»KulturGesellen« präsentieren nach Abschluss der Workshops ihre Arbeiten
Junge Künstler lernen von Profis

Höxter (WB). Experimentierfreudig, aber auch akribisch, hartnäckig, aber auch flexibel: Kreativität hat viele Facetten. 33 junge Menschen haben ihre Schöpferkraft und ihre Talente in beflügelnden Herbstferien-Workshops mit Profikünstlern entfalten können. Das Pilotprojekt »KulturGesellen« hat es möglich gemacht. Im Historischen Rathaus in Höxter präsentierten die jungen Talente jetzt ihre bemerkenswerten Gesellenstücke.

Montag, 21.10.2019, 11:41 Uhr aktualisiert: 22.10.2019, 07:14 Uhr
Sham (von links), Kiara, Sadeel (Shams Schwester), André Sedlaczek und die jüngste Teilnehmerin Maja (13). Foto: Sabine Robrecht
Sham (von links), Kiara, Sadeel (Shams Schwester), André Sedlaczek und die jüngste Teilnehmerin Maja (13). Foto: Sabine Robrecht

Jünge Künstler präsentieren ihre Gesellenstücke

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Bilder, Zeichnungen, Skulpturen, Reliefs, Installationen, textile Kunst: Die Workshops haben Werke in großer Bandbreite hervorgebracht. Drei Nachwuchs-Talente trugen ihre Gesellenstücke am Körper: Ein Oberteil mit Blusenärmeln und zwei Kleider zogen an ihren Schöpferinnen die Blicke auf sich. Lea verwandelte ein 18 Jahre altes Schützenfestkleid ihrer Oma in ein zeitgemäßes festliches Abend-Outfit.

»Eine Mammutaufgabe«, sagt Modedesignerin Laura Schlütz aus Steinheim, die den Workshop betreut hat. Lea wollte es schaffen – und saß kurz vor Schluss bis Mitternacht an der Nähmaschine, um die letzte Borde anzubringen. Dass sie vorher überhaupt nicht nähen konnte, ist kaum zu glauben.

Wagt es, auch wenn euer Umfeld Bedenken hat.

Laura Schlütz

Laura Schlütz erfreute sich an Lea und den weiteren Schülerinnen ihres Workshops. Und sie legte den jungen Menschen ans Herz, bei der Berufswahl mehr Mut zur Kreativität zu haben. »Versucht es, wenn es aus dem Herzen kommt. Wagt es, auch wenn euer Umfeld Bedenken hat.«

Stärken hervorheben

Diese Botschaft geht von allen sechs Workshops aus. Sebastian Ickrath aus Warburg (Grafik, Siebdruck) hält Kreativität aber auch generell für ein gutes Rüstzeug. »Sie ist überall einsetzbar – in allen Berufen. Selbst als Anwalt sind Kreativität und Flexibilität hilfreich.« Jeder Mensch habe andere Stärken. »Wenn man die hervorhebt und nicht die Schwächen, ist das ein guter Weg.«

Die Künstler sind ihn gegangen. Und haben die Jugendlichen mitgenommen und zu erstaunlichen Kreativleistungen angespornt. Alicija (15) aus Höxter hat im Siebdruck-Workshop bei Sebastian Ickrath ihr Lieblingsmotiv, einen Alpengipfel und die Sonne, als Münze in Szene gesetzt. Die Münze als Vorgabe kam ihr ganz gelegen. »Ich hatte so viele Ideen.«

Chaos im Kopf

Vivek (16) hatte, wie er sagt, zunächst gar keine Idee, als er bei Projektinitiator Manfred Webel (Paderborn, Bildhauerei, Kunst am Bau, Partizipationsprojekte) in den Workshop ging. Er spürte seinem »Chaos im Kopf« nach, sinnierte über die Definition des Begriffs »Idee« und entwickelte daraus sein Gesellenstück.

Ein solches Chaos, aber auch Gedanken und Gemütslagen sieht von außen niemand. Der Mensch kann sein Inneres gut hinter einer Fassade verstecken. Entsprechend undurchsichtig (und gleich) erscheinen die schwarzen Styropor-Elemente, die Vivek hintereinander angeordnet hat und die Köpfe darstellen. Zieht man die hinteren Köpfe seitlich heraus, kommt jeweils eine Glühbirne zum Vorschein. Sie ist, wie im Comic, die Idee. Die Birnen »leuchten« aber in unterschiedlichen Farben. »Diese Farben sind die Gedanken.«

Zum Beruf möchte Vivek sein Talent nicht machen. Er hat andere Pläne, will nach dem Abitur Finanzbeamter werden. »Die Kunst bleibt mein Hobby.«

Dali in tausenden Einzelzeichnungen

Wenige Schritte von seinem markanten Kunstwerk entfernt zog Salvador Dali an einer Wand der Markthalle des Rathauses die Blicke auf sich. Kiara hat bei André Sedlaczek (Detmold, Cartoon, Illustration) aus mehreren tausend kleinen Einzelzeichnungen ein großformatiges Portrait des exzentrischen Künstlers geschaffen. »Es hat 50 Stunden gedauert.« Dali wäre sicher begeistert.

