Di., 07.01.2020

Sitzt man im Trecker von Landwirt Florian Potthast aus Marienmünster, wirkt es wie im Hightech-Cockpit Landwirtschaft digital: mit Display und Drohne übern Acker

Landwirt Florian Potthast sitzt am Steuer eines Treckers mit verschiedenen Bildschirmen. Der Bauer betreibt modernes „smart farming“ und hat seine Landmaschinen mit speziellen digitalen Geräten ausgestattet, die ihn seine Arbeit effizienter machen lassen.

Landwirt Florian Potthast sitzt am Steuer eines Treckers mit verschiedenen Bildschirmen. Der Bauer betreibt modernes „smart farming“ und hat seine Landmaschinen mit speziellen digitalen Geräten ausgestattet, die ihn seine Arbeit effizienter machen lassen. Foto: dpa

Marienmünster (dpa). Wenn Florian Potthast mit seiner Zugmaschine GPS-gesteuert über den Acker fährt, flackern Zahlenreihen und Grafiken über die Displays an Bord. Sitzt man in seinem riesigen Schlepper, wirkt es wie im Hightech-Cockpit.

Florian Potthast steht mit einer Drohne in der Hand vor einem Trecker. Foto: dpa

Für den Landwirt aus NRW sind die drei Touchscreens zu seiner Rechten ganz zentral. Dass der Traktor mitsamt schwerer anhängender Maschine die exakte Fahrspur nimmt, wo genau wie viel Dünger aus welchen der Dutzenden Schläuchen abgegeben wird – das alles steuern spezielle Programme. Und die sind gut gefüttert mit Daten etwa um Wachstum der Pflanzen oder zur Beschaffenheit des Bodens.

Drohne liefert wichtige Erkenntnisse

Wichtige Informationen erhält Potthast auch aus der Luft, wie er erklärt. Denn mit einer Drohne fliegt er die Felder ab, und die liefert hochauflösende Bilder. So kann etwa Trockenheit oder Schädlingsbefall an einzelnen Stellen erkannt werden: „Wo ist der Boden besonders nass, wo sind sandige Ecken, an welcher Stelle wachsen die Pflanzen am besten, wo ist der Standort weniger gut – aus solchen gesammelten Daten erstelle ich Applikationskarten“, schildert der 33-Jährige. Die trägt er auf dem Handy immer mit sich. Potthast baut Wintergerste und -weizen an, Silomais, Zuckerrüben, Ackerbohnen. Und eine Biogas-Anlage gehört zum Hof im ostwestfälischen Marienmünster bei Höxter.

Dank Daten gezielt agieren

„Der Schlepper, die Düngemaschine, der Mähdrescher – alle Maschinen sammeln laufend Daten.“ Daraus kann der Landwirt seine Rückschlüsse ziehen - und gezielt agieren, wenn Pflanzen krank sind, gespritzt oder nachgedüngt werden muss. Die Saatgutmenge lässt sich akkurat bemessen und an den optimalen Stellen ausbringen. „Gut für die Umwelt und für unseren Geldbeutel“, fasst Potthast die Vorteile des „Smart Farmings“ zusammen. Mit ausgefeilter Software und Technik präzise und bedarfsgerecht zu sähen, wässern und düngen, wirke sich positiv auf den Ertrag aus. Und er spare bis zu 15 Prozent Saatgut, Pflanzenschutzmittel und Dünger.

Auf dem Feld noch viel Luft nach oben

Die Digitalisierung in der Landwirtschaft läuft. In der Tierhaltung ist man schon weiter als im Pflanzenbau, sagt Experte Burkhard Wrenger von der Technischen Hochschule Ostwestfalen-Lippe (Lemgo). Er leitet dort den bundesweit ersten Studiengang „ Precision Farming “ – präzise Landwirtschaft mithilfe von digitaler Technologie, intelligenten Maschinen, GPS, Sensoren und Robotersystemen. Während im Stall das Füttern und Melken mancherorts schon vollautomatisch laufe, sei auf dem Feld noch viel Luft nach oben, erläutert Wrenger. Mit seinen Studenten, die Agrarwissenschaft, Landmaschinentechnik und IT lernen, kommt Wrenger auch gerne zum Potthast-Hof.

Völlig autonom fahrender Traktor vorgestellt

Noch nicht viele Landwirte im Pflanzenbau sind so digital unterwegs wie Florian Potthast – von 10 bis 20 Prozent bundesweit geht Wrenger aus. Technisch machbar sei schon sehr viel mehr als in der Praxis auf dem Acker angewendet werde. So habe ein Hersteller jüngst einen völlig autonom fahrenden Traktor vorgestellt. Und: „In China werden schon seit Jahren Drohnen eingesetzt, die geschädigte Pflanzen erkennen und selbstständig je nach Krankheitsdruck die nötige Menge Pflanzenschutzmittel ausbringen.“ In Deutschland seien sie bisher nicht verbreitet.

Feldroboter erkennt und zupft Unkraut

Großes Potenzial sehen Wrenger und Potthast auch für einen Feldroboter, der Unkraut selbst erkennt und auszupft. Der werde wohl in den nächsten Jahren marktreif. Allerdings sei das Umsteuern auf eine Landwirtschaft 4.0 mit hohen Kosten verbunden. „Die Technik ist recht teuer. Wir haben uns mit unseren Maschinenparks mit mehreren Betrieben zusammengetan“, sagt Potthast.  

Die Abläufe auf den zunehmend vernetzten Höfen ändern sich. Ebenso das Berufsbild, glaubt Uta Wilkens vom Institut für Arbeitswissenschaft an der Uni Bochum. Sie ist beteiligt an einem neuen, vom Bund geförderten Projekt zur digitalen Transformation im Pflanzenbau. Die zu klärenden Fragen: Wie genau wandelt sich die Arbeitswelt künftig, wo stehen die Betriebe auf dem Weg zur digitalen Landwirtschaft. Und wie sieht es aus mit ihren Kompetenzen, welche Schulungen sind nötig?

Ziele: hoher Ertrag, Ressourcenschonung, weniger Chemie und Düngung

Auch die Möglichkeiten der Feldrobotik werden dort untersucht. Forscherin Wilkens ist überzeugt, dass diese künftig eine größere Rolle spielen wird. Hoher Ertrag für die Betriebe sei das Ziel, ebenso Ressourcenschonung sowie weniger Chemikalien und Düngung. Eine Chance auch, wenn man an den umstrittenen Unkrautvernichter Glyphosat oder die gerügte hohe Nitratbelastung im Grundwasser durch Überdüngung denke. „Die Landwirtschaft der Zukunft könnte stärker in Richtung ökologische Bewirtschaftung gehen.“

Die Bauern werden zudem entlastet. „Man geht ganz anders raus aus so einem langen Tag. Es ist weniger Stress, als wenn man alles händisch machen muss“, sagt Potthast. „Etwas Spaß an digitaler Technik muss man schon haben. Man sollte offen sein für Neues. Betriebswirtschaftlich lohnt es sich auf jeden Fall.“

Kommentare

Und ich dachte immer, 5G an jeder Milchkanne sei nicht notwendig. Sagt jedenfalls Frau Karliczek. Bitte nicht alles glauben, was da so erzählt wird.

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