In vielem sind sich die jetzt fünf Ratsfraktionen in Marienmünster bereits einig
„Probleme sachlich anpacken“

Marienmünster (WB). „Ich freue mich auf die Herausforderung“: Erleichtert und voller Tatendrang hat Josef Suermann bereits am Sonntagabend nach bekanntwerden des Stichwahlergebnisses reagiert. Mit gut elf Prozent Vorsprung wurde der 57-Jährige zum neuen Bürgermeister der Stadt Marienmünster gewählt. Nach 29 Jahren in der Verwaltung wechselt er also nun auf den Chefposten. Das WESTFALEN-BLATT hat mit den fünf Ratsfraktionen gesprochen. Eine sachorientierte Zusammenarbeit streben alle an. Dafür biete der unabhängige Kandidat die besten Voraussetzungen, glauben viele der Befragten.

Montag, 28.09.2020, 22:00 Uhr
Die Fraktionschefs (von links) Elmar Stricker (WGB), Jutta Fritzsche (Grüne), der künftige Bürgermeister Josef Suermann und Josef Wolff (UWG) sind sich einig, dass mit Suermann der richtige, unabhängige und sachliche Kandidat gewonnen habe. Foto: Dennis Pape
Die Fraktionschefs (von links) Elmar Stricker (WGB), Jutta Fritzsche (Grüne), der künftige Bürgermeister Josef Suermann und Josef Wolff (UWG) sind sich einig, dass mit Suermann der richtige, unabhängige und sachliche Kandidat gewonnen habe. Foto: Dennis Pape

Kai Schöttler

„Erst einmal durchschnaufen“, musste am Montag der andere Bürgermeisterkandidat, Kai Schöttler. Er hatte sich einen Tag von seinem Amt des Kämmerers der Stadt Marienmünster frei genommen. „Es war eine anstrengende aber auch eine spannende Zeit. Ich bin vielen netten Menschen begegnet, und das trägt mich auch. Ebenso wie das sehr gute Wahlergebnis in meinem Heimatort Altenbergen (86,4 Prozent)“, resümiert Schöttler, der als junger CDU-Kandidat gegen den „alten Hasen“ Josef Suermann beachtliche 44,45 Prozent erreichte. Auf die Stadt Marienmünster, das könne er als Kämmerer bereits jetzt sagen, kämen schwierige zwei Jahre zu. „Die finanziellen Auswirkungen der Corona-Krise werden wir dann erst richtig zu spüren kriegen“, befürchtet er, „wir können nur hoffen, dass es keine zweite Welle gibt.“ Für den nun bunteren Rat sieht Schöttler dabei positive Zeichen. Wenn es um wirklich wichtige Dinge gehe, habe man sich in Marienmünster immer zusammen gerauft, so Schöttler. Beruflich steht nun die Erstellung des Haushaltes 2021 auf dem Plan. Als Stadtverbandsvorsitzender der CDU will Schöttler weiterhin politisch aktiv bleiben und auch privat sei in der anstrengenden Wahlkampfzeit in Haus und Garten einiges liegen geblieben, um das sich Kai Schöttler nun kümmern will.

Sybille Mocker-Schmidt

„An der Sache agieren“, das wünscht sich die SPD-Bürgermeisterkandidatin Sybille Mocker-Schmidt für die anstehende Ratsperiode. „Wenn das Wahlergebnis eins gezeigt hat, dann dass die Menschen in Marienmünster ein ‚weiter so‘ nicht wollen“, glaubt Mocker-Schmidt. Die jetzt fünf unterschiedlichen Fraktionen seien auch eine Chance, wechselnde Mehrheiten zu finden. Sybille Mocker-Schmidt: „Wir wollen eine verstärkte Kommunikation unter den Fraktionen. Da wäre in den vergangenen Jahren mehr möglich gewesen.“ Dem neuen Bürgermeister Josef Suermann traut die SPD-Frau zu, den Rat zusammen zu führen. Sie glaubt, dass viele der Wähler, die im ersten Gang sie gewählt hätten, nun Suermann ihre Stimme gegeben haben. Für die SPD stehe die Schulwegsicherheit ganz oben auf der Tagesordnung des neuen Rates der Stadt. „Vor allem die Talstraße in Vörden ist für die Schulkinder wirklich gefährlich“, beklagt die Mutter von vier Kindern. In den nächsten Wochen möchte sie gemeinsam mit der SPD-Fraktionen Gespräche mit den anderen Parteien im Stadtrat führen.

