Einzelhändler im Kreis Höxter lassen sich in der Corona-Krise etwas einfallen
Wenn die Unterwäsche per Taxi kommt

Höxter/Warburg/Brakel (WB). Lebensmittelläden dürfen nur noch begrenzt öffnen, andere Geschäfte sind geschlossen, direkte Kontakte sollen so weit wie möglich vermieden werden. Deshalb setzen viele Geschäfte im Kreis Höxter in der Corona-Krise auf Lieferservices. Das WESTFALEN-BLATT hat mit einigen exemplarisch gesprochen.

Samstag, 21.03.2020, 06:00 Uhr aktualisiert: 21.03.2020, 13:18 Uhr
Dorfladen-Geschäftsführer Marcel Rehermann und Mitarbeiterin Sabrina Lange packen eine Lieferung in den Kofferraum. Das Dringenberger Geschäft bietet in den umliegenden Dörfern Lebensmittellieferungen nach Hause an. Foto: Dennis Pape
Dorfladen-Geschäftsführer Marcel Rehermann und Mitarbeiterin Sabrina Lange packen eine Lieferung in den Kofferraum. Das Dringenberger Geschäft bietet in den umliegenden Dörfern Lebensmittellieferungen nach Hause an. Foto: Dennis Pape

Dorfladen Dringenberg

Rund um den Dringenberger Dorfladen engagieren sich derzeit noch mehr Bürger als in Vor-Corona-Zeiten – den Lieferservice hat die von allen ansässigen Vereinen gegründete Initiative „Dringenberg hilft sich“ übernommen. „Wir liefern in Dringenberg, Siebenstern, Kühlsen, Schmechten, Altenheerse und Neuenheerse jetzt auch ohne Mindestbestellwert und auch Getränke. Bestellt werden kann von 7 bis 12 Uhr unter 05259/9322699 – dann versuchen wir, noch am gleichen Tag zu liefern“, erklärt Geschäftsführer Marcel Rehermann. Kunden könnten ihre Dorfladenkarte vor Ort aufladen und im Geschäft liegen lassen. Dann würde direkt abgebucht. Außerdem sei auch eine Überweisung nach der Lieferung möglich. Bargeld sollte aus Hygienegründen nicht verwendet werden. „Unsere Helfer kündigen sich an und stellen die Waren vor die Tür“, betont Rehermann, der das Engagement der Dringenberger lobt: „Die Solidarität ist atemberaubend.“ Der Dorfladen hat derzeit montags bis samstags von 6 bis 13 Uhr geöffnet, sonntags bis 10.30 Uhr. Es dürfen drei Kunden gleichzeitig einkaufen, vor dem Laden müssen Mindestabstände von zwei Metern eingehalten werden. Darum kümmern sich ebenfalls ehrenamtliche „Ordner“, die von den Vereinen im Schichtdienst gestellt werden.

Taxi im Einsatz

In den Dienst der Allgemeinheit möchte sich auch Taxiunternehmer Martin Nolte aus Nieheim stellen – er hat dem ortsansässigen Rewe-Markt angeboten, Waren unentgeltlich auszuliefern. „Wir haben derzeit Kapazitäten. In erster Linie fahre ich, einige Mitarbeiter haben sich ebenfalls bereit erklärt“, sagt Nolte. Sehr glücklich über diese Zusammenarbeit ist Rewe-Marktleiter Björn Wakup: „Wir liefern bereits seit Jahren in Nieheim und Umgebung – jetzt brauche ich die Mitarbeiter mehr denn je im Markt. Deshalb nehmen wir die Bestellungen unter Telefon 05274/95102 von 6 bis 21 Uhr entgegen, verpacken die Waren und geben sie dann an das Taxiunternehmen weiter. Bestmöglich sollte bar gezahlt und auf Sicherheitsabstand geachtet werden“, sagt er. Geliefert wird bis 15 Kilometer rund um Nieheim.

