Konzert „in memoriam“ mit 90 internationalen Sängern
Vier Hände an einem Flügel

Marienmünster (WB). Im Konzertsaal der Abtei Marienmünster stehen am Freitagnachmittag diverse Flügel. Die Vorbereitungen für den Regionalwettbewerb „Jugend musiziert” an den zwei folgenden Tagen laufen. Doch bevor sich junge Talente an den Flügel setzen, um für die Jury und das Publikum zu spielen, überzeugt sich der Pianist Eric Jan Joosse vom Klang der Instrumente.

Montag, 27.01.2020, 00:04 Uhr aktualisiert: 27.01.2020, 05:02 Uhr
Eine Delegation des niederländischen Chores „Amicitia” hat die Abtei und Hans-Hermann Jansen (3. von links) besucht: (von links) Pianist Eric Jan Joosse, Manager des Projekts Hans van den Berghe, Dirigent Toon de Graaf, Vorsitzender Peter Lucas und Projektassistentin Karen Hansmeier (Klosterlandschaft OWL). Foto: Angelina Zander
Eine Delegation des niederländischen Chores „Amicitia” hat die Abtei und Hans-Hermann Jansen (3. von links) besucht: (von links) Pianist Eric Jan Joosse, Manager des Projekts Hans van den Berghe, Dirigent Toon de Graaf, Vorsitzender Peter Lucas und Projektassistentin Karen Hansmeier (Klosterlandschaft OWL). Foto: Angelina Zander

Er ist auf der Suche nach dem perfekten Klang für ein Konzert, das am Samstag, 9. Mai, im Saal veranstaltet wird. Ein Flügel, vier Hände und knapp 90 Musiker: Das ist die Szenerie, die sich den Besuchern an diesem Tag bieten wird. Knapp 60 Sänger werden aus den Niederlanden kommen. Sie gehören dem Chor „Amicitia” an, der zum ersten Mal in Marienmünster zu hören sein wird. Eine Delegation, bestehend aus dem Vorsitzenden Peter Lucas, dem Dirigenten Toon de Graaf, dem Pianisten Eric-Jan Joosse und dem Manager des Projekts, Hans van den Berghe, hat der Abtei am Freitag einen Besuch abgestattet. „Die Umgebung ist formidable”, schwärmt Eric Jan Joosse. „Die Konzerthalle hat eine sehr reiche Akustik”, meint Toon de Graaf.

Mit dem Bus aus den Niederlanden

Davon werden sich die Sänger des Chores „Amicitia” erst im Mai überzeugen können. Einen Tag vor ihrem Auftritt werden sie mit dem Bus aus den Niederlanden anreisen – und auf die anderen Sänger treffen. Hans-Hermann Jansen, Mitglied des Vorstands der Kulturstiftung Marienmünster, konnte für das Konzert unter anderem Sänger des Chœur Les Temperamens Variations aus Paris, der Detmolder Chorgemeinschaft Cantus Novus und eines Chores aus Wesel gewinnen. Jansen (Bariton) wird ebenso als Solist zu hören sein wie Irina Trutneva aus Russland (Sopran). Pianist Eric Jan Joosse wird darüber hinaus Unterstützung am Flügel von Olga Malinka bekommen. Joosse ist der „feste“ Pianist von „Amicitia”. „Ich habe noch einen zweiten Chor und ich bringe deren Pianistin mit“, erklärt Dirigent Toon de Graaf. Meistens behindere man sich beim vierhändigen Spiel am Klavier bei dem Requiem nicht, meint Eric-Jan Joossen. „Nur einmal, da kommen wir uns etwas in die Quere”, scherzt er. Das Konzert in Marienmünster trägt den Titel „in memoriam”.

Gesungen wird auf Wunsch der Niederländer „Ein deutsches Requiem“ von Johannes Brahms, arrangiert für das Klavier. Es wäre auch möglich gewesen, das Stück mit einem Orchester aufzuführen. „Mit einem Klavier ist der Chor deutlicher zu hören”, erklärt Toon de Graaf. Bei einem Konzert mit Orchester bestehe hingegen die Gefahr, dass die Sänger untergehe. Am Freitag, 8. Mai, wird es eine gemeinsame Probe geben – der einzige Probentag für alle Musiker zusammen. Aber auf diesen legt Hans-Hermann Jansen großen Wert. „Es muss geprobt werden“, sagt er beim Besuch der Delegation. Weil die Niederländer eine weite Anreise mit dem Bus haben, würden sich die Chöre dafür zwischen Münster und Paderborn in der Klosterlandschaft OWL treffen, erklärt Jansen.

Wichtiges Projekt für die Klosterlandschaft

Auch für die Klosterlandschaft sei es ein wichtiges Projekt, betont er. Der „Europachor“, wie Jansen ihn nennt, mit Sängern aus Frankreich, den Niederlanden und Deutschland kommt für ein Gedenkkonzert für die Opfer des Krieges zusammen. Der Anlass: 75 Jahre Kriegsende und Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz. „Es gibt Anfeindungen und Rassismus, weil die Leute nicht wissen, wie schrecklich es gewesen ist”, meint Jansen. In Deutschland gebe es keine Erinnerungskultur wie in den Niederlanden. Hans van den Berghe berichtet, dass jährlich am 5. Mai in Holland das Kriegsende gefeiert werde. Hier liegt der Fokus besonders auf der Freiheit. Am 4. Mai werde den Toten gedacht. Man nehme sich am Abend einen Moment, um zu schweigen. Und: „Auf vielen Plätzen werden Konzerte gegeben und vor allem Requiem gespielt”, erzählt er. „Ihr schenkt uns ein Stück Erinnerungskultur”, meint Hans-Hermann Jansen. „Wir dürfen etwas annehmen und bewusst machen.” Schon häufiger war Hans van den Berghe mit Chören zu Gast in Marienmünster. Den Besuch nennt Jansen „die größte und schönste Geste der Freundschaft”. In Leipzig, Paris, Prag und Berlin habe “Amicitia” schon gesungen, sagt van den Berghe. Nun habe man erneut Lust gehabt, zu reisen. Karten für das Konzert am Samstag, 9. Mai, um 18 Uhr im Konzertsaal der Abtei gibt es zum Preis von 25 Euro per E-Mail an karten@kulturstiftung-marienmuenster.de. Ermäßigt kosten die Karten 20 Euro.

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