Jutta Fritzsche

Unabhängige Bürgermeisterkandidaten sieht Jutta Fritzsche, die mit ihren Grünen aus dem Stand knapp 21 Prozent in Marienmünster erreicht hat und nun in den Stadtrat und den Kreistag einzieht, als die beste Lösung für die Bürger. „Wir sind sehr glücklich über das Ergebnis“, kommentiert sie die Stichwahl vom Sonntag. Mit Josef Suermann stehe nun Erfahrung am Kopf der Stadt, ein Bürgermeister für alle Bürger. Suermann könne den bunter gewordenen Rat lenken und so die besten Ergebnisse erzielen, ist sich Jutta Fritzsche sicher. „Der Auftrag der Wähler lautet: ‚Verändert die Politik‘“, glaubt die Grünen-Politikerin, „wir wollen einen Weg finden, Politik für die Bürger zu machen.“ Dabei sieht Fritzsche den Klimaschutz und das Gemeinwohl an erster Stelle. Aber auch die Nachhaltigkeit müsse ab sofort bei allen Entscheidungen im Rat der Stadt Marienmünster mit einfließen. Darüber hinaus sehen die Grünen auch eine bessere Beteiligung und Transparenz gegenüber den Bürgern als wichtige Voraussetzung. „Wir setzen uns dafür ein, dass sich in unserer Stadt ein Jugendparlament bildet, das bei wichtigen Entscheidungen gehört wird“, so Jutta Fritzsche. Eine Koalition mit der CDU (eine rechnerische Mehrheit) sieht sie nicht: „Ich glaube nicht, dass das die Bürger im Sinn haben. Sie wollen mehr Vielfalt und dass alle gemeinsam die beste Lösung finden.“ Ihre eigene Position im Rat und im Kreistag sieht Fritzsche dabei als Vorteil.

Josef Wolff

„Wir haben Josef Suermann von Anfang an unterstützt und sind froh, dass die Stichwahl in unserem Sinne ausgegangen ist“, sagt Josef Wolff, Fraktionschef der UWG. Suermann könne den Rat durch seine zurückhaltende und sachliche Art nach vorne bringen, ist Wolff vom künftigen Bürgermeister überzeugt. Neutral auf die Sache schauen, ohne dabei die Parteipolitik im Auge behalten zu müssen, das wünsche sich die UWG von Suermann. In den kommenden Wochen würden Gespräche mit den anderen vier Fraktionen im Rat geführt, kündigt Josef Wolff an. Die Themen Bauland in den Ortschaften, Gewerbegebiet und Feuerwehr stünden ganz oben auf der Tagesordnung. In Sachen Sportstätten habe der Rat gemeinsam mit den Vereinen einen guten Kompromiss erzielt. Wolff: „Nun hoffen wir, dass die Förderanträge gut durchgehen.“ Auch für den Tourismus müsse die Stadt ein innovatives Konzept entwerfen, wünscht sich Wolff, der mit allen Fraktionen in Zukunft „an der Sache orientiert“ arbeiten will.

Elmar Stricker

„Sachliche Zusammenarbeit ist wichtig“, sagt auch Elmar Stricker, Fraktionsvorsitzender der WGB im Rat. Für ihn steht das Verteilen von Posten ganz hinten an. In der Stichwahl habe man Josef Suermann unterstützt. Der künftige Bürgermeister werde sich positiv auf das Klima im Rat auswirken, ist sich Stricker sicher. Das Vorantreiben der Projekte aus der Zukunftswerkstatt und die entschlossene Umsetzung des Sportstättenkonzeptes sieht er ganz oben auf der Agenda. Dazu müssten nun auch zügig die Nutzungsvereinbarungen mit den Vereinen geschlossen werden. Das Gewerbegebiet voran zu treiben, attraktives Bauland zu schaffen und den Leerstand zu beseitigen sieht er als weitere wichtige Projekte der kommenden Legislaturperiode. Stricker: „Wir müssen auch dem demografischen Wandel entgegen wirken, attraktiv für junge Familien werden.“ Mit der Grundschule habe man ein „Highlight in der Region“ geschaffen, das als Magnet für junge Familien wirken könne.

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