Schuhe werden digital

In der Käsestadt werden auch Schuhe ab sofort nach Hause geliefert, wie Anna Reineke vom gleichnamigen Schuhgeschäft erläutert: „Unter www.schuh-reineke.de haben wir ein digitales Schaufenster, das fortlaufend aktualisiert wird. Bestellt werden können auch mehrere Exemplare per Mail oder unter Telefon 05274/442 – wir stellen sie mit einem Messgerät vor die Tür und holen den Rest am nächsten Tag wieder ab. Gezahlt werden könne bar oder am besten per Überweisung, weitere Erläuterungen gebe es individuell. „Wir wollen und müssen die Infrastruktur in unserer Heimat aufrecht erhalten und auch dem Onlinehandel Paroli bieten“, sagt Anna Reineke.

Blumen per Kurier

Ebenfalls in Nieheim ist das Blumenhaus Drewes beheimatet, das unter Telefon 05274/1228 zu erreichen ist. „Wir beliefern unsere Kunden mit unserem kompletten vorhandenen Sortiment und melden auch alle individuellen Wünsche bei unseren Lieferanten an“, erläutert Ann-Kathrin Drewes. Die Waren würden auf Vertrauensbasis vor die Tür gestellt, Bezahlmöglichkeiten zuvor abgesprochen.

Wäsche vor die Tür

Silke Greitemeier vom „SiG feine Wäsche“ liefert in Bad Driburg und Umgebung sogar Unterwäsche für Damen und Herren in der Corona-Krise. „Die Lage ist dramatisch – als Eine-Frau-Unternehmen muss ich in dieser Zeit neue Wege gehen. Deshalb verschicke ich Waren per Post und fahre abends in der Nähe auch selbst zu den Kunden.“ Die Wäsche würde aus desinfizierten Hände in eben solche übergeben – das sei Voraussetzung. Die Kollektionen könnten bei Facebook betrachtet und per Mail an info@sig-driburg.de sowie unter Telefon 05253/9745787 bestellt werden. Bezahlt würde im besten Fall per Überweisung.

Bücher im Weinladen

„Wir halten – bei geschlossener Tür – unseren Laden offen“ lautet auch das Motto bei der Buchhandlung Saabel in Bad Driburg. „Wir liefern kostenfrei bis an die Haustür, außerdem können die Bücher auch bei unseren Nachbarn – im Delikatessenladen Weinglas – abgeholt werden“, erklärt Bettine Saabel. Während der Geschäftszeiten sei immer jemand erreichbar –unter Telefon 05253/4596 oder im Webshop (www.saabel-buch.de). „Wir brauchen unsere Kunden jetzt besonders und glauben auch, dass Bad Driburg eine lebendige Buchhandlung braucht“, sagt Bettine Saabel. Dieses Angebot haben mehrere Buchhändler im Kreis aufgebaut.

Klosterladen

Auch der Klosterladen der Abtei vom Heiligen Kreuz Herstelle nimmt Bestellungen per Mail entgegen. „Wir versenden die Artikel per Post“, teilen die Benediktinerinnen mit. Weitere Informationen und einen Internet-Shop gibt es unter www.abtei-herstelle.de.

Wurst kommt kontaktlos

In Willebadessen hat derweil auch die Fleischerei Vogt mit vielen Ausfällen in den Bereichen Partyservice und Laufkundschaft zu kämpfen, wie Elke Vogt erklärt. „Wir haben unseren Laden weiterhin geöffnet, liefern nun aber auch nach Hause. Es ist wichtig, jetzt neue Wege zu gehen“, sagt sie: „Wir müssen in Krisenzeiten an einem Strang ziehen – deshalb bieten wir einen kostenlosen und kontaktlosen Lieferservice im Umkreis von zehn Kilometern an.“ Unter Telefon 05646/607 könnten Bestellungen aufgegeben und ein Termin ausgemacht werden. „Wir stellen eine schwarze Thermobox vor die Tür, geben ein Signal und entfernen uns vorerst. Der Kunde entnimmt die Ware und legt den möglichst passenden Betrag in eine Schachtel. Nachdem die Haustür wieder geschlossen wurde, nehmen wir beide Behälter wieder mit“, erklärt die Willebadessenerin das Prozedere.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7337170?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198395%2F2851045%2F
Bundespräsident macht Bevölkerung Mut
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier setzt sich einen Mund-Nasen-Schutz auf.
Nachrichten-Ticker