Mit der Stadtsilhouette von Damaskus und einem Gedicht in arabischer Schrift erzählt Sham aus ihrer Heimat Syrien, die sie und ihre Familie vor vier Jahren verlassen mussten. Ein Portrait einer Frau mit Kopftuch hat sie am Vorabend der Präsentation noch gezeichnet – als Ermutigung auch für geflüchtete muslimische Frauen, ihre Religion offen zu zeigen und ihr Kopftuch zu tragen. »Auch mit Kopftuch sind Frauen schön.«

Schönheit und Selbstwahrnehmung

Die Diskrepanz zwischen Schönheit und Selbstwahrnehmung hat Monia beschäftigt. Im Workshop mit Elisabeth Brügger (Höxter, Skulptur, Grafik, Aktionen, Dialog-Projekte) hat sie einen Holzschnitt angefertigt. Botschaft: »Man ist schön – auch wenn man sich beim Blick in den Spiegel hässlich fühlt.«

Bei Elisabeth Brosterhus (Steinheim, Glasarbeiten, Wandmalerei) hat Carmen Neuland betreten: Sie hatte noch nie mit Acryl gearbeitet. Ihre Arbeiten können sich sehen lassen – so wie die Bilder von Hannah. Sie wollte ausprobieren, was mit Farben möglich ist. »Ich habe historische Farben selbst hergestellt«, unter anderem mit Quark. Eines ihrer Bilder aus dem Workshop, eine Landschaft, hängt sie auf jeden Fall in ihr Zimmer.

Kreis und Land fördern Workshops

Der Verein »Paderborner Kreaturen« hat das Projekt »KulturGesellen« initiiert. Manfred Webel betreut es federführend und arbeitet im Kreis Höxter mit Kulturmanagerin Bernadette Walker zusammen. Das Land NRW fördert die Initiative zu 50 Prozent. Die andere Hälfte übernimmt der Kreis mit Hilfe der Sponsoren Connext Vivendi, Andreas-Mohn-Stiftung und Westfalen Weser Energie.

Wir haben eine lebendige Kulturszene.

Gerhard Handermann

Kreis-Kämmerer Gerhard Handermann lobte das innovative Projekt bei der von Julia Ures moderierten Abschlusspräsentation im Historischen Rathaus. »Wir haben eine lebendige Kulturszene, die bestens vernetzt ist und die aber auch Nachwuchs braucht. Deshalb bin ich froh, dass der Verein ›Paderborner Kreaturen‹ dieses Projekt ins Leben gerufen hat.« Es diene auch der Berufsorientierung.

Gearbeitet haben die 33 Jugendlichen zwischen 13 und 21 Jahren in den Ateliers der Künstler. Manfred Webel aus Paderborn und André Sedlaczek aus Detmold haben, um ihren Schülern die Anfahrtswege zu verkürzen, im Korbmachermuseum in Dalhausen ihr Atelier »eröffnet«.

Kommentar

Das Projekt »KulturGesellen« hat bemerkenswerte Effekte erzielt. Junge Menschen haben in den Workshops mit Profi-Künstlerin ihr kreatives Potenzial entfaltet und teilweise sogar neue Seiten an sich entdeckt. Sie haben gesehen, dass Kunst nicht brotlos sein muss, sondern eine berufliche Perspektive sein kann. Sie sind an ihren Aufgaben gewachsen und haben Biss und Durchhaltevermögen entwickelt, um ihr selbst gestecktes Ziel zu erreichen. Genau so kommt man voran – auch und vor allem in der Kunst. Schön, dass junge Menschen diese ermutigende Erfahrung machen durften. Sie ist der Motor für Erfolg.

Die Kreativ-Offensive hat aber auch einen Austausch der Kulturen hervorgebracht. Wenn Sham aus Syrien ein bezauberndes Frauenportrait zeichnet, um zu signalisieren, dass Frauen auch mit Kopftuch schön sein können und sie den Mut haben mögen, es nach ihrer Flucht auch in Deutschland weiter zu tragen, dann befördert junge Kunst Verständnis, Toleranz und ein friedvolles Miteinander der Religionen.

Schon allein deshalb – und weil hinter jedem der Werke Gedanken mit Tiefgang und Esprit stehen – verdienen diese Gesellenstücke es, ausgestellt zu werden. Sie sind zu schade dafür, dass sie nach der Abschlusspräsentation gleich wieder ins Private verschwinden. Diese junge Kunst müsste vielmehr auf (Ausstellungs-)Wanderschaft durch den Kreis Höxter gehen – mitsamt ihren Botschaften und Entstehungsgeschichten, die zeigen, wie stolz das Kulturland auf seine Jugend sein kann. Sabine Robrecht

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