Wir haben einen guten Koalitionsvertrag, den wir nicht kurzfristig aufkündigen sollten. Wir sollten die SPD trotz des schlechten Ergebnisses bitten, nicht zu sagen: ›Wir steigen aus.‹«

Ricardo Blaszczyk, Sprecher der Grünen: »Wir sind schon am Feiern. Ein Ergebnis deutlich im zweistelligen Bereich ist ein Mordssprung nach oben für uns. Im Vergleich zur Wahl 2014 haben wir unser Ergebnis sogar fast verdreifachen können. Das zeigt, dass wir mit unseren Schwerpunkt-Themen – Klima, Umwelt und Soziales – bei den Wählern gepunktet haben und diese Themen mittlerweile auch in der Mitte der Gesellschaft angekommen sind. Dieser Verantwortung wollen wir uns jetzt stellen.«

Ich bin nicht glücklich, wir müssen an unserer Kommunikation arbeiten, Trends besser erkennen und Positionen besser nach außen tragen.

Christian Haase

Marion Ewers, kommissarische Vorsitzende des FDP-Kreisverbandes: »Wir haben die Menschen im Land wieder überzeugen und begeistern können. Auch mit unserem Hauptthema, der Digitalisierung. Ich glaube, dass unsere Partei zu alter Stärke zurückgefunden hat. Eine wesentliche Aufgabe für die Zukunft muss es nun sein, rechtspopulistischen Gruppen wie der AfD den Nährboden zu entziehen.«

Helmut Lensdorf, SPD-Kreisvorsitzender: »Die Ergebnisse der Europawahl sind für die SPD sehr enttäuschend. Die Voraussagen waren bereits schlecht. Gleichwohl sind wir engagiert für ein soziales Europa im Wahlkampf eingetreten. Die Große Koalition in Berlin ist nach wie vor aus Sicht vieler Bürgerinnen und Bürger kein »Gewinnerthema«. Klar ist auch, dass das aktuelle Megathema Klimapolitik den Grünen erhebliche Sympathien eingebracht hat. Die SPD wird auf allen Ebenen die Fehler klar benennen und korrigieren müssen. Das Wahlverhalten der Menschen ist inzwischen sehr differenziert. Wir sehen das auch an den Ergebnissen im Kreis Höxter. Es fordert die demokratischen Parteien zu deutlichem Meinungsstreit auf und gleichzeitig zu fairem Umgang miteinander. Das ist auch ein gutes Rezept gegen Extremismus.«

Klaus Meyer, Sprecher der AfD im Kreis Höxter , besuchte gestern eine Wahlparty in Berlin: »Das ist eigentlich ein recht gutes Ergebnis für die AfD. Wir haben unser Resultat im Kreis Höxter ungefähr verdoppelt. Das zeigt, dass sich der Einsatz bei verschiedenen Wahlveranstaltungen gelohnt hat. Ich freue sich bereits jetzt auf den Kommunalwahlkampf. Die AfD ist im Kreis Höxter gut aufgestellt.«

Kommentar

Die CDU verliert auch im Kreis Höxter deutlich. Die Grünen werden zweistellig, überholen in einigen Kommunen sogar die SPD und werden kreisweit in der Summe zweitstärkste (!) Kraft. Die Europawahl hat die politischen Verhältnisse in der Region drastisch verändert. Die CDU bleibt zwar vorne, aber erstmals knapp unter 40 Prozent auf Kreisebene.

Wie es aussieht, schlägt der Bundestrend voll durch, dass viele Menschen den Klimaschutz – eines der brennenden Themen unserer Zeit – weit oben ansiedeln und in dieser Frage am ehesten den Grünen vertrauen. Antworten haben auch die großen Volksparteien. Überzeugen konnten sie aber wohl nicht. Im Diskurs über die besten Ideen liegt der Ball jetzt auch bei den Jugendorganisationen von Union und SPD im Feld. Denn der Klimaschutz treibt die junge Generation um.

Erfreulich ist, dass populistische Parteien klein geblieben sind. Und dass die Wahlbeteiligung in der Region auf 61,7 Prozent kam. Das ist zwar eigentlich zu wenig, es hätte aber schlimmer sein können. Sabine Robrecht

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