Mitarbeiter von „Jung und Alt“ in Kollerbeck wollen unbürokratisch helfen
Pflegende Angehörige entlasten

Marienmünster-Kollerbeck (WB/gw). Unbürokratisch, schnell und kostenlos – das sind die drei wesentlichen Eigenschaften, die das spontan entstandene Angebot des Pflegedienstes „Jung und Alt“ auszeichnen. Das Team rund um Geschäftsführer Andreas Fuhrmann möchte pflegenden Angehörigen, die in der aktuellen Situation überfordert sind, unkomplizierte Unterstützung ermöglichen.

Donnerstag, 16.04.2020, 22:42 Uhr aktualisiert: 17.04.2020, 07:08 Uhr
Das Team von Jung und Alt möchte pflegenden Angehörigen in der aktuellen Notsituation eine Stütze bieten: (von links) Pflegedienstleitung Stefanie Pietruschka, Pressesprecher Thomas Knopf und Geschäftsführer Andreas Fuhrmann. Foto: Greta Wiedemeier
Das Team von Jung und Alt möchte pflegenden Angehörigen in der aktuellen Notsituation eine Stütze bieten: (von links) Pflegedienstleitung Stefanie Pietruschka, Pressesprecher Thomas Knopf und Geschäftsführer Andreas Fuhrmann. Foto: Greta Wiedemeier

„Die Initialzündung hat eine Berichterstattung über die problematische Lage vieler pflegender Angehöriger ausgelöst“, erklärt Fuhrmann über die Entstehung des Angebots, welches er am Mittwoch spontan mit Pflegedienstleiterin Stefanie Pietruschka und Pressesprecher Thomas Knopf auf die Beine gestellt hat. Die Tagespflege ist in ganz Nordrhein-Westfalen bis auf eine Notbetreuung geschlossen, viele osteuropäische Haushaltshilfen stehen aufgrund der Reisebeschränkungen nicht mehr zur Verfügung und auch ein übermäßiger Kontakt mit stetig wechselnden Angehörigen sollte bei Patienten in der Risikogruppe tunlichst vermieden werden. „Viele pflegende Angehörige leiden unter diesen Einschränkungen und befinden sich in einer Notsituation“, schlussfolgert Fuhrmann.

Dem Pflegedienst stehen jedoch genügend Mitarbeiter zur Verfügung, die wegen der geschlossenen Tagespflege freigestellt sind. „Diese möchten wir nun mit den pflegenden Angehörigen in Not zusammenbringen“, so die Kernidee des Angebotes. Es richtet sich gezielt auch an diejenigen, die bisher keinen Pflegedienst in Anspruch nehmen. „Allein von den 730 Patienten, zu denen wir Kontakt haben, sind 210 reine Geldleistungspatienten“, berichtet Fuhrmann und weiß, dass noch weitaus mehr Pflegebedürftige im Kreisgebiet vor allem von ihren Angehörigen und nicht von einem Pflegedienst umsorgt werden. „Auch Nachbarn oder Bekannte, die von solch einer Situation etwas mitbekommen, sind hiermit angesprochen. Viele pflegende Angehörige wollen selbst niemandem zur Last fallen“, weiß Fuhrmann aus Erfahrung.

Welche Art von Hilfe genau benötigt wird, spielt dabei zunächst einmal keine Rolle: Wenn jemand fachliche Fragen hat und eine Beratung benötigt, könne er sich genauso bei „Jung und Alt“ melden, wie wenn er eine Runde auf dem Fahrrad drehen will, um Luft zu schnappen, und für diese Zeit eine Betreuung für seinen demenzkranken Angehörigen benötigt. Ziel sei es dabei auch, eine Vereinsamung auf Seiten der pflegenden Angehörigen zu vermeiden. Die zehn Pfleger, die zur Verfügung stehen, sind laut Pflegedienst allesamt erfahrene Fachkräfte, die mit den Patienten umzugehen wissen, Fragen beantworten können und selbstverständlich auch die Hygienemaßnahmen so gut kennen, dass keine Angst vor einer Ansteckung bestehen muss.

Das Angebot beschränkt sich allerdings auf das gewöhnliche Einzugsgebiet des Pflegedienstes „Jung und Alt“, welches von Höxter über Marienmünster bis nach Steinheim und Nieheim reicht. Es kann zudem nur solange aufrechterhalten werden, wie die personellen Möglichkeiten dazu bestehen. Wichtig ist laut dem Vorstands-Team auch, dass diese Hilfestellung keinesfalls bestehende Pflegedienstleistungen ersetzen soll. „Wir wollen niemand anderem Konkurrenz machen“, appelliert Knopf, die Gebührenfreiheit nicht auf Kosten anderer Pflegedienste auszunutzen.

Wer Hilfe benötigt, kann sich zunächst telefonisch bei der zentralen Verwaltung in Kollerbeck (Telefon 05284/943330) oder dem Beratungsbüro im Steinheimer Gesundheitszentrum (Telefon 05233/9533399) informieren. „Wir können nicht garantieren, dass jede Nachfrage gedeckt wird und sicherlich auch nicht jeden Wunsch erfüllen“, ist Fuhrmann schon jetzt klar. Man werde aber alle Möglichkeiten ausschöpfen und könne auch für die Regionen im Kreis Höxter, welche nicht zum Einzugsgebiet gehören, durch Kontakte weitervermitteln.

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