Tier in Bremerberg gerissen – Landesamt legt Fall zu den Akten
Schafhalter kritisieren LANUV

Bremerberg (WB). Es ist der 12. Oktober, ein Samstag: Alois Rodes Vater hat die Schafe auf der Weide in Bremerberg noch kontrolliert. Keine Auffälligkeiten. Am Sonntagmorgen dann der Verlust: Ein Schaf ist über Nacht gerissen worden. Rode geht davon aus, dass es ein Wolf erlegt hat. Ob es wirklich so ist, ist derzeit offen. Das Landesumweltamt (LANUV) hat den Fall zu den Akten gelegt. Schafhalter kritisieren das.

Freitag, 25.10.2019, 23:53 Uhr aktualisiert: 26.10.2019, 05:03 Uhr
Schafe, die auf der Weide stehen, können für Wölfe leichte Beute sein. Im Kreis Höxter hat es in diesem Jahr noch keinen bestätigten Riss eines Weidetieres durch einen Wolf gegeben, informiert Wolfsberaterin Friederike Wolff. Foto: Philipp Schulze/dpa
Schafe, die auf der Weide stehen, können für Wölfe leichte Beute sein. Im Kreis Höxter hat es in diesem Jahr noch keinen bestätigten Riss eines Weidetieres durch einen Wolf gegeben, informiert Wolfsberaterin Friederike Wolff. Foto: Philipp Schulze/dpa

Gerissene Weidetiere müssen dem Landesamt in Recklinghausen gemeldet werden. Nach dem Fund hatte Alois Rode Wolfsberaterin Friederike Wolff vom Landesbetrieb Wald und Holz kontaktiert, auch Ortrun Humpert, Landesvorsitzende des Schafzuchtverbandes, und ihr Mann Andreas waren zur Weide gekommen, um den Schaden zu besichtigen und aufzunehmen. Von dem toten Tier, das fast komplett aufgefressen war, wurden Fotos gemacht und eine DNA-Probe genommen, die für Untersuchungen ans LANUV geschickt wurde. Damit sollte geklärt werden, ob ein Wolf das Schaf gerissen hat.

DNA-Abgleich nicht sinnvoll

Jetzt hat das LANUV einen Bericht verfasst, in dem es heißt, dass das Schaf nicht von

Der Wolf in OWL

Das Landesamt Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW weist auf seiner Internetseite das Wolfsgebiet Senne aus. Zu diesem gehören vorrangig Teile der Kreise Gütersloh, Lippe, Paderborn und der kreisfreien Stadt Bielefeld. Zur »Pufferzone« gehört allerdings der Kreis Höxter mit seinen Städten Bad Driburg, Beverungen, Borgentreich, Brakel, Höxter, Marienmünster, Nieheim, Steinheim, Warburg und Willebadessen. Wolfssichtungen im Kreis Höxter hat es zuletzt im Juni dieses Jahres in Willebadessen (Fotobeleg) und im Juni 2018 in Marienmünster (Fotos) gegeben. Im November 2009 war zuletzt ein Nutztier von einem Wolf gerissen worden. Dieser Fall habe nach Angaben des Amtes in Borgentreich stattgefunden. In Löwendorf soll in diesem Sommer ein Wolf mit einer Nachtsichtkamera an einem Stall fotografiert worden sein. »Das Original des Fotos steht uns nicht zur Verfügung«, erklärt Friederike Wolff. Deshalb seien keine Untersuchungen in diese Richtung erfolgt.

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einem Wolf gerissen worden sei. »Es wird behauptet, dass das Tier länger als 48 Stunden tot war«, erklärt Rode. Aus diesem Grund sei eine DNA-Analyse nicht mehr sinnvoll, heißt es im Bericht. Rode ist der Meinung, dass Tatsachen verdreht werden.

Und auch Ortrun Humpert kritisiert die Reaktion des Landesamtes: »Die Begründung geht überhaupt nicht«, sagt sie. Am Sonntag hätten Temperaturen von etwa 27 Grad geherrscht. Hätte das Tier wirklich seit 48 Stunden auf der Weide gelegen, hätten geronnenes Blut und Fliegenmaden festgestellt werden müssen, erklärt sie. Und: »Eine Untersuchungsbehörde muss bereit sein, die Daten zu erheben.« Schließlich seien auch die Tierbesitzer angehalten, solche Fälle zu melden. »Es kann niemandem nützlich sein, die Daten nicht zu erheben.«

Runterreden hilft nicht

Auch wenn es sich in diesem Fall nicht um einen Wolf handeln sollte, sondern um einen Luchs oder einen Hund, wäre es wichtig, diese Erkenntnis zu gewinnen und Weidetierhalter zu informieren. Dafür, dass es keine Untersuchung gab, hat Humpert kein Verständnis. Es müsse zumindest der Versuch unternommen werden, den Verursacher zu identifizieren, meint Humpert. Zum Thema Wolf meint sie: »Panikmache ist genauso unangebracht wie Runterreden. Eine vernünftige Datenauswertung gehört dazu.«

Auch Alois Rode ist mit dem Bericht des LANUV unzufrieden und hat Einspruch eingelegt und ist der Meinung, dass hier versucht wird, »etwas unter den Tisch zu kehren«. Das Schaf sei am Morgen fast komplett aufgefressen gewesen. Dass es sich bei dem Täter um einen Fuchs handeln könnte, bezweifelt der Schafhalter. Ein Fuchs könne so große Mengen Fleisch nicht fressen und erlege auch keine Schafe. Im Bericht werde von Fressspuren gesprochen, die darauf hindeuteten, dass es sich nicht um einen Wolf handelt. »Ich weiß nicht, welche Spuren das sein sollen. Es war fast alles weggefressen«, kritisiert Rode.

Keine Untersuchung in Detmold möglich

Friederike Wolff, die den Fall ans LANUV weitergegeben hat, bestätigt, dass »der Fall zu den Akten gelegt« worden ist. Da das Schaf auch von innen aufgefressen worden war, sei auch eine veterinärmedizinische Untersuchung durch das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt in Detmold nicht mehr möglich gewesen. In diesem Jahr sei es der erste gemeldete Fall mit Verdacht auf einen Wolfsriss im Kreis Höxter gewesen.

Kommentare

Annegret Sproesser  schrieb: 26.10.2019 09:36
Selbsthilfe ist angesagt!
Aus diesem Grund haben wir den "Rissbegleiter" aus der Taufe gehoben. Wir bilden Menschen in vier Modulen aus, um die offizielle Rissaufnahme sachkundig zu begleiten. Der Rissbegleiter ist dazu da, dafür zu sorgen, dass die Rissaufnahme korrekt abläuft, die Proben korrkt genommen werden, dem Tierbesitzer eine B-Probe und eine Kopie des Rissprotokolls ausgehändigt wird. Die Ausbildung umfasst die Module Probennahme, Biologie und Verhalten der Wölfe, Kommunikation und Recht. Der Rissbegleiter steht dem, in der Regel erschütterten, Tierbesitzer auch emotional bei.
Eine Liste der Rissbegleiter findet man auf der homepage >woelfevsland.de<. Dort kann man sich auch über die nächsten Kurstermine informieren